ADHS: Mehr Neudiagnosen bei Kindern in Sachsen
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Immer mehr Kinder und Jugendliche in Sachsen erhalten eine ADHS-Neudiagnose. Im Vergleich zum Vorjahr gab es 2024 einen Anstieg um sieben Prozent. Hochgerechnet wurde damit landesweit bei rund 6.400 jungen Menschen erstmals ADHS diagnostiziert. Das ist das Ergebnis des aktuellen Kinder- und Jugendreports der DAK-Gesundheit für Sachsen. Besonders auffällig ist die Geschlechterverteilung: Jungen bekommen fast dreimal so häufig eine Erstdiagnose wie Mädchen. Gleichzeitig steigen die Neudiagnosen bei Mädchen mit einem Zuwachs von elf Prozent stärker an als bei Jungen mit sechs Prozent. Vor dem Hintergrund der Ergebnisse betont DAK-Landeschef Stefan Wandel, wie wichtig eine stärkere Vernetzung in der Versorgung junger Menschen ist. Lesen Sie mehr in unserer Pressemeldung.
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Ihr Presseteam der DAK-Gesundheit Sachsen
ADHS: Mehr Neudiagnosen bei Kindern in Sachsen
- Sonderanalyse DAK-Kinder- und Jugendreport: Jungen erhalten fast dreimal so häufig eine Erstdiagnose
- Neuerkrankungen steigen um sieben Prozent, bei Mädchen sogar um elf Prozent
- DAK-Landeschef Wandel fordert Zusammenspiel und Vernetzung – Schule als zentraler Hebel
Immer mehr Kinder und Jugendliche in Sachsen erhalten eine ADHS-Neudiagnose. Im Vergleich zum Vorjahr gab es 2024 einen Anstieg um sieben Prozent. Hochgerechnet wurde damit landesweit bei rund 6.400 jungen Menschen erstmals ADHS diagnostiziert. Das ist das Ergebnis des aktuellen Kinder- und Jugendreports der DAK-Gesundheit für Sachsen. Besonders auffällig ist die Geschlechterverteilung: Jungen bekommen fast dreimal so häufig eine Erstdiagnose wie Mädchen. Gleichzeitig steigen die Neudiagnosen bei Mädchen mit einem Zuwachs von elf Prozent stärker an als bei Jungen mit sechs Prozent. Bei einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) handelt es sich um eine multifaktoriell bedingte Erkrankung, bei der sowohl die Genetik als auch Umweltfaktoren eine wichtige Rolle spielen. Die DAK-Daten zeigen, dass in Sachsen 3,5 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von drei bis 17 Jahren 2024 mit einer ADHS-Diagnose medizinisch versorgt wurden. Vor dem Hintergrund der Ergebnisse betont DAK-Landeschef Stefan Wandel, wie wichtig eine stärkere Vernetzung in der Versorgung junger Menschen ist.
„Die Ergebnisse zeigen, wie wichtig ein abgestimmtes Zusammenspiel von Schule, Elternhaus, Kinder- und Jugendhilfe sowie dem Gesundheitssystem ist. Nur wenn die beteiligten Akteure eng zusammenarbeiten, können Kinder und Jugendliche mit ADHS bedarfsgerecht unterstützt werden“, sagt Landeschef Stefan Wandel. „Gerade in Sachsen zeigt sich, wie wichtig verlässliche Netzwerke und kurze Wege in der Versorgung sind. Es gilt jetzt, vorhandene Unterstützungsangebote besser zu vernetzen und Kinder dort zu erreichen, wo sie einen großen Teil ihres Alltags verbringen: in der Schule.“
Als erste Krankenkasse hat die DAK-Gesundheit in Sachsen ambulante und stationäre Abrechnungsdaten von Kindern und Jugendlichen mit dem Fokus auf ADHS für das Jahr 2024 ausgewertet. Für die aktuelle DAK-Sonderanalyse im Rahmen des Kinder- und Jugendreports untersuchte das Wissenschaftsteam von Vandage und der Universität Bielefeld Abrechnungsdaten von rund 19.100 Kindern und Jugendlichen bis einschließlich 17 Jahren, die bei der DAK-Gesundheit in Sachsen versichert sind. Analysiert wurden rund eine Million Versorgungskontakte im Zeitfenster von 2019 bis 2024.
Hochgerechnet 6.400 Kinder mit Neudiagnose ADHS
2024 erhielten in Sachsen laut DAK-Kinder- und Jugendreport 11,3 je 1.000 Kinder und Jugendliche eine ADHS-Neudiagnose. Das entspricht hochgerechnet rund 6.400 jungen Menschen. Gegenüber dem Vorjahr stieg die Zahl der Neuerkrankungen um sieben Prozent. Die meisten ADHS-Erstdiagnosen entfielen mit 16,9 Neuerkrankungen je 1.000 Kinder auf Grundschulkinder im Alter von fünf bis neun Jahren. Die stärksten Zuwächse gegenüber dem Vorjahr verzeichneten dagegen Kleinkinder (+85 Prozent) und Jugendliche (+53 Prozent).
