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19.02.2005 – 18:15

BERLINER MORGENPOST

Berliner Morgenpost: Kommentar Berlinale

    Berlin (ots)

Man darf nicht zuviel versprechen, sonst wird man am Ende an seinen eigenen Worten gemessen. Diese Lektion muß Dieter Kosslick in diesem Jahr schmerzlich gelernt haben. Was hat er nicht alles vollmundig prognostiziert: Es werde wunderschönes Wetter. Nun, darauf hat ein Berlinale-Chef am wenigsten Einfluß; aber außer Jury-Mitglied Bai Ling dürfte sich keiner über die ewigen Frost- und Schnee-Einfälle gefreut haben. Es würde eine „andere“ Berlinale werden. Es würden genug Stars kommen, trotz der Oscar-Vorverlegung von Ende März auf Ende Februar. Gestern gab er dann selbst zerknirscht zu, daß „keine Stars“ da waren. Das war nun auch wieder nicht richtig: Aber es waren eben doch deutlich weniger als in den Vorjahren. Wiederholt aber hatte Kosslick verkündet, man möge doch bitte das Hauptinteresse auf die Filme lenken, die seien die eigentlichen Stars. Woher er diesen Optimismus hernahm, bleibt schleierhaft. Denn wer den gesamten Wettbewerb besuchte, sah nur viel Mittelmaß und wenig Außergewöhnliches. Selbst Jury-Chef Roland Emmerich, und das dürfte den Schwaben-Freund Kosslick am meisten gewurmt haben, sprach von einem „mauen Jahr“. Zumindest eine Prognose aber ist wirklich eingetreten: daß es eine freundliche Berlinale werde. Selten war die Atmosphäre so entspannt, selten die Filmtalente und Pressevertreter so freundlich zueinander wie in diesem Jahr. Das lag natürlich auch an dem sehr unaufgeregten Programm. Irgendwann in diesem Jahr, wenn der Frust über diese Berlinale verklungen ist und die Arbeit an der nächsten beginnt, wird auch über eine Vertragsverlängerung nachgedacht werden. Sie wird nicht in Frage stehen. Dafür hat Kosslick der Berlinale in den vergangenen drei Jahren zuviel geschenkt. Überhaupt wird dieser Jahrgang ja nur deswegen als so fad empfunden, weil der 56jährige die Meßlatte selbst so hoch gelegt hat. Mit gleich zwei Bären für einen deutschen Beitrag – dem hochverdienten an Julia Jentsch als „Sophie Scholl“ und einem eher zweifelhaften an Regisseur Marco Rothemund für denselben Film – dürfte Kosslick gleichwohl sein Renommee verstärkt haben, den deutschen Film weiter fest im Festival zu verankern. Deshalb weiter so im neuen Jahr. Aber bitte ohne große Versprechungen. Und ohne eine „andere“ Berlinale.


ots-Originaltext: Berliner Morgenpost

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