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Rheinische Post: Kommentar
Allah im Wahlkampf = Von Matthias Beermann

Düsseldorf (ots) - Mustafa Kemal, genannt Atatürk, der Begründer der modernen Türkei, würde sich sicherlich im Grab herumdrehen, wenn er den laufenden türkischen Parlamentswahlkampf verfolgen könnte. Atatürk hatte das Land mit der Brechstange modernisiert, und eines der wichtigsten von ihm eingeführten Prinzipien war das des Laizismus, einer rigorosen Trennung von Religion und Staat. Allerdings: Die radikale Verdrängung des Religiösen aus allen öffentlichen Institutionen wurde von vielen frommen Türken als perfider Vorwand empfunden, den eine weltlich orientierte Elite nutzte, um sich die Macht im Staat zu sichern. Diesem Ressentiment der kleinen Leute hat Recep Tayyip Erdogan seinen politischen Aufstieg zu verdanken, erst zum Premier, dann zum Präsidenten. Doch nun entgleist er im Kampf um die Stimmen der konservativen Wähler. Politische Gegner als gottlose Gesellen zu diffamieren, das ist hinterhältig. An der Urne wird nicht über Glaubensfragen abgestimmt, sondern über den künftigen Kurs eines Landes, das große politische und wirtschaftliche Probleme hat.

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