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WAZ: Nobelpreis für Herta Müller - Eine würdige Wahl - Leitartikel von Jens Dirksen

    Essen (ots) - Berühmt ist Herta Müller seit der gestrigen Nobilitierung aus Stockholm, aber gerühmt wird sie schon seit langem, von Kennern: Kaum ein Jahr seit 1984, in dem sie nicht mit einem Literaturpreis ausgezeichnet wurde. So lässt der dritte Nobelpreis für deutschsprachige Autoren binnen zehn Jahren wieder an die Nation der Dichter und Denker glauben; er zeichnet aber auch das unsystematische System unserer Literaturförderung aus, das mit seiner Vielzahl an Preisen offenbar doch das fördert, was gut ist. Einmal mehr ging der Preis also nach Europa, einmal mehr blieben die Amerikaner außen vor. Ein Autor wie Philip Roth, seit Jahren als Kandidat für den Preis gehandelt, wird gut daran tun, die Entscheidung des Nobel-Komitees politisch zu verstehen. Herta Müller selbst ist schließlich eine eminent politische Autorin. Sie machte aus der Erfahrung mit der Ceausescu-Diktatur Terror und Sehnsucht nach Freiheit zum Lebensthema. Und setzt die Reihe solcher Preisträger wie Heinrich Böll und Günter Grass konsequent fort. Nur dass Herta Müllers Werke sprachlich noch kühner, noch virtuoser, noch poetischer ausfallen als die ihrer Vorgänger. Schon deshalb ist sie eine mehr als würdige Preisträgerin.

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