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Rheinische Post: Präsident am Tropf = Von Helmut Michelis

Düsseldorf (ots) - Ägypten hat erstmals in seiner Geschichte einen frei gewählten Präsidenten. Doch die Freude darüber wird schon durch die Vorgänge rund um die Wahl des Islamisten Mohammed Mursi getrübt. Es dauerte fast eine Woche, bis der Militärrat das Ergebnis bekannt gab - offiziell, um Unregelmäßigkeiten auszuräumen, in Wirklichkeit aber wohl eher, um den Einfluss des neuen Staatschefs weiter zu beschneiden. Das Parlament ist für verfassungswidrig erklärt worden, auch der Oberbefehl über die Armee wurde dem Präsidenten zuvor aberkannt. Der Militärrat hat die Macht - Demokratie sieht anders aus. Doch könnte die Wahl Mursis, der in den USA studierte, aber dem konservativen Flügel der Muslimbruderschaft zugerechnet wird, immerhin ein erster Schritt zu mehr Demokratie sein. Mit seinem Gegenkandidaten ist auch das alte Mubarak-Regime gescheitert, und dies vielleicht endgültig, wenn der neue Präsident die Chance nutzt, das gespaltene Land hinter sich zu vereinen. Noch stehen sich die religiösen Kräfte, die Mubarak-Anhänger und die jungen Revolutionäre vom Tahrir-Platz misstrauisch gegenüber. Doch Mursi braucht sie letztlich alle. Das lässt immerhin hoffen, dass der Islamismus in seiner radikalsten Form in Ägypten nicht Fuß fassen kann.

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