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ADHS: Mehr Neudiagnosen bei Kindern in Rheinland-Pfalz

ADHS: Mehr Neudiagnosen bei Kindern in Rheinland-Pfalz
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Deutlich mehr Kinder und Jugendliche haben in Rheinland-Pfalz eine ADHS-Neudiagnose erhalten. Im Vergleich zum Vorjahr gab es 2024 einen Anstieg um 18 Prozent. Hochgerechnet wurde somit landesweit bei rund 11.700 jungen Menschen erstmals ADHS diagnostiziert. Das ist das Ergebnis des aktuellen Kinder- und Jugendreports der DAK-Gesundheit für Rheinland-Pfalz. Besonders auffällig ist die Geschlechterverteilung: Jungen bekommen deutlich häufiger eine Erstdiagnose als Mädchen. Gleichzeitig steigen die Neudiagnosen bei Mädchen mit einem Zuwachs von 33 Prozent stärker an als bei Jungen mit 11 Prozent. Lesen Sie mehr in unserer Pressemeldung.

Ihr Presseteam der DAK-Gesundheit Rheinland-Pfalz

ADHS: Mehr Neudiagnosen bei Kindern in Rheinland-Pfalz

  • Sonderanalyse DAK-Kinder- und Jugendreport: Jungen erhalten deutlich häufiger eine Erstdiagnose
  • Neudiagnosen steigen um 18 Prozent, bei Mädchen sogar um 33 Prozent
  • DAK-Landeschef Lange fordert Zusammenspiel und Vernetzung

Deutlich mehr Kinder und Jugendliche haben in Rheinland-Pfalz eine ADHS-Neudiagnose erhalten. Im Vergleich zum Vorjahr gab es 2024 einen Anstieg um 18 Prozent. Hochgerechnet wurde somit landesweit bei rund 11.700 jungen Menschen erstmals ADHS diagnostiziert. Das ist das Ergebnis des aktuellen Kinder- und Jugendreports der DAK-Gesundheit für Rheinland-Pfalz. Besonders auffällig ist die Geschlechterverteilung: Jungen bekommen deutlich häufiger eine Erstdiagnose als Mädchen. Gleichzeitig steigen die Neudiagnosen bei Mädchen mit einem Zuwachs von 33 Prozent stärker an als bei Jungen mit 11 Prozent. Bei einer Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) handelt es sich um eine multifaktoriell bedingte Erkrankung, bei der sowohl die Genetik als auch Umweltfaktoren eine wichtige Rolle spielen. Die DAK-Daten zeigen, dass in Rheinland-Pfalz 6,4 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von drei bis 17 Jahren 2024 mit einer ADHS-Diagnose medizinisch versorgt wurden. Vor dem Hintergrund der Ergebnisse betont DAK-Landeschef Rainer Lange, wie wichtig eine stärkere Vernetzung in der Versorgung junger Menschen ist.

„Wir brauchen in Rheinland-Pfalz ein gut abgestimmtes Zusammenspiel aller, die Kinder begleiten und versorgen. Nur so können sie früh stabilisiert und gezielt unterstützt werden, bevor sich Belastungen verfestigen“, sagt DAK-Landeschef Rainer Lange. „Dafür sind ein offener Diskurs und konkrete Umsetzungspläne entscheidend, um die Resilienz junger Menschen zu steigern und Stressoren zu reduzieren. Ein großes Potenzial liegt hier in der Schule, wo wir alle Kinder erreichen können.“

Als erste Krankenkasse hat die DAK-Gesundheit in Rheinland-Pfalz ambulante und stationäre Abrechnungsdaten von Kindern und Jugendlichen mit dem Fokus auf ADHS für das Jahr 2024 ausgewertet. Für die aktuelle DAK-Sonderanalyse im Rahmen des Kinder- und Jugendreports untersuchte das Wissenschaftsteam von Vandage und der Universität Bielefeld Abrechnungsdaten von rund 48.200 Kindern und Jugendlichen bis einschließlich 17 Jahren, die bei der DAK-Gesundheit in Rheinland-Pfalz versichert sind. Analysiert wurden rund 2,5 Millionen Versorgungskontakte wie etwa Arzt- und Therapeutenbesuche, Krankenhausaufenthalte und Arzneimittelverschreibungen im Zeitfenster von 2019 bis 2024. Besonders auffällig sind die Jahre 2023 und 2024 – hier sind die stärksten Anstiege der ADHS-Neudiagnosen erkennbar.

Hochgerechnet 11.700 Kinder mit Neudiagnose ADHS

2024 erhielten in Rheinland-Pfalz laut DAK-Kinder- und Jugendreport 19,9 je 1.000 Kinder und Jugendliche eine ADHS-Neudiagnose. Das entspricht hochgerechnet rund 11.700 jungen Menschen. 2024 zeigt sich im Vergleich zu 2023 ein Plus von 18 Prozent. Der Anstieg betrifft alle Altersgruppen. Am häufigsten betroffen sind Grundschulkinder im Alter zwischen fünf und neun Jahren: So erhielten 2024 28,1 von 1.000 Grundschulkindern die Neudiagnose ADHS. Im Vorjahr waren es 25,2.

Anstieg bei Mädchen: ADHS kein reines „Jungen-Thema“

Der DAK-Kinder- und Jugendreport zeigt, dass Jungen in Rheinland-Pfalz deutlich häufiger eine ADHS-Neudiagnose bekommen haben als Mädchen. So erhielten 25,4 Jungen und 14,1 Mädchen je 1.000 Kinder und Jugendliche 2024 erstmals eine ADHS-Diagnose. Das entspricht hochgerechnet rund 7.600 Jungen und 4.000 Mädchen. Im Vergleich zum Vorjahr weisen Mädchen aber mit einem Zuwachs von rund 33 Prozent sichtlich höhere Steigerungsraten auf als Jungen mit 11 Prozent.

