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WAZ: Wer schützt die Retter? Kommentar von Wilfried Goebels

Essen (ots) - Das Gewaltmonopol liegt in den Händen des Staates. So weit die Theorie. In der Praxis machen Polizisten zunehmend die Erfahrung, dass die Durchsetzung des staatlichen Ordnungsanspruchs an brutale Grenzen stößt. Dass selbst Rettungssanitäter Opfer von Gewalt werden, wirft die Frage auf, wie es um unsere Zivilgesellschaft bestellt ist.

Allein mit den Mitteln des Strafrechts ist das Problem nicht zu lösen. Polizei und Rettungskräfte werden Opfer eines allgemeinen Werteverfalls in der Gesellschaft. Soziale Konflikte führen zu Gewalt, der Respekt gegenüber dem Gegenüber geht verloren. Häusliche Streitigkeiten nehmen zu, Helfer geraten zwischen die Fronten.

Dass Rettungskräfte, die zu Einsätzen gerufen werden, Selbstverteidigungskurse machen müssen, ist paradox. Und dass bei einigen Mitmenschen eine feindselige Grundstimmung vorherrscht, erfahren Beamte leidvoll im Berufsalltag. Was tun? Ein Weg: Polizisten und Retter müssen besser psychologisch geschult werden, um Konflikte zu bewältigen.

Aber auch die Justiz kann ein Zeichen setzen, indem sie den Schutz der Helfer verbessert. 30 Prozent der Verfahren wegen Beleidigung von Polizisten werden eingestellt. Tätern vermittelt sich der Eindruck von rechts- freien Räumen. Der Polizist ist Repräsentant des Staates, deshalb hat er Anspruch, dass der Staat ihn schützt.

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