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WAZ: Der Fall Litwinenko: Der Kreml hat viel zu verbergen - Kommentar von Florian Hassel

Essen (ots)

Hätte der Drehbuchschreiber eines Agentenfilms sich
überlegt, wie er den Verdacht in einem Mordfall an einem Kreml-Gegner
noch stärker als zuvor auf die Regierung in Moskau lenken könne - er 
hätte sich kein überzeugenderes Szenario ausdenken können als 
dasjenige, das von den russischen Behörden in diesen Tagen in der 
Realität durchgespielt wird.
Eine Reihe von Indizien spricht dafür, dass Alexander Litwinenko 
auf Befehl des russischen Staates ermordet wurde. Der Verdacht gegen 
Moskau bestand bereits, bevor englische Ermittler vor einer Woche 
nach Moskau kamen. Die Polonium-Spur, die Dimitri Kowtun in Hamburg 
hinterlassen hat, ist schließlich nicht die erste Spur, die sich auf 
die Zeit vor dem 1. November - dem Tag der Vergiftung Litwinenkos - 
zurückverfolgen lässt.
Von Beginn an unwahrscheinlich war, dass angebliche 
Geschäftsfeinde oder Erpressungsopfer Litwinenko ermordet haben. Wer 
in Russland, selbst im Ausland, jemand ermorden lassen will, heuert 
einen vergleichsweise billigen Profikiller an. Polonium dagegen ist 
teuer und stammt aus einem Forschungsreaktor oder einer anderen 
staatlichen Atomeinrichtung.
Hätte die russische Regierung den Verdacht entkräften wollen, 
dass sie etwas mit dem Mord zu tun hat, hätte sie mit den Scotland 
Yard-Detektiven vor allem bei der Suche nach dem Ursprungsort des 
eingesetzten Polonium-210 umfassend zusammenarbeiten müssen. Was aber
tat Generalstaatsanwalt Jurij Tschika? Er bestritt - wie zuvor 
Atomchef Sergej Kirijenko -, dass überhaupt eine Untersuchung 
notwendig sei und schloss sie kategorisch aus.
Auch das restliche Verhalten verstärkt den Verdacht gegen den 
russischen Staat. Die Generalstaatsanwaltschaft spielt echte 
Kooperation nur vor. Englands Ermittler dürfen bei Verhören keine 
eigenen Fragen stellen. Kowtun wird plötzlich selbst zum angeblich 
mit Polonium vergifteten Opfer erklärt. Die englischen Ermittler 
bekommen einen anderen Zeugen - Lugowoi - erst nach einer Woche 
Ausflüchte endlich zu Gesicht. Kowtun fällt angeblich ins Koma - eine
Lüge, die peinlicherweise umgehend entlarvt wird.
Dass diese Tatarenmeldung von der kremlnahen Interfax-Agentur 
verbreitet wurde, verstärkte den Eindruck, dass Logowoj und Kowtun 
auf Befehl, mindestens mit Wissen des Kreml, unter Staatsschutz 
genommen wurden. Was nur Sinn macht, wenn dieser Staat viel zu 
verbergen hat.

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