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20.07.2004 – 20:15

Börsen-Zeitung

Börsen-Zeitung: Kommentar zur Gewinnwarnung des Schweizer Rückversicherers Converium von Thomas List: Converium in Not

    Frankfurt    Frankfurt (ots)

Der Schweizer Rückversicherer Converium hat ein Glaubwürdigkeitsproblem. In der Vergangenheit verkündete die Unternehmensspitze, die Risiken aus dem US-Haftpflichtgeschäft habe man im Griff, es seien ausreichend Reserven für alle Schadenfälle gebildet. Entsprechend wurde der Blick in die Zukunft gerichtet. Converium-CEO Dirk Lohmann wollte noch vor einem Jahr die Wettbewerber ein- und überholen. Entsprechend war das Wachstum groß und die Gewinnlage gut.

    Doch immer wieder kamen die Risiken aus früheren Geschäften hoch, als Converium noch Teil von Zurich Financial Services (ZFS) war. Dies gilt in erster Linie für das US-Haftpflichtgeschäft, das zwischen 1997 und 2001 gezeichnet wurde. Regelmäßig musste hier nachgeschossen werden, zuletzt im ersten Quartal 2004. Mit ihrer Risikoeinschätzung lag die Gesellschaft deutlich daneben.

    Doch erst jetzt zog Konzernchef Lohmann die Reißleine und ordnete eine umfassende Überprüfung unter seiner eigenen Leitung an, wie er betonte. Zusätzlich holte man sich externen Sachverstand. Schon jetzt wird von Nachreservierungen von bis zu 400 Mill. Dollar gesprochen. Allerdings soll das Ergebnis der Analyse erst Ende August veröffentlicht werden. Weitere Überraschungen sind zu befürchten. Es ist kein Wunder, dass die Investoren nun, nachdem sie in Jahren langsam Vertrauen in den Börsenneuling gefasst hatten, erschreckt die Finger von dem Papier lassen. Dies ist kein gutes Omen für die anstehende Kapitalerhöhung, um die Converium nicht herumkommt, will die Gesellschaft ihr „A“-Rating halten. Deutliche Preiszugeständnisse werden nicht ausbleiben.

    Leicht in Mitleidenschaft gezogen wurden von dem Converium-Debakel auch die Mitbewerber, die ebenfalls US-Haftpflichtgeschäft gezeichnet haben. Die Stellungnahmen fielen mit Ausnahme der Hannover Rück allerdings nicht überzeugend aus. Die beiden Marktführer Münchener Rück und Schweizer Rück versuchten mit Worten zu beruhigen, ohne konkret viel zu sagen. Erst mit der Veröffentlichung der Halbjahresergebnisse am 6. bzw. 26. August in München bzw. Zürich wollen sie konkret sagen, ob die Schadenreserven nicht doch angehoben werden müssen. Nur die Hannover Rück dementierte klar.

    Immerhin haben die großen Gesellschaften ihre Schadenreserven in der Vergangenheit massiv dotiert. Bei der Münchener Rück waren es über 2 Mrd. Dollar (für American Re), bei der Hannover Rück knapp über 1 Mrd. Euro. Doch die Unsicherheit bleibt, ob noch mehr kommen wird. Die Kurse der Rückversicherer werden in den nächsten Wochen volatil bleiben, wenn auch nicht so stark wie die von Converium.

(Börsen-Zeitung, 21.7.2004)


ots-Originaltext: Börsen-Zeitung

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