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16.12.2013 – 21:11

Weser-Kurier

Weser-Kurier: Über neue Zahlen zum Koma-Saufen schreibt der "Weser-Kurier" (Bremen) in seiner Ausgabe vom 17. Dezember 2013:

Bremen (ots)

Es gibt eine Zivilisationskrankheit, die heißt: viel zu viel. Zu viel am Computer hängen, zu viel fernsehen, zu viel essen, zu viel arbeiten, zu viel einkaufen und eben auch zu viel trinken. Und mit zu viel ist nicht der Rausch gemeint, auch nicht der Vollrausch - sondern dabei geht es ums Trinken bis der Arzt kommen muss. Was treibt junge Menschen dazu, zu saufen, bis sie bewusstlos werden? Sicher spielen die Gruppendynamik und Imponiergehabe eine Rolle. Keine Frage ist ebenso, dass ritualisiertes und gesellschaftlich akzeptiertes Betrinken - wie oft auf dem Freimarkt, auf dem Sechs-Tage-Rennen oder beim Karneval - den Umgang mit Alkohol bei Jugendlichen beeinflusst. Die Kreativität der Spirituosenbranche beim Erfinden von vermeintlich hippen Mixgetränken muss auch erwähnt werden. Aber es steckt mehr dahinter - allgemeine Maßlosigkeit. Der moderne Mensch ignoriert Grenzen. Höher, schneller, weiter, das gilt schon lange nicht mehr für den Sport, und ist längst ergänzt durch reicher, schlimmer, gefährlicher und grundsätzlich extremer. Es scheint, als ob ein ruhiges Leben in Frieden, Freiheit und Wohlstand vor allem manchen Jüngeren nicht mehr reicht. Sie kennen es ja nicht anders, es fehlt der Nervenkitzel. Wenn Erwachsene kein Maß kennen, kann das unangenehme Folgen haben. Wenn Jugendliche oder gar Kinder sich ganz bewusst mit Alkohol vergiften, ist unangenehm ein unangemessenes Wort. Komasaufen ist auch kein Schritt auf dem Weg zum Erwachsenenwerden und kein grober Unfug. Es ist gefährlich: Jeder Vollrausch hinterlässt in allen Geweben Zellschäden. Vom regelmäßigen Komasaufen bis zur Sucht ist es nicht weit. Betrunkene werden schneller gewalttätig und sind vor allem auch häufiger Opfer von Gewalt. Junge Menschen müssen eigene Erfahrungen machen, mit Alkohol, womöglich auch mit anderen Drogen. Aber das lässt Erwachsene nicht aus der Verantwortung, klare Grenzen zu ziehen. Und zwar nicht nur bei den eigenen Kindern. Wer sieht, wie Kinder im Park eine Wodka-Flasche an die Lippen setzen, muss den Mund aufbekommen. Das nennt man Zivilcourage.

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