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WAZ: Protest wird rabiater. Kommentar von Dirk Hautkapp

Essen (ots) - Bevor die Debatte um die neue Widerstands-Taktik der Atom-Gegner aus dem Ruder läuft, eine kurze Erinnerung: Nötigende Sitzblockaden oder sich im Schienenfundament einbetonierende Aktivisten waren im Wendland schon häufig angewandte Strategien des zivilen Ungehorsams. Sie rangieren in der Grauzone zwischen illegal, halb-legal und, nach Ansicht einiger Zeitgenossen, legitim. Die offene Drohung, den Castor-Zügen den Schotter zu entziehen, steht, ob-wohl mehr Propaganda und Ausdruck von Ohnmacht, für eine schrillere Tonlage in einem Katz-und-Maus-Spiel zwischen Staat und Atom-Gegnern. Würde sie umgesetzt, was 20 000 Polizisten zu verhindern wissen werden, wäre die rote Linie überschritten.

Die Initiatoren spielen mit dem Feuer. Es reicht einer größer werdenden Minderheit offenbar nicht mehr, sich wie die Eltern-Generation auf die Straße zu setzen und von der Polizei wegtragen zu lassen. Aber auch der rabiateste Widerstandsgeist muss Grenzen haben. Die politischen Kosten für die lebensverlängernde Maßnahme für die 17 gefährlichsten deutschen Müll-Produzenten, die Atomkraftwerke, sind eh hoch genug. Kommt es im November zu Eskalationen wie bei Stuttgart 21, wird nicht nur Kanzlerin Merkel einen hohen Preis bezahlen.

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