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Lausitzer Rundschau: Zuhören. Immer wieder Zum Umgang mit dem Thema Kindesmissbrauch

Cottbus (ots) - Odenwald Schule. Regensburger Domspatzen. Das Berliner Canisius-Kolleg. Missbrauchsverdacht gegen Bischof Mixa. Wie aus der Büchse der Pandora quellen Tag für Tag neue Meldungen aus einer verborgenen Welt ans Licht. Missbrauch in Heimen, in Kirchen, in Internaten. Schrecklich. Aber doch sehr weit weg. Und schon so lange her. Warum kommen die eigentlich jetzt mit ihren Geschichten. Kann man das wirklich alles glauben? Da sind doch bestimmt einige Trittbrettfahrer dabei, die sich wichtig machen wollen. Und überhaupt: Was bringt das denn noch nach all den Jahren. Ist doch längst vorbei. Muss ja mal gut sein irgendwann. Schlimmes erlebt haben wir doch alle irgendwie. Zähne zusammenbeißen, den Blick nach vorne richten, dann geht das schon. Sich einfach mal ein bisschen zusammenreißen. Nicht immer in alten Wunden rumbohren. Kommt Ihnen das bekannt vor? Nein? Vielleicht ein klein wenig? Das sind die Sätze, mit denen Missbrauchsopfer derzeit konfrontiert werden, wenn sie erzählen von sich und ihrem Leben. Sätze, die ihnen wie Ohrfeigen ins Gesicht klatschen und die sie stumm machen, wieder einmal. Da sind Kollegen, die nicht verstehen, warum eine Frau "immer noch krank macht". Die Krankenkasse, die nicht akzeptiert, dass das Trauma Missbrauch nach der ersten Therapie nicht verarbeitet ist. Selbst enge Freunde, die eher einen Beinbruch akzeptieren als die Verletzungen, die ein Missbrauch hinterlassen hat. Wir leben in einer Gesellschaft, die bis heute nicht in der Lage ist, das Thema Missbrauch angemessen zu reflektieren. Es wird verdrängt, tabuisiert oder - im allerschlimmsten Fall - mit einer verschämten Schuldfrage verknüpft. Als vor Jahren ein Cottbuser Trainer wegen Missbrauchs angezeigt - und verurteilt! - wurde, reagierte das Umfeld der Opfer mit einem schulterzuckenden "wer weiß? Junge Mädchen, denen ist schon einiges zuzutrauen..." Wenn wir schon nichts zu sagen haben zu diesem Thema, so sollten wir wenigsten den Mut aufbringen, den Opfern zuzuhören. Immer wieder. Die missbrauchten Kinder von einst müssen heute ihre Geschichten erzählen können. Solange, bis wir daraus sinnvolle Lehren gezogen haben, um die Generation unserer Kinder und Kindeskinder zu schützen.

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