Bei Hitze ist Moos der bessere Rasen
Hamburg (ots)
Das Multitalent kühlt Städte, speichert Wasser und CO₂ – und beherbergt ganze Ökosysteme
Ohne Moos ist nichts los – in unseren Wäldern, Mooren, Städten und auch im Garten. Gerade bei Hitze beweisen Moospolster, wie zäh sie sind – im Gegensatz zu Rasen: „Rasen braucht regelmäßig Dünger, bei Trockenheit auch viel künstliche Bewässerung. Moos braucht davon nichts“, sagt Sonja Heemann vom Flächenmanagement der Deutschen Wildtier Stiftung. Der Überlebenstrick der Moose: Im ausgetrockneten Zustand schalten sie ihren Stoffwechsel ganz einfach ab. Kommt Regen, reaktivieren die Überlebenskünstler ihn innerhalb weniger Minuten. Rasen dagegen stirbt in Dürrezeiten ab und muss neu eingesät werden.
Moose zählen zu den ältesten Landpflanzen. Sie sind im Laufe der Evolution vor mehr als 400 Millionen Jahren entstanden. Unterschieden werden sie in drei Hauptgruppen: die Laub-, Leber- und Hornmoose. Im Vergleich zu Blütenpflanzen sind Moose sehr einfach aufgebaut. Ihre Wurzeln dienen nur zur Verankerung im Untergrund. Feuchtigkeit und Nährstoffe nehmen sie direkt aus dem Regen, Tau oder der Luft über ihre gesamte Oberfläche auf. So können sie enorme Mengen Wasser speichern – Torfmoose mehr als das 20-Fache ihres Eigengewichts. Dieses Wasser geben sie langsam durch Verdunstung ab und kühlen ihre Umgebung. „Auf Dächern oder in Gärten reduzieren Moose die Oberflächentemperatur spürbar und dienen in sommerlich aufgeheizten Städten als Hitzeschutz. Waldböden mit dichter Moosschicht bleiben ebenfalls deutlich kühler als unbedeckte Böden, weil Moose die Feuchtigkeit im Boden halten“, sagt Heemann. Zugleich filtern die Pflanzen Stickstoff und Schadstoffe aus dem Regenwasser und sorgen dafür, dass der Boden nicht übermäßig gedüngt und belastet wird. Intakte Moore – deren Grundlage Torfmoose sind – regulieren nicht nur die Temperaturen, sondern binden im Laufe der Zeit auch große Mengen CO₂.
Auch Tiere profitieren von Moos. Schon auf wenigen Quadratzentimetern tummeln sich Hunderte von Kleinstlebewesen, darunter Springschwänze, Milben, Fadenwürmer und das achtbeinige Bärtierchen, das selbst ein Überlebenskünstler ist: Es kann Jahrzehnte ohne Wasser oder Nahrung überleben. Moospolster ziehen auch größere Wildtiere an. Vögel wie Zaunkönig, Rotkehlchen oder Meisen finden darin Nahrung und nutzen die Polster als Baumaterial für ihre Nester. In den Bergen ist Moos an Felsen Winternahrung für Gämsen, wenn Gräser und Kräuter auf den Wiesen unter Schnee verschwunden sind.
Moos ist damit weit mehr als nur ein grüner Belag, der viele Gärtner im Rasen stört. „Es schafft gute Lebensbedingungen für andere – und ist kein Zeichen von mangelnder Pflege, sondern von Naturnähe“, sagt Sonja Heemann. Wer Moos wachsen lässt, tut der Umwelt etwas Gutes – zum Beispiel als Alternative zu Rasen an einem schattigen Ort oder auf einem Flachdach, in Kombination mit Sedum-Pflanzen wie Mauerpfeffer und Fetthenne. Die Deutsche Wildtier Stiftung schützt Lebensräume und damit auch Moose auf ihren Flächen: Im Aschhorner Moor, einem Moorwildnisgebiet im Landkreis Stade, und auf den Flächen des Nationalen Naturerbes in Mecklenburg-Vorpommern dürfen Moose ungestört wachsen und ihre ökologische Wirkung voll entfalten.
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