Alle Storys
Folgen
Keine Story von Westdeutsche Allgemeine Zeitung mehr verpassen.

Westdeutsche Allgemeine Zeitung

WAZ: Putins böses Spiel mit Merkel - Kommentar von Miguel Sanches

Essen (ots)

Entweder ist es Wortbruch oder ein Missverständnis. Zum zweiten Mal hält Wladimir Putin nicht ein, was er der Kanzlerin im Ukraine-Konflikt angekündigt hatte. Erst hatte er einer Kontaktgruppe zugestimmt, dann einen Teilabzug seiner Truppen an der Grenze zugesichert. Beide Male folgten den Worten keine Taten. Ein Verständigungsproblem scheidet aus. Merkel spricht russisch, Putin deutsch. Putin hält Merkel hin. Ein böses Spiel, zu dem die Kanzlerin unmöglich länger gute Miene machen kann.

Das Misstrauen nimmt spürbar zu. Außerhalb Deutschlands, vor allem in Osteuropa, wird das enge Verhältnis zu Moskau kritisch beäugt; umso mehr, je länger Erfolge ausbleiben und die Mittlerrolle brotlose Kunst ist. Polens Regierungschef hält eine russische Ukraine-Invasion für möglich und mahnt, die Politik müsse Vorrang vor der Wirtschaft haben - eine Warnung, dass in Berlin Naivlinge oder eigennützige Geschäftemacher das Sagen haben.

Man kann die Sorgen von Polen, Balten und Tschechen nicht einfach abhaken. Zum einen haben sich die russischen Streitkräfte modernisiert; sie sind in der Lage, einen konventionellen Krieg zu führen. Zum anderen lässt Putin es an vertrauensbildenden Maßnahmen fehlen. Darum ist die Frage so wichtig, ob er einen Teil seiner Truppen an der Grenze abzieht oder nicht.

Es ist denkbar, dass in Moskau zwei Lager miteinander ringen: Die einen begnügen sich mit der Krim, die anderen greifen nach der ganzen Ukraine, wohlwissend, dass die Nato auf eine Invasion nicht mit einem Krieg antworten würde. Es gibt also noch eine dritte Erklärung für Putins Verhalten: Was ist, wenn er nicht Herr des Verfahrens ist? Das wäre höchst beunruhigend. Denn ohne oder gar gegen Russland kommt die Ukraine nicht zur Ruhe.

Es droht die Militarisierung der Außenpolitik. Die Nato fühlt sich durch die Ukraine-Krise auf den Plan gerufen. Wenn sie ihre Präsenz in Osteuropa verstärkt, empfinden es die Russen ihrerseits als Eskalation. In jedem Fall wird die Nato die Krise zum Anlass nehmen, Strategie und Bewaffnung auf den Prüfstand zu stellen. Bald könnte die Landesverteidigung wieder die erste Priorität sein, auch der Bundeswehr.

Pressekontakt:

Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Zentralredaktion
Telefon: 0201 - 804 6519
zentralredaktion@waz.de

Original-Content von: Westdeutsche Allgemeine Zeitung, übermittelt durch news aktuell

Weitere Storys: Westdeutsche Allgemeine Zeitung
Weitere Storys: Westdeutsche Allgemeine Zeitung
  • 07.04.2014 – 19:30

    WAZ: Auch eine Frage der Erziehung - Kommentar von Dietmar Seher

    Essen (ots) - Bespuckt, getreten werden sie bei der Fahrkartenkontrolle. Manchmal beißen Hunde Zugbegleiter ins Bein. Doch nicht nur Bahnpersonal ist Opfer von Angriffen. Auch Rettungssanitäter beschweren sich über mehr Aggressivität. Nicht wenige Polizisten gehen mit Einsatztraumata nach Hause. Die Zahlen des neuen Sicherheitsreports der Bahn spiegeln schleichende ...

  • 07.04.2014 – 19:30

    WAZ: In der Bürokratie verheddert - Kommentar von Thomas Wels

    Essen (ots) - Vieles in Sachen Energiewende ist aus dem Ruder gelaufen, auch die Zahl der Unternehmen, die in den Genuss der Befreiung der Ökostrom-Umlage kommen. Zudem ist manches Unternehmen mit Tricksereien der Umlage entkommen. Schwarz-Gelb hat sich in der eigenen Bürokratie verheddert. Das war ein Fehler. Die absurden Beispiele von Geflügelschlachtern bis ...

  • 06.04.2014 – 19:25

    WAZ: Die liberale Wunderwaffe zündet nicht - Kommentar von Wilfried Goebels

    Essen (ots) - FDP-Chef Lindner wusste, dass er sich mit dem Parteivorsitz auf ein Himmelfahrtskommando eingelassen hat. Wenige Wochen vor der Kommunal-und Europawahl stellt die FDP nun in den Umfragen fest, dass die liberale Wunderwaffe nicht zündet. In der glücklosen Ära Rösler haben die Liberalen massiv Vertrauen eingebüßt: Das kann die Ein-Mann-Spitze Lindner ...