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WAZ: Tadelloser Wulff. Kommentar von Miguel Sanches

Essen (ots) - Man kann in Israel, als deutscher Gast zumal, einiges richtig, aber noch viel mehr falsch machen. Christian Wulff hat keinen Fehler gemacht. Der Bundespräsident hat einen tadellosen Auftritt gehabt. Er ist harmlos und zurückhaltend, auf Ausgleich bedacht, vor allem ist er nach dem Zweiten Weltkrieg geboren. Auch das macht einiges leichter. Aber in ein paar Wochen wird man von seiner Visite nur zwei Bilder in Erinnerung behalten: Das von seiner Tochter, die Wulff begleitete, und von seinem Besuch bei den Eltern von Gilad Schalit, der seit 1620 Tagen Gefangener der Hamas ist. Am Schicksal des jungen Soldaten nimmt ganz Israel teil. Wulffs Besuch ist ein Statement.

Politisch blieb er unauffällig. Dass er die palästinensischen Gebiete besucht hat, war schon das Signal: der Zuwendung, der Anerkennung, des Respekts. Der Papst hat sich direkt an der Mauer gezeigt. So ein Bild bot der risikoscheue Wulff nicht.

Deutschland hat gewiss schon Präsidenten mit mehr Autorität und Ausstrahlung gehabt, etwa Richard von Weizsäcker oder Johannes Rau. Aber im direkten Vergleich mit dem Vorgänger Horst Köhler wird eines klar: Bei Wulff sitzt der politische Anzug.

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