Experte: ADHS ist keine Modediagnose

„Bei ADHS handelt es sich um eine multifaktorielle Erkrankung mit nachgewiesen starker biologischer Grundlage. Wenn eine genetische Veranlagung besteht, können aber auch sogenannte Stressoren dazu führen, dass eine psychische Erkrankung eher zum Tragen kommt“, so Prof. Dr. med. Christoph U. Correll, Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Kindes- und Jugendalters an der Berliner Charité. „In den Daten des DAK-Kinder- und Jugendreports sehen wir, dass ADHS häufiger diagnostiziert wird – unter anderem eventuell auch, weil der Druck und Stress für Kinder und Jugendliche zugenommen haben. Wir beobachten wahrscheinlich zum Teil auch Spätfolgen der Pandemie, weil wichtige Lernschritte eventuell unterbrochen oder verzögert wurden.“ Zudem nehme der negative Einfluss sozialer Medien zu: „Der erhöhte Medienkonsum kann die Konzentrationsfähigkeit mindern, das Stresslevel erhöhen und durch unrealistische Idealbilder den Selbstoptimierungsdruck verstärken“, ergänzt Correll. Sicherlich sei das Thema ADHS in der Öffentlichkeit auch präsenter geworden. Ärztinnen und Ärzte, Eltern und Lehrkräfte seien heute besser über die Symptome informiert. „Die Krankheit kann dadurch schneller und früher diagnostiziert und gegebenenfalls behandelt werden – genau das ist wichtig, um jungen Menschen zu helfen, ihre Ziele zu erreichen. Von einer Modediagnose oder Überdiagnostik kann jedoch im Allgemeinen keine Rede sein.“

„Mädchen wurden sehr wahrscheinlich lange unterdiagnostiziert“, sagt Dr. med. Anke Wenzel, Kinder- und Jugendärztin in Mainz und stellvertretende Landesvorsitzende des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzt*innen e. V. (BVKJ) in Rheinland-Pfalz. „Oft fällt hier die Konzentrationsstörung erst in der weiterführenden Schule auf.“ ADHS sei damit kein reines „Jungen-Thema“, sondern ein Störungsbild, das bei Mädchen häufig übersehen und erst spät erkannt werde. Dass die meisten Neudiagnosen im Grundschulalter gestellt werden, überrascht die Kinderärztin dagegen nicht: „Dass ADHS im Grundschulalter seinen Peak hat, gehört zur Erkrankung. Daher würde man hier auch die meisten neuen Diagnosen erwarten.“ Beim Anstieg der Neudiagnosen insgesamt dürfte nach ihrer Einschätzung auch eine Rolle spielen, dass ADHS heute besser erkannt wird: „Neben Umwelteinflüssen tragen möglicherweise auch verbesserte Diagnose- und Behandlungsangebote dazu bei, dass mehr Fälle dokumentiert werden.“

ADHS-Krankheitshäufigkeit bei Kindern auf hohem Niveau

Der DAK-Kinder- und Jugendreport macht deutlich, dass die Krankheitshäufigkeit von ADHS bei Kindern auf einem hohen Niveau liegt: 6,4 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter von drei bis 17 Jahren wurden 2024 in Rheinland-Pfalz mit einer ADHS-Diagnose medizinisch versorgt. Das entspricht hochgerechnet rund 37.400 jungen Menschen in Rheinland-Pfalz – davon waren knapp ein Drittel in diesem Zeitraum erstmalig in Behandlung. Gut 54 Prozent von ihnen erhielt eine Verschreibung von Medikamenten. Auch hier zeigt sich ein Geschlechterunterschied: Während rund 56 Prozent der Jungen 2024 ADHS-Medikamente verschrieben bekamen, waren es bei Mädchen etwa 49 Prozent.

Vergleichsweise hohe Betroffenheit in Rheinland-Pfalz

Die Sonderanalyse zeigt, dass in Rheinland-Pfalz deutlich mehr Kinder und Jugendliche eine ADHS-Neudiagnose erhielten als im Bundesschnitt: 19,9 je 1.000 gegenüber 17,0 bundesweit. Auch der Anstieg im Vergleich zum Vorjahr fällt mit 18 Prozent höher aus als bundesweit mit 16 Prozent. Bei der Krankheitshäufigkeit liegt Rheinland-Pfalz mit 6,4 Prozent ebenfalls über dem Bundesschnitt von 5,2 Prozent.

ADHS: ein kurzer Überblick

ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist eine Störung der neuronalen Entwicklung eines Kindes. Die Störung kann im Nervensystem, im Gehirn oder ganz allgemein auf der Interaktionsebene auftreten. Tritt sie im Nervensystem auf, ist dort der Stoffwechsel von sogenannten Neurotransmittern als ‚Botschaftern zwischen den Nerven‘ gestört. Startet die Krankheit im Gehirn, können Betroffene sich selbst schwer steuern oder kontrollieren. Tritt ADHS auf der Interaktionsebene auf, haben die Betroffenen Schwierigkeiten mit Bezugspersonen und mit sozialen Bindungen.

Weitere Informationen: dak.de/adhs

Die DAK-Gesundheit ist mit 5,4 Millionen Versicherten die drittgrößte Krankenkasse Deutschlands und engagiert sich besonders für Kinder- und Jugendgesundheit.

Freundliche Grüße

Sandra Scheuring
DAK – Gesundheit  

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Pressesprecherin Hessen und Rheinland-Pfalz 
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