Mehr als Mobilität: Experten unterstreichen den Wert mikroprozessorgesteuerter Knieprothesen
Mehr als Mobilität: Experten unterstreichen den Wert mikroprozessorgesteuerter Knieprothesen.
Online-Symposium hebt klinische Evidenz und gesundheitsökonomische Erkenntnisse zu MPKs hervor.
Duderstadt, 4. Mai 2026
Am 21. April 2026 diskutierten führende Fachleute aus den Bereichen Prothetik und Gesundheitsökonomie über funktionelle und gesundheitsökonomische Aspekte mikroprozessorgesteuerter Knie (MPKs).
Moderiert von Prof. Dr. Bernhard Greitemann (Facharzt für Orthopädie, Physikalische und Rehabilitationsmedizin, Schmerzmedizin und Technische Orthopädie) befasste sich das Online-Symposium sowohl mit etablierten Erkenntnissen als auch mit offenen Fragen zu MPKs. Während es bereits umfangreiche Belege für eine Verbesserung des Ganges und eine verringerte Sturzhäufigkeit gibt, betonte Greitemann, wie wichtig es ist, die sozioökonomischen Ergebnisse zu betrachten. Während des Symposiums wurden unter anderem aktuelle Erkenntnisse zur Gesundheitsökonomie der Knie mit Mikroprozessoren (MPK) hervorgehoben und wertvolle Einblicke in deren klinische und wirtschaftliche Auswirkungen gegeben.
Sicherheit und Zuverlässigkeit als biomechanische Grundlage moderner Prothetik
Prof. Malte Bellmann (Director Clinical Research & Services Deutschland bei Ottobock) hob die Notwendigkeit einer sicheren und zuverlässigen Funktion der Knieprothese aus biomechanischer Sicht hervor. Er diskutierte die Biomechanik des Ganges mit besonderem Augenmerk auf die Sicherheit und skizzierte, wie unterschiedliche Gang- und Bewegungssituationen spezifische funktionelle Anforderungen an die Prothesenkniegelenke stellen.
Bellmann betonte, dass die Sicherheit der Prothetik niemals allein durch die Technik bestimmt wird, sondern immer aus dem Zusammenspiel zwischen den Eigenschaften des Benutzers (Zustand und Leistung des verbleibenden Stumpfes) und den funktionellen Eigenschaften des Prothesenkniegelenks selbst resultiert.
Basierend auf klinischen Erfahrungen und wissenschaftlichen Erkenntnissen wies Bellmann darauf hin, dass herkömmliche Indikationsmodelle zunehmend in Frage gestellt werden. Die beobachteten Ergebnisse zeigen, dass MPKs nicht nur für hochaktive Amputierte von Nutzen sind. Er kam zu dem Schluss, dass MPKs unabhängig vom Grad der Mobilität der Amputierten das höchste Sicherheitsniveau bieten.
Gesundheitsökonomische Bewertung von MPKs in Westeuropa
Prof. Dr. Alexander Kuhlmann (Professor für Gesundheitsökonomie an der Universität Lübeck, Deutschland) hob die Bedeutung gesundheitsökonomischer Evaluierungen sowie aktuelle Erkenntnisse zur gesundheitsökonomischen Evaluierung von MPKs hervor.
Er führte eine vergleichende Modellstudie für das niederländische, deutsche und schwedische Gesundheitswesen durch. Die Analyse konzentrierte sich darauf, wie Studiendauer, länderspezifische Preisniveaus und gesundheitsbezogene Lebensqualität die Kosteneffektivität von MPKs im Vergleich zu Nicht-Mikroprozessorknochen (NMPKs) beeinflussen.
Kuhlmann verwies auf die erheblichen Auswirkungen des gewählten Zeithorizonts auf das inkrementelle Kosten-Nutzen-Verhältnis (ICUR), insbesondere wenn MPKs über einen längeren Zeitraum einen anhaltenden klinischen Nutzen bieten. Bereinigt um den Zeithorizont waren die höheren ICUR-Werte in den Niederlanden hauptsächlich auf geringere Zuwächse bei qualitätsbereinigten Lebensjahren (QALYs) zurückzuführen.