Anstieg bei Mädchen: ADHS kein reines „Jungen-Thema“
Der DAK-Kinder- und Jugendreport zeigt, dass Jungen 2024 in Sachsen fast dreimal so häufig eine ADHS-Neudiagnose bekommen haben wie Mädchen. So erhielten 16,2 Jungen und 5,9 Mädchen je 1.000 Kinder und Jugendliche 2024 erstmals eine ADHS-Diagnose. Das entspricht hochgerechnet rund 4.700 Jungen und 1.600 Mädchen. Im Vergleich zum Vorjahr weisen Mädchen aber mit einem Zuwachs von rund elf Prozent höhere Steigerungsraten auf als Jungen mit gut sechs Prozent.
Expertin: ADHS wird bei Mädchen oft erst spät erkannt
„Die Zahlen des aktuellen DAK-Kinder- und Jugendreports zu ADHS bestätigen, was wir auch in der klinischen Praxis beobachten: ADHS bleibt eine der häufigsten psychischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter. Die Gesamthäufigkeit hat sich zuletzt nur wenig verändert, auch wenn die Zahl der Neudiagnosen 2023/2024 bei beiden Geschlechtern noch einmal angestiegen ist. Dabei ist ein Zusammenhang mit der Pandemiezeit zu vermuten, in welcher möglicherweise die Symptomatik durch Homeschooling weniger sichtbar wurde und Diagnosestellungen aufgeschoben wurden, die nun ‚nachgeholt‘ werden“, sagt Charlotte Ballauf, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie am Städtischen Klinikum Dresden. „Unabhängig davon freut es mich besonders, dass wir zunehmend auch einen strukturellen Erkennungsrückstand bei Mädchen aufholen. Auf unserer Station sehen wir aktuell noch einige Mädchen im Jugendalter, deren ADHS bereits in der Grundschulzeit übersehen wurde und die nun mit Erschöpfung, psychosomatischen Beschwerden oder Schulabsentismus zu kämpfen haben – Folgen, die bei einer früheren Diagnose möglicherweise vermeidbar gewesen wären. Dass Mädchen mit ADHS zudem seltener eine medikamentöse Therapie erhalten als Jungen, ist fachlich nicht ausreichend begründet und sollte uns zu denken geben. Ein Teil der Unterschiede ist eben nicht biologisch bedingt, sondern weist auf Lücken bei der Erkennung und Versorgung betroffener Mädchen hin. Diese Lücken sollten wir weiter schließen.“
ADHS-Krankheitshäufigkeit bei Kindern auf hohem Niveau
Der DAK-Kinder- und Jugendreport macht deutlich, dass die Krankheitshäufigkeit von ADHS bei Kindern auf einem hohen Niveau liegt: 3,5 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von drei bis 17 Jahren wurden 2024 in Sachsen mit einer ADHS-Diagnose medizinisch versorgt. Das entspricht hochgerechnet rund 19.900 jungen Menschen in Sachsen. Knapp ein Drittel von ihnen erhielt in diesem Zeitraum erstmals eine ADHS-Diagnose. Gut 36 Prozent von ihnen erhielten eine Verschreibung von Medikamenten. Auch hier zeigt sich ein Geschlechterunterschied: Während rund 39 Prozent der Jungen 2024 ADHS-Medikamente verschrieben bekamen, waren es bei Mädchen etwa 28 Prozent.
Vergleichsweise niedrige Betroffenheit in Sachsen
Die DAK-Analyse zeigt, dass der Anstieg der ADHS-Neudiagnosen in Sachsen schwächer ausfiel als im Bundesschnitt. 2024 stiegen die Erstdiagnosen im Freistaat im Vergleich zum Vorjahr um sieben Prozent, bundesweit um 16 Prozent. Bei der Krankheitshäufigkeit liegt Sachsen mit 3,5 Prozent deutlich unter Thüringen (5,0 Prozent) und auch unter dem Bundesdurchschnitt von 5,2 Prozent.
ADHS: ein kurzer Überblick
ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist eine Störung der neuronalen Entwicklung eines Kindes. Die Störung kann im Nervensystem, im Gehirn oder ganz allgemein auf der Interaktionsebene auftreten. Tritt sie im Nervensystem auf, ist dort der Stoffwechsel von sogenannten Neurotransmittern als ‚Botschaftern zwischen den Nerven‘ gestört. Startet die Krankheit im Gehirn, können Betroffene sich selbst schwer steuern oder kontrollieren. Tritt ADHS auf der Interaktionsebene auf, haben die Betroffenen Schwierigkeiten mit Bezugspersonen und mit sozialen Bindungen. Weitere Informationen: dak.de/adhs
Die DAK-Gesundheit ist mit 5,4 Millionen Versicherten die drittgrößte Krankenkasse Deutschlands und engagiert sich besonders für Kinder- und Jugendgesundheit.
Freundliche Grüße
Emma Schwarze DAK-Gesundheit Stabsbereich Unternehmenskommunikation Presse und politische Kommunikation
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