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WAZ: Duisburg und Karstadt - Ohne Worte - Leitartikel von Thomas Wels

Essen (ots) - So ziemlich alle Kommunen mit Karstadt-Standorten haben verstanden, welche Stunde dem insolventen Kaufhauskonzern geschlagen hat. Nur im Duisburger Rat, da stehen die Uhren still. Die Kommunalpolitiker schicken sich an, der Karstadt-Sanierung den Todesstoß zu geben. Und zwar mit der verwegenen Begründung, man könne nicht auf Gewerbesteuer verzichten. Diese Steuer aber hat nur eine virtuelle Basis, ist schlicht ein bilanztechnisches Phantom. Im Klartext: Der Rat in Duisburg macht sich anheischig, Gewerbesteuer auf einen außerordentlichen Ertrag zu kassieren, der allein deshalb zustande kommt, weil Handwerker, Lieferanten und Mitarbeiter auf ausstehendes Geld von Karstadt verzichten. Das ist finanzpolitische Wegelagerei, moralisch schäbig, rechtlich mit nichts zu rechtfertigen. Duisburg will sich am Verzicht anderer bereichern, begibt sich bundesweit ins Abseits, diskreditiert und blamiert bis auf die Knochen. Die freundlichste Annahme ist, dass die Ratsmitglieder (abgesehen vom Oberbürgermeister Sauerland) nicht verstanden haben, was sie da tun. Sollte ein Verkauf von Karstadt an Duisburg scheitern, hat der Rat tausende Arbeitsplätze auf dem Gewissen. Wehe, in Duisburg heult dann noch einmal einer öffentlich über verödende Innenstädte.

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