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Boersen-Zeitung: Verzweiflungstaten, Kommentar zum Arcelor-Abwehrkampf von Christoph Ruhkamp

Frankfurt (ots)

Seit der Stahlriese Mittal im Januar sein
feindliches Übernahmeangebot für Arcelor ankündigte, hat Arcelor-Chef
Guy Dollé immer wieder eines gepredigt: Die Entscheidung über die 
Offerte solle bei den Arcelor-Aktionären liegen. Man wolle zur Abwehr
der Übernahme nicht in erster Linie auf technische Mittel - 
sogenannte "Giftpillen" - zurückgreifen. Überzeugt werden sollten die
Aktionäre durch einen Plan zur Wertsteigerung durch Wachstum sowie 
Kostensenkungsmaßnahmen.
Seit gestern hat diese Ankündigung einiges an Glaubwürdigkeit 
eingebüßt. Die neuen Abwehrmaßnahmen zeigen Guy Dollé nicht mehr in 
einer selbstbewussten Position. Sie sind vielmehr ein Zeichen der 
Schwäche, eine Art Verzweiflungstat. Anders lässt sich der hastig vor
der Hauptversammlung um weitere 50% erhöhte Dividendenvorschlag kaum 
erklären. Rund 1,2 Mrd. Euro schütten die Luxemburger aus - und 
erwecken damit den Eindruck, als hätten sie keine Ideen für eine 
Verwendung im Stahlgeschäft gehabt. Dabei könnte Arcelor, die mit 5,5
Mrd. Euro verschuldet ist, das Geld gut für die geplanten 
Investitionen und Zukäufe in den Wachstumsmärkten Brasilien und China
gebrauchen. Auch die in Aussicht gestellte zusätzliche Auskehrung von
5 Mrd. Euro dürfte wohl kaum vollständig aus dem verfügbaren 
Cash-flow zu stemmen sein.
Doch lässt sich eine erhöhte Dividende durchaus noch als eine 
Maßnahme im Interesse der Aktionäre interpretieren. Anders verhält es
sich mit der dubiosen holländischen Stiftung, auf die die Aktien der 
kanadischen Tochter Dofasco übertragen werden. Die Stiftung ist nur 
formal unabhängig von Arcelor, wie die Besetzung des Direktoriums 
beweist.
Das Konstrukt dient einzig dem Zweck, den von Mittal geplanten 
Weiterverkauf von Dofasco an ThyssenKrupp zu unterbinden. Im 
Abwehrkampf mag die Maßnahme ein cleverer Schachzug sein. Welchen 
Vorteil die Aktionäre davon haben sollen, bleibt dagegen 
schleierhaft. Einerseits preist Arcelor den Neuerwerb Dofasco als 
wichtiges "strategisches Asset". Andererseits wird dieses Asset 
weggeschlossen und der Schlüssel weggeworfen. Das Ganze passiert 
zudem ohne explizite Zustimmung einer Hauptversammlung. Man 
beschneidet damit die Aktionäre ihres Rechtes, selbst über das 
Angebot von Mittal Steel zu entscheiden.

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