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AGA-Wirtschaftstest: Norddeutsche Wirtschaft bleibt weiter unter Druck

AGA-Wirtschaftstest: Norddeutsche Wirtschaft bleibt weiter unter Druck
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Hamburg, 16. Juli 2026. Die wirtschaftliche Lage norddeutscher Händler und unternehmensnaher Dienstleister hat sich im zweiten Quartal weiter eingetrübt. Die Unternehmen werden nach wie vor durch sinkende Umsätze und eine nachlassende Nachfrage belastet. Der Umsatz sank im 2. Quartal 2026 real um 4,5 Prozent (nominal: -1,2 Prozent). Knapp die Hälfte der befragten Firmen verzeichnete im zweiten Quartal einen Gewinnrückgang. Daneben erwartet die Mehrheit eine Stagnation ihrer Umsätze und abnehmende Gewinne in den kommenden sechs Monaten. Die Investitionsentscheidungen der Unternehmen werden am stärksten durch das Lohnniveau sowie die geopolitische Unsicherheit beeinflusst.

AGA-Präsident Dr. Hans Fabian Kruse: "Die Zahlen lassen keinen Raum für Schönfärberei. Was wir hier sehen, ist kein vorübergehendes Tief mehr, sondern Ausdruck einer strukturellen Standortschwäche. Wenn Arbeitskosten, Bürokratie und Energiepreise Investitionen derart ausbremsen, verlieren wir an Wettbewerbsfähigkeit lange bevor die Ware überhaupt die Grenze erreicht. Die jüngsten Reformpakete sind wichtig und richtig. Aber Ankündigungen allein schaffen kein Vertrauen. Unternehmen investieren, wenn Kosten kalkulierbar sind, Verfahren funktionieren und internationale Märkte offenbleiben. Erst wenn die Entlastungen im betrieblichen Alltag ankommen, werden Unternehmen auch wieder stärker investieren."

Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum verzeichneten 36 Prozent der befragten Unternehmen einen Umsatzrückgang, 35 Prozent einen gleichbleibenden Umsatz und 29 Prozent einen Anstieg. Ihre Gewinne bezeichneten 41 Prozent als befriedigend, lediglich 14 Prozent als gut und knapp die Hälfte (45 Prozent) als schlecht. Für die kommenden sechs Monate erwarten die norddeutschen Unternehmen eine weitere Zuspitzung der wirtschaftlichen Lage. 42 Prozent der Befragten rechnen mit stabilen Umsätzen, 39 Prozent erwarten hingegen weitere Rückgänge. Bei den Erträgen gehen 32 Prozent von einer unveränderten Entwicklung aus, während 54 Prozent sinkende Gewinne prognostizieren.

Der AGA-Indikator für das zweite Quartal 2026 liegt branchenübergreifend bei 89,0 Punkten und damit deutlich unter der wichtigen 100-Punkte-Marke. Belastet wird die Entwicklung insbesondere durch die Schwäche im Exportgeschäft, im Großhandel und im Einzelhandel. Während der Dienstleistungssektor bei 111,7 Punkten liegt, steht der AGA-Indikator im Groß- und Außenhandel bei 90,4 Punkten. Der Einzelhandelssektor weist einen Indikator von 50,1 Punkten auf und deutet damit auf eine dramatische Situation hin.

Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen geht zurück. Während lediglich 13 Prozent ihre Investitionen ausweiten wollen, plant nahezu jedes dritte Unternehmen (31 Prozent) Kürzungen. 56 Prozent der Firmen wollen 2027 in ähnlichem Umfang investieren wie im Vorjahr. Die Unternehmen planen, ihre Investitionsquote von 5,3 Prozent des Umsatzes im Jahr 2026 auf 4,7 Prozent im Jahr 2027 zu reduzieren. Bei Erweiterungsinvestitionen standen insbesondere die Produktentwicklung (52 Prozent) sowie die Bereiche EDV und Telekommunikation (22 Prozent) im Fokus. Darüber hinaus investierten 62 Prozent der Unternehmen in den Ersatz von Geschäftsausstattung und 57 Prozent in Gebäude.

Zur Jahresmitte wurden die norddeutschen Unternehmen zusätzlich hinsichtlich der Faktoren befragt, die am stärksten ihre Investitionen beeinflussen. Besonders deutlich wurde dabei die Bedeutung der Arbeitskosten für den Wirtschaftsstandort Norddeutschland: Für 62 Prozent der Unternehmen ist das Lohnniveau der wichtigste Einflussfaktor bei Investitionsentscheidungen. Damit liegt es noch vor geopolitischer Unsicherheit (55 Prozent) und den Energiepreisen (47 Prozent). Die Ergebnisse zeigen, dass das Lohnniveau für viele Unternehmen ein entscheidendes Kriterium für Investitionsentscheidungen ist.

Die norddeutschen Bundesländer: Im zweiten Quartal 2026 fiel der Umsatz in Hamburg um real 5,6 Prozent (nominal: -1,6 Prozent) und in Schleswig-Holstein um real 3,3 Prozent (nominal: -1,4 Prozent). In Mecklenburg-Vorpommern ging er um real 1,1 Prozent nach unten (nominal: -2,0 Prozent) und in Niedersachsen sank er um real 3,1 Prozent (nominal: -1,1 Prozent). In Bremen verringerte sich der Umsatz im zweiten Quartal um real 0,7 Prozent (nominal: +1,0 Prozent).

Das sind zentrale Ergebnisse des Wirtschaftstests, den der AGA Unternehmensverband vom 8. Juni bis zum 3. Juli 2026 unter norddeutschen Unternehmen durchgeführt hat.

Bei Fragen zur Umfrage wenden Sie sich gerne direkt an:

Benedict Baus

Referent Betriebswirtschaft und Studien

(0170) 46 03 55 1 | benedict.baus@aga.de

Kontakt:
Christian Ströder
Leiter Kommunikation & PR
AGA Unternehmensverband
Telefon: (040) 30801-162
E-Mail:  christian.stroeder@aga.de
Internet:  www.aga.de