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Neue OZ: Kommentar zu Walter Kempowski

    Osnabrück (ots) - Nicht vorschnell urteilen

    Nun hat seine Vergangenheit auch Walter Kempowski eingeholt - könnte man auf den ersten Blick meinen. Und dass das Bild des korrekten, ein bisschen peniblen und moralisch integren Dokumentators der Kriegs- und Nachkriegsgeschichte wohl korrigiert werden muss. Oder nicht? Ist es nicht gerade die persönliche Berührung mit den später geleugneten Aktivitäten, die Schriftsteller erst zu jenen Mahnern werden lässt, als die man sie kennt?

    Nun lagen die Dinge in der ehemaligen DDR ein wenig anders - Spionage gegen eine Diktatur ist immerhin eine Form des Widerstands gegen sie. Dennoch hat seine eigene Haftzeit und die seines Bruders Kempowski so belastet, dass er das ganze Kapitel öffentlich nicht mehr berührt wissen wollte.

    Aus sehr unterschiedlichen und nicht immer nur ehrenrührigen Gründen offenbaren also Schriftsteller selbst in ihren biografischen Büchern nur die halbe Wahrheit über sich. Darüber nicht vorschnell zu urteilen sollte uns mit dem Abstand zum Mauerfall möglich sein.

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