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Schule trotz Krieg: Bildung kann nicht warten

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Schule trotz Krieg: Bildung kann nicht warten | UNICEF-Report 2018 "Die Chance auf Bildung"

Berlin/ Köln, 2.2.2018 - Wegen der wachsenden Zahl von langanhaltenden sowie neuen humanitären Krisen haben Millionen von Mädchen und Jungen keine Chance auf Bildung: Allein in 24 Konfliktländern gehen derzeit laut UNICEF rund 27 Millionen Kinder zwischen sechs und 14 Jahren nicht zur Schule.

Das gefährdet nicht nur die Zukunft der betroffenen Kinder in Ländern wie Syrien, Jemen oder Südsudan, sondern auch die Aussichten auf Rückkehr zu einer friedlichen Entwicklung in ihrer Heimat. UNICEF forderte heute bei der Veröffentlichung des "UNICEF Report 2018 - Die Chance auf Bildung" in Berlin, Lernangebote als Teil der lebenswichtigen Grundversorgung in humanitären Krisen besser und konstanter zu finanzieren.

"Neben Armut und Unterentwicklung sind Krieg und Gewalt heute die größten Feinde der Bildung", sagte UNICEF-Schirmherrin Elke Büdenbender. "Gerade in Krisenländern müssen Schulen und psychosoziale Hilfsangebote die Widerstandskraft der Kinder stärken."

"Jedes Kind hat ein Recht auf Bildung", ergänzte Dr. Jürgen Heraeus, Vorsitzender von UNICEF Deutschland. "Kein Land der Welt kann es sich leisten, dass ein großer Teil der jungen Menschen von Bildung und damit von Chancen und Verdienstmöglichkeiten ausgeschlossen bleibt."

Schule ist in Krisensituation mehr als ein Ort zum Lernen: Unterricht gibt Mädchen und Jungen durch einen geregelten Alltag auch Halt und Sicherheit. Durch psychosoziale Betreuung werden Kinder dabei unterstützt, schlimme Erlebnisse zu verarbeiten. Schule ist darüber hinaus der beste Schutz für Kinder vor Frühehen, Ausbeutung oder Rekrutierung. Bis heute sind Bildungsprogramme im Rahmen der humanitären Hilfe jedoch stark unterfinanziert. Durchschnittlich betragen die weltweiten Ausgaben für Bildung nur 3,6 Prozent der Gesamtausgaben für humanitäre Hilfe.

UNICEF plant, 2018 rund ein Viertel seines weltweiten Nothilfe-Budgets für Bildungsprogramme in Krisenländern auszugeben und damit fast neun Millionen Kindern zum Beispiel im Jemen, in Syrien, der Demokratischen Republik Kongo oder im Südsudan Lernchancen zu ermöglichen.

Bildungskrise in Konfliktländern

Gefährliche Schulwege, Flucht und Vertreibung, fehlende Lehrer oder wirtschaftliche Not infolge von Konflikten führen dazu, dass Kinder nicht lernen können. Für Mädchen in Konfliktregionen ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie nicht zur Schule gehen, 2,5 Mal so groß wie für Jungen. Aber Schulen werden weltweit auch immer häufiger zur direkten Zielscheibe der Gewalt:

- In der Kasai Region der Demokratischen Republik Kongo wurden 2017 400 Schulen 
  angegriffen.
- Mindestens 1.600 Schulen im Jemen sind ganz oder teilweise zerstört.
- Im Nordosten von Nigeria sind durch die Gewalt der Terrormiliz Boko Haram 
  1.400 Schulen zerstört. Seit 2009 wurden rund 2.300 Lehrer getötet und 19.000 
  weitere vertrieben.
- In fast 300 Fällen wurden Schulen im Südsudan angegriffen oder für 
  militärische Zwecke missbraucht. Zwei Millionen Kinder gehen dort nicht zur 
  Schule.
- Rund jede dritte Schule in Syrien ist außer Betrieb, weil sie zerstört, stark 
  beschädigt oder zweckentfremdet wurde. 1,7 Millionen Kinder in Syrien gehen 
  nicht zur Schule.
- Jede fünfte Schule im Osten der Ukraine ist nach über drei Jahren Konflikt 
  zerstört oder beschädigt. 

Angriffe auf Schulen und andere Bildungseinrichtungen sind eine schwere Menschenrechtsverletzung gegen Kinder. UNICEF und seine Partner dokumentieren solche Vorfälle. UNICEF hat wiederholt Angriffe auf Schulen scharf verurteilt und fordert alle Konfliktparteien auf, für den Schutz von Zivilisten und insbesondere Kindern zu sorgen.

UNICEF-Neujahrsgespräch: Kindheit braucht Frieden

Beim traditionellen Neujahrsgespräch in Schloss Bellevue diskutieren heute auf Einladung von UNICEF-Schirmherrin Elke Büdenbender internationale Experten der humanitären Hilfe darüber, wie Kindern auch unter schwierigsten Bedingungen Zugang zu Bildung und psychosozialer Hilfe ermöglicht werden kann.

In Flüchtlingscamps und informellen Siedlungen richtet UNICEF weltweit Notschulen sowie Kinder- und Jugendzentren ein. Damit Kinder auch trotz Krieg und Vertreibung den Anschluss und die Hoffnung nicht verlieren, sucht UNICEF zum Teil ungewöhnliche Lösungen. So können Kinder in Syrien durch ein Fernlernprogramm auch dann mit speziellen Büchern weiter lernen, wenn der Schulweg zu gefährlich oder die Schule zerstört ist. In Kamerun und Niger gibt es Radio-Lernprogramme für vertriebene Kinder, die vor der Gewalt durch Boko Haram fliehen mussten.

Um eine verbesserte Reaktion und langfristige Lösungen im Bildungsbereich nachhaltig zu etablieren, setzt sich UNICEF gemeinsam mit Partnern wie der Global Partnership for Education (GPE) für mehr koordinierte politische und finanzielle Unterstützung für Bildung weltweit ein, beispielsweise im Rahmen des Fonds "Education Cannot Wait" oder bei der heute in Dakar, Senegal, stattfinden Finanzierungskonferenz der GPE.

Die Bundesregierung ist einer der wichtigsten Unterstützer der UNICEF-Arbeit weltweit. Bildung und psychosoziale Unterstützung für jedes Kind sind hierbei zentrale Bereiche, um Kinder in Notsituationen zu schützen - aber auch, um ihnen und ihrem Umfeld langfristige Perspektiven zu ermöglichen. So unterstützt das BMZ beispielsweise die Initiative "No Lost Generation", die Kindern in Syrien und seinen Nachbarländern neue Perspektiven eröffnet.

Der "UNICEF Report 2018 - Die Chance auf Bildung" erscheint im Fischer Taschenbuch Verlag.

Mit seiner Kampagne #Kindheitbrauchtfrieden ruft UNICEF Deutschland zur Unterstützung für Kinder im Krieg und auf der Flucht auf. www.unicef.de/kindheit.

Pressekontakt bei UNICEF Deutschland: Rudi Tarneden oder Ninja Charbonneau,
Telefon 0221/93650-315, presse@unicef.de.
 



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