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Rheinische Post: Kommentar: Jetzt muss die politische Intervention folgen

Düsseldorf (ots)

Im Wahlkampf hatte Donald Trump sich immer wieder gegen ein militärisches Eingreifen in den syrischen Bürgerkrieg ausgesprochen. Als Barack Obama 2013 im letzten Augenblick davor zurückzuckte, einen Militärschlag gegen das Regime von Diktator Baschar al Assad anzuordnen, der zuvor 1400 Zivilisten mit Giftgas hatte ermorden lassen, applaudierte Trump. Und nun hat der US-Präsident innerhalb von 24 Stunden entschieden, das genaue Gegenteil zu tun. Die Wende ist atemberaubend, aber sie war auch wieder typisch für Trump, der seine Unberechenbarkeit offenbar zum System erhoben hat. Emotionen haben dabei womöglich auch eine Rolle gespielt, die aufrichtige Empörung über dieses monströse Verbrechen. Und vielleicht auch Trumps Wunsch, sich mit seinem Angriffsbefehl als zupackender, entschlossener Führer zu präsentieren. Eine Entscheidung aus dem Bauch also, auch wenn er sie noch lange mit Regierungsexperten beraten hat. Trotzdem hat Trump womöglich genau das Richtige getan. Instinktiv. Vielleicht hat der neue US-Präsident die Sprache gefunden, die ein Baschar al Assad und ein Wladimir Putin am besten verstehen. Es geht um Glaubwürdigkeit, und in manchen Situationen bleibt eine Demonstration militärischer Stärke leider das einzige Mittel, sich Respekt zu verschaffen - und Gehör. Seit Obamas Rückzieher 2013 genossen bzw. bekamen die USA im Mittleren Osten weder das eine noch das andere in ausreichendem Maß. Deswegen liegt in dieser begrenzten militärischen Intervention neben dem unbestreitbaren Risiko eben auch eine Chance. Wenn sich Russland und die USA verständigen sollen, um den Krieg in Syrien zu beenden, dann kann das nur auf Augenhöhe erfolgen. Natürlich könnte Putin diese Machtprobe jetzt eskalieren lassen, aber daran dürfte er kein Interesse haben. Man sollte sich vom ersten Theaterdonner aus Moskau nicht täuschen lassen: Die Aussicht, dass Amerikaner und Russen in der Region künftig enger zusammenarbeiten, sind nicht schlechter, sondern besser geworden. Viel wird aber davon abhängen, ob Trump sich jetzt auch politisch in Syrien engagiert. Das ist weit komplizierter als der Abschuss einiger Raketen. Washington braucht schnell eine Strategie, die nicht nur Russland, sondern auch die in den Konflikt verwickelten Regionalmächte berücksichtigt, allen voran den Iran, der in Damaskus längst heimlich die Macht übernommen hat. Die nächste amerikanische Salve muss diplomatisch sein, das war ja bisher nicht gerade die Stärke von Donald Trump. Aber wer weiß, vielleicht überrascht er uns ja noch einmal.

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