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Rheinische Post: Der Papst muss eher Seelsorger sein Kommentar Von Martin Kessler

Düsseldorf (ots) - Die Haltung der katholischen Kirche zur Abtreibung ist eindeutig. Sie ist Unrecht. Päpste und Bischöfe vertreten diese Haltung mit großer Vehemenz und scheuen sich nicht, sie als Mord zu verdammen. Jetzt nennt Papst Franziskus sie sogar Auftragsmord. Manchmal wünscht man sich, die gleiche Wucht in der Sache, nicht in der Wortwahl hätte die Kirche beim massenhaften Missbrauch in den eigenen Reihen an den Tag gelegt. Dass Abtreibung Unrecht ist, sagt auch der deutsche Gesetzgeber. Aber er ist klug genug, das nicht wie ein Verbrechen zu verfolgen. Denn in den meisten Fällen sehen sich Frauen dazu genötigt, weil sie keinen anderen Ausweg mehr sehen. Werdendes Leben zu zerstören, fällt niemandem leicht. Und auch die mitbeteiligten Männer tragen große Verantwortung. Wenn die Kirche ihren Einsatz für das Leben ernst nehmen will, muss sie sich auf ihre helfende Rolle besinnen. Auch der Papst ist zuerst Seelsorger. Im Sinne der Verantwortungsethik, die anders als die Gesinnungsethik die Begrenztheit der Menschen anerkennt, muss er sich dafür einsetzen, die Zahl der Abtreibungen zu vermindern. Das unnötige Wort des Auftragsmords hilft da wenig.

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