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Börsen-Zeitung: Weltmachtgeplänkel, Kommentar zu China von Norbert Hellmann

Frankfurt (ots) - Geschlagene dreieinhalb Stunden hat Chinas Staatspräsident Xi Jinping für sich in Anspruch genommen, um zum Auftakt des großen Parteitages die Lage der Nation und ihre künftige Marschroute zu skizzieren. Er gilt als Mann mit großen Ambitionen und Langfristzielen, der mit wachsender Machtfülle seine Visionen im eigenen Land durchsetzt. Auf internationaler Bühne wurden seine Auftritte beim Davoser Treffen und dem G20-Gipfel als freundlicher Globalisierungsunterstützer insbesondere im Kontrast zur Linie eines US-Präsidenten Donald Trump mit einigem Wohlwollen aufgenommen.

Nun stößt man allerdings auf eine etwas forscher wirkende Vision, bei der sich China als moderne sozialistische Großmacht empfiehlt, der auf der Weltbühne eine in jeder Hinsicht tragende Rolle als Soft Power, Wirtschaftsnation und auch militärische Supermacht zukommen soll. China nimmt freilich als bereits zweitgrößte Volkswirtschaft und Atommacht eine implizite Führungsrolle ein, die aber bislang eher zurückhaltend wahrgenommen wurde.

Neu ist unter Xi das Herausstreichen einer gewissen ideologischen Zuversicht, bei der China seinen als "Sozialismus mit chinesischer Prägung" bezeichneten Staatskapitalismus als Erfolgsmodell vermarktet. Dies soll der Weltöffentlichkeit zeigen, dass man auch einen anderen Weg als den amerikanischen gehen kann, um sich als moderne, innovationsgetriebene Wirtschaftsnation zu gerieren.

Dazu passt der am Mittwoch ventilierte freundliche Hinweis, dass Chinas florierendes Wachstumsmodell auch anderen Schwellenländern als Vorbild dienen könnte. In der Realität sieht es freilich eher so aus, dass China weniger daran gelegen ist, sein Wirtschaftsmodell nachahmen zu lassen, als es vielmehr über geballte Investitionsprogramme, etwa via das Seidenstraßenprojekt, vor Ort einzupflanzen.

Im Westen wiederum muss man sich wohl die Illusion abschminken, dass China bei allen Versprechen zu mehr Marktöffnung und marktgeleiteten Reformen und der Betonung eines qualitativen Wachstums auf eine Annäherung zu einem westlich geprägten Marktwirtschaftssystem und auf einen Abbau des staatlichen Unternehmertums hinsteuert. Denn der Präsident hat wenig verklausuliert deutlich gemacht, dass das laufende Reformprogramm für Chinas Staatsunternehmen in erster Linie auf einen Konzentrationsprozess hinauslaufen soll, der chinesischen Staatsriesen eine dominantere Rolle im globalen Wettbewerb erlaubt.

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