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WAZ: Trauerfeier für Robert Enke - Berührend und maßlos zugleich - Leitartikel von Frank Stenglein

Essen (ots)

Die These sei gewagt: Wo sich am Wochenende Familien
oder Freundeskreise zusammenfanden, vielleicht weil sie zum Essen 
verabredet waren, da saß auch das Thema Robert Enke mit am Tisch. 
Vermutlich stand nicht mehr so sehr der Selbstmord im Mittelpunkt der
Gespräche, sondern das Für und Wider einer Trauer-Inszenierung, die 
man in ähnlich pathetischer Form zuletzt im April 1967 gesehen hat.
Als Konrad Adenauer starb, wurde sein Sarg vom Kölner Dom, wo die
Trauerfeier stattfand, auf einem Schiff der Bundeswehr zum Friedhof 
in Rhöndorf bei Bonn gefahren. Mancher empfand das damals als 
unangemessenen Pomp. Doch Adenauer war immerhin der erste 
Bundeskanzler nach dem Krieg, ein Staatsmann, den man als Begründer 
der modernen Bundesrepublik bezeichnen kann, der Entscheidungen traf,
die bis heute das innere und äußere Koordinatensystem der Nation 
prägen.
Die persönliche Tragödie des Menschen Robert Enke wird niemanden 
unberührt lassen, der zu Mitgefühl fähig ist, und die ehrliche Trauer
so vieler Menschen beeindruckt. Aber hier starb - ein Fußballer, ein 
Akteur in einem Unterhaltungsbetrieb, dessen Bedeutung man früher mal
als "schönste Nebensache der Welt" umschrieb.
Der Sarg dieses unglücklichen Menschenkindes wurde auf den 
Elfmeterpunkt gestellt, drumherum schwelgten Zehntausende im 
Gefühlsrausch, im Fernsehen herrschte Ausnahmezustand. Über Geschmack
lässt sich schlecht streiten, über Stilfragen auch nicht. Aber man 
darf als Beobachter finden, dass hier einige Maßstäbe verrutscht 
sind.

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Telefon: 0201 / 804-6528
zentralredaktion@waz.de

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