Insgesamt kam Prof. Kuhlmann zu dem Schluss, dass MPKs wie das C-Leg oder das Kenevo unter der Annahme eines nachhaltigen Nutzens im Vergleich zu NMPKs unter dem Schwellenwert von 50,000 Euro pro gewonnenem QALY als kosteneffektiv angesehen werden können. Sein Vortrag leistete einen wichtigen Beitrag zur evidenzbasierten Bewertung fortschrittlicher Prothetiktechnologien und ihrer Relevanz für klinische und Kostenerstattungsentscheidungen. (Open Access Veröffentlichung)
Wirtschaftlicher Wert von MPKs für die Medicare K2-Population
Steven E. Heath (Senior Data Manager bei Dobson DaVanzo & Associates, LLC, USA) erörterte eine gesundheitsökonomische Analyse zur Bereitstellung von MPKs für Medicare-Empfänger, die der Mobilitätsstufe K2 zugeordnet sind, also Personen mit eingeschränkter Gehfähigkeit im Freien.
Heath untersuchte die Auswirkungen der MPK-Abdeckung im Vergleich zu NMPKs in einem US-Umfeld. Die Analyse präsentierte die Ergebnisse in Bezug auf die Medicare-Ausgaben pro Mitglied und Monat sowie die Inzidenz von Stürzen, die zu einem medizinischen Claim führen. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Bereitstellung von MPKs an K2-Begünstigte sowohl zu wirtschaftlichen Vorteilen für Medicare als auch zu verbesserten klinischen Ergebnissen für Patienten führen kann.
Laut Heath dauert es 19 Monate, bis sich die angepasste Kostendifferenz von 25.075 USD im Zusammenhang mit der MPK-Versicherung amortisiert hat. Darüber hinaus stellte er fest, dass die Zahl der Stürze, die zu einem medizinischen Claim führten, um 18,5 Prozent gesunken ist, was auf eine verbesserte Mobilität und Lebensqualität innerhalb der K2-Bevölkerung hindeutet. Weiter sagte er, dass die Bereitstellung von MPKs an K2-Empfänger über einen Zeitraum von zehn Jahren zu Medicare-Kosteneinsparungen von etwa 410,3 Millionen USD führen könnte.
Zusammenfassend zeigte Heath, dass die MPK-Versorgung für die Medicare K2-Population nicht nur den Amputierten selbst zugutekommt, sondern auch zu Kosteneinsparungen für das Medicare-Programm insgesamt führen kann. Diese Studie ergänzt die Literatur, die evidenzbasierte Entscheidungen über die Abdeckung von Prothetik unterstützt.
Zusammenfassung und Schlussworte
Das Online-Symposium lieferte wertvolle Einblicke in die reale biomechanische Evidenz und aktuelle gesundheitsökonomische Erkenntnisse in Bezug auf MPKs.
In seinen Schlussbemerkungen hob Prof. Dr. Greitemann hervor, dass mikroprozessorgesteuerte Knieprothesen den Gang deutlich verbessern, Stürze reduzieren sowie Lebensqualität und soziale Teilhabe steigern. Gleichzeitig zeigen sie einen klaren Kostenvorteil, der ihren Nutzen sowohl aus klinischer als auch aus gesundheitsökonomischer Sicht bestätigt.
Um die Aufzeichnung des Symposiums anzusehen, registrieren Sie sich bitte über diesen Link: The value of microprocessor controlled knees! Insights into function and health economic considerations. Nach erfolgreicher Registrierung erhalten Sie in der Bestätigungs-E-Mail den Link zur Aufzeichnung. Diese wird bis 30. Juli 2026 verfügbar sein.
Über Ottobock Der börsennotierte, globale MedTech-Champion Ottobock vereint über 100-jährige Tradition mit herausragender Innovationskraft in den Bereichen Prothetik, Neuro-Orthetik und Exoskelette. Ottobock entwickelt innovative Versorgungslösungen für Menschen mit eingeschränkter Mobilität und treibt die Digitalisierung der Branche voran. Gegründet 1919 in Berlin, ist das Unternehmen mit fast 9.300 Mitarbeitenden (Vollzeitkräften) heute mit seinem Geschäft in 45 Ländern aktiv und betreibt das größte internationale Patientenversorgungsnetzwerk mit rund 400 Patientenversorgungszentren weltweit. Mit einer starken F&E-Quote im Produkt- und Komponentengeschäft und mehr als 2.600 Patenten und Patentanmeldungen prägt Ottobock die Human Bionics-Landschaft der Zukunft. Die Mission, die Bewegungsfreiheit, Lebensqualität und Unabhängigkeit von Menschen zu verbessern, ist tief in der DNA des Unternehmens verwurzelt – wie auch sein gesellschaftliches Engagement: Seit 1988 ist Ottobock Partner und Unterstützer der Paralympischen Spiele.
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