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Börsen-Zeitung: Goldene Zeiten, Kommentar zu Goldpreis von Bernd Weber

    Frankfurt (ots) - Die Feinunze Gold kostet etwa 480 Dollar und damit so viel wie seit 1988 nicht mehr. Noch weit entfernt ist das Allzeithoch von 873 Dollar aus dem Jahr 1980. Die zuletzt vom Greenback gezeigte Stärke hat dem Anstieg des Edelmetallpreises keinen Abbruch getan, obwohl bislang häufig folgende Korrelation zu beobachten war: Klettert der Dollar, fällt der Goldpreis – und umgekehrt.

    Schon seit Mai ist dieses Band zerrissen, und auch in Währungen wie dem Euro oder dem chinesischen Yuan klettert der Goldpreis deutlich. Dass der Dollar-Gold-Befreiungsschlag zusammenfiel mit den Ablehnungen der EU-Verfassung in Frankreich und den Niederlanden, kann als Hinweis gewertet werden, dass anschließend dem Euro weniger vertraut wurde und dass auch aus der Gemeinschaftswährung heraus alternative Anlagemöglichkeiten gesucht wurden.

    Auch scheint es, als ob der Goldpreis nicht mehr warten will, bis der Dollar in die Knie geht. Gründe für einen schwächeren Dollar gibt es jedenfalls zuhauf, auch wenn die Zinsdifferenz zwischen den USA und Euroland sowie Japan noch für den Greenback spricht.

    Derzeit spielt der Goldmarkt in erster Linie das Inflationsthema. Die jüngsten Daten und die Aussagen aus der US-Notenbank deuten auf wachsende Inflationssorgen der Geldpolitiker hin, Gleiches gilt für die Europäische Zentralbank.

    Zudem ist die physische Goldnachfrage im ersten Halbjahr um 29% in Dollar und um 21% in Tonnen gegenüber dem ersten Halbjahr 2004 gestiegen. Zwischen Produktion und Nachfrage klafft eine Lücke, die auf jährlich 600 bis 1100 Tonnen geschätzt wird.

    Nachfragetreiber sind Indien, China und die Ölländer Arabiens; Staaten, deren Zentralbanken über sehr hohe Dollar-Reserven verfügen und Diversifizierungsabsichten hegen. So liegt der Goldanteil an den Reserven der großen asiatischen Zentralbanken einschließlich Japans bei nicht einmal 2%. Würden diese Banken sich auf die 15% aus den Anfängen der EZB zubewegen, setzte dies eine enorme Nachfrage nach Gold in Gang, die den Preis deutlich in die Höhe treiben dürfte. Nicht ganz so stark dürfte der Zufluss von Petrodollar ausfallen. Aber auch während der Ölpreishausse in den siebziger und achtziger Jahren flossen die Öleinnahmen der Opec-Zentralbanken vermehrt ins Gold. Summa summarum: Gold hat goldene Zeiten vor sich.

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