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Lausitzer Rundschau

Lausitzer Rundschau: Zu Gebäudereiniger/Mindestlohn: Irrweg

Cottbus (ots)

Die Lausitzer Rundschau, Cottbus, zu
Gebäudereiniger/Mindestlohn:
Die schwarz-rote Bundesregierung hat gestern einen Präzedenzfall 
mit gehöriger Sprengkraft geschaffen. Auf ihrer Suche nach einem 
populären Heilmittel gegen Sozialdumping und Arbeitslosigkeit 
entschied das Kabinett, das Entsendegesetz erstmals über die 
Baubranche hinaus auszudehnen und auch für die Sparte der 
Gebäudereiniger einen bundesweit allgemeinverbindlichen Mindestlohn 
einzuführen. So war es auf Wunsch der SPD in den Koalitionsvertrag 
geschrieben worden.
 Was bedeutet, dass mit Inkrafttreten auch Gebäudereinigungsfirmen 
ohne deutschen Tarifvertrag ihren Putzkolonnen den vorgegebenen 
Mindestlohn zahlen müssen. Ein Mindestlohn ist faktisch die 
Untergrenze, zu der gearbeitet werden darf. Wer nicht bezahlt, macht 
sich strafbar.
 Als politische Geste mögen derartige Mindestlöhne helfen, die Ängste
der Arbeitnehmer um ihre Jobs zu mildern. Für Politiker eine 
verlockende Lösung, zumal sie den Staat selbst ja nichts kostet. Denn
die Mindestlöhne müssen die Unternehmen zahlen.
 Doch wer ehrlich ist zu den Menschen, sollte ihnen auch sagen, dass 
Mindestlöhne generell die Arbeitslosigkeit in Deutschland nicht 
wirklich bekämpfen. Ist er nämlich zu hoch, dann können Unternehmen 
ihn nicht mehr zahlen und stellen nicht mehr Menschen ein, sondern 
weniger. Ist er zu niedrig, hilft er wenig, weil zu diesen 
Bedingungen keiner arbeiten will; Hartz-IV-Geld ist dann für viele 
einfach attraktiver.
 Und schon klopft die Zeitarbeitsbranche mit ihren fast 500 000 
Beschäftigten laut in Berlin an. Deren beide größten 
Arbeitgeberorganisationen hätten ebenfalls gerne einen 
allgemeinverbindlichen Branchen-Mindestlohn nach dem Entsendegesetz 
für ganz Deutschland. Vordergründig geht es ihnen dabei um die 
womöglich drohende Konkurrenzgefahr durch osteuropä-ische 
Zeitarbeits-Unternehmen. In Wahrheit wollen die beiden Großen der 
Branche, die die Gutverdiener als Mitgliedsfirmen in ihren Reihen 
haben, unliebsamer kleinerer Verbands-Konkurrenz die Atemluft nehmen,
bei der die untere Bandbreite der Zeitarbeit organisiert ist. Der 
Wunsch nach Mindestlohn hat also nicht nur hehre Motive.
 Gestern zogen Union und SPD bei den Gebäudereinigern an einem 
Strang. Das wird aber nicht so bleiben. Denn in den Reihen der 
Sozialdemokraten ist die Lust am Ausbau von Mindest- und 
Kombilohnmodellen sehr ausgeprägt. Bei der Union weniger. Spätestens 
Anfang November will Arbeitsminister Franz Müntefering endlich sein 
lange angekündigtes Gesamtmodell für den Niedriglohnsektor aus 
Mindest- und Kombilohn und einer gründlichen Reform von Hartz IV 
präsentieren. Der Herbst verspricht spannende Debatten.

Rückfragen bitte an:

Lausitzer Rundschau

Telefon: 0355/481231
Fax: 0355/481247
lr@lr-online.de

Original-Content von: Lausitzer Rundschau, übermittelt durch news aktuell

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