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Berliner Morgenpost: Verzweifelter Trumpf im großen Opel-Spiel - Kommentar

Berlin (ots)

Da hat sich Bundeswirtschaftsminister Guttenberg
ganz schön vergaloppiert - so scheint es. Kaum hat man im 
Bundeswirtschaftsministerium die Offerten für Opel durchgeblättert, 
verkündet der Ressortchef markig, dass eine Insolvenz des Autobauers 
derzeit besser sei, als jedes der drei Angebote von Fiat, dem 
Zulieferer Magna oder dem Finanzinvestor Ripplewood. Diplomatisch ist
es nicht gerade, den ums Überleben ringenden Autobauer eine Insolvenz
als derzeit beste Lösung zu empfehlen. Das schadet dem Image und 
lässt den Wert Opels weiter sinken. Das verschreckt Kunden und sorgt 
nicht zuletzt für handfesten Krach mit dem Koalitionspartner SPD und 
den Betriebsräten. Aber Diplomatie ist gar nicht gefragt. Im großen 
Spiel um Opel wird der am besten wegkommen, der am geschicktesten 
pokert. Und Guttenberg hat nur einen Trumpf: die Drohung mit der 
Insolvenz. Dass er ihn jetzt spielt, ist Taktik.
Die Bieter für Opel wissen, dass die Bundesregierung massiv unter 
Druck steht. Ende der Woche droht die Pleite des Mutterkonzerns 
General Motors (GM), dann ist eine Rettung der deutschen Tochter Opel
noch schwieriger. Die bisherigen Offerten für den Rüsselsheimer 
Autobauer sind Minimalangebote, die kaum eigenes Risiko für den 
Investor, aber ein Maximum an Staatshilfen beinhalten - und jederzeit
die Möglichkeit, dass Opel auch mit dem neuen Partner schon in 
wenigen Monaten endgültig Schiffbruch erleidet. Die Gefahr, dass bei 
Opel mit Steuermitteln experimentiert wird und am Ende Milliarden 
verpulvert werden, ist unangemessen groß.
Guttenbergs Warnung, Opel zur Not in die Insolvenz zu schicken, soll 
Fiat, Magna und Ripplewood klar machen, dass die Bundesregierung den 
Autobauer nicht um jeden Preis retten wird, dass die Angebote 
deutlich nachgebessert werden müssen. Und er soll den Autoriesen 
General Motors aufrütteln, der letztlich darüber entscheiden wird, 
wer Opel übernimmt. Bislang hat GM auf Zeit gespielt, ganz nach dem 
Motto, Deutschland werde das - vornehmlich in den USA angerichtete - 
Problem des deutschen Autobauers schon richten. Dann wäre GM eine 
Sorge los, denn von einer Tochter, die mit Staatsmilliarden 
ausgestattet weiterproduzieren kann, würde auch der Mutterkonzern 
profitieren. Opel in der Insolvenz wäre dagegen ein weiterer Klotz am
Bein von GM. Und den können sich die Amerikaner wahrlich nicht 
leisten.
Zumindest die Bieter haben Guttenbergs Botschaft verstanden. Fiat hat
bereits ein neues Angebot vorgelegt, Magna will es tun. Das Pokern um
Opel beginnt jetzt erst richtig. Doch dass die Investoren nennenswert
nachbessern, ist wenig wahrscheinlich. Denn letztlich wissen sie wie 
der Wirtschaftsminister selbst, dass dieser trotz Insolvenzdrohung 
ein reichlich schwaches Blatt in Händen hält. Gerade noch hat die 
Bundesregierung ein milliardenschweres Treuhand-Paket für Opel 
geschnürt - und der Wahlkampf hat praktisch begonnen. Allen ist klar:
Eine Opel-Insolvenz kann sich derzeit eine Bundesregierung nur im 
schlimmsten Fall leisten.

Pressekontakt:

Berliner Morgenpost
Chef vom Dienst
Telefon: 030/2591-73650
bmcvd@axelspringer.de

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