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WAZ: Entscheidung in USA steht bevor - Die Generation Obama - Leitartikel von Markus Günther

Essen (ots)

Barack Obama ist noch lange nicht am Ziel. Ob er
tatsächlich Präsident wird, ist offen. Aber er hat schon jetzt 
erreicht, was - im eigenen Land und rund um die Welt - eigentlich 
alle für unmöglich gehalten haben: Nach den heutigen letzten 
Vorwahlen wird er Präsidentschaftskandidat der Demokratischen Partei.
Hillary Clinton wird früher oder später aufgeben. Knapp 150 Jahre 
nach dem Ende der Sklaverei und 40 Jahre nach dem Mord an Martin 
Luther King schreibt Obama mit eigenwilliger Handschrift Geschichte.
Er hat in praktisch allen Städten der USA gewonnen, und er hat 
außerhalb der Städte flächendeckend verloren. Obama, dem 
selbsterklärten Brückenbauer, ist es bei allen Erfolgen nicht 
gelungen, den tiefsten ideologischen Graben Amerikas zu überwinden, 
den zwischen dem urbanen Leben in den Städten und dem Leben im 
amerikanischen Hinterland. Dass es trotzdem zum Sieg gereicht hat, 
erklärt sich dadurch, dass Obama in den Städten eine beispiellose 
Euphorie ausgelöst hat. Vor allem Studenten und jüngere Wähler haben 
Obamas Kandidatur wie einen Rausch erlebt. Sie haben in einem fast 
schon bedenklichen Maße ihre Hoffnungen auf den schmächtigen 
Intellektuellen projiziert. Die 18- bis 35-Jährigen erleben Obamas 
Kampagne als historischen Neuanfang, als großen Aufbruch in die 
Zukunft. Sich selbst empfinden sie dabei nicht als Partei, sondern 
als Bewegung. Es ist die Generation Obama. Nie zuvor ist es einem 
amerikanischen Politiker gelungen, so viele Jung- und Erstwähler für 
sich zu mobilisieren.
Obama als Messias-Figur mit Heiligenschein? So etwa fing der 
Vorwahlkampf an. Nun ist Obama auf menschliches Maß geschrumpft. Er 
hat Fehler gemacht, Schwächen gezeigt, er hat auch gelegentlich eine 
Härte an den Tag gelegt, die viele seiner Bewunderer überrascht hat. 
Der Höhepunkt der "Obamania" war am Ende des Vorwahlkampfes längst 
überschritten, und das ist im Kern auch gut so. Demokratie verträgt 
keine Heiligenverehrung.
Für die frühere First Lady Hillary Clinton - und für alle, die 
auf das historisch ebenso bedeutsame Ereignis einer ersten Frau als 
Präsidentschaftskandidat gehofft haben - ist die Niederlage bitter. 
Aber für die Demokratie ist es eine gute Nachricht. Clinton hat 
programmatisch wenig geboten. Und die quasimonarchistische Pflege 
politischer Dynastien ist für eine Demokratie nicht wünschenswert. 
Dass Obama nun auch die Wahl gegen John McCain gewinnt, dass er 
Präsident wird, das halten viele für unmöglich. Sie haben sich schon 
einmal getäuscht.

Pressekontakt:

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Zentralredaktion
Telefon: 0201 / 804-2727
zentralredaktion@waz.de

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