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Börsen-Zeitung: Aktivistisch in den Ruhestand, Kommentar zu General Electric von Stefan Paravicini

Frankfurt (ots) - Es ist das Ende einer Ära. Nach 16 Jahren an der Spitze von General Electric (GE) gibt Jeffrey Immelt die Verantwortung für die Geschicke des Siemens-Rivalen ab. John Flannery, der zuletzt die Medizintechniksparte des US-Konzerns führte, übernimmt im August die operative Führung. Zum Jahresende macht Immelt auch als Chairman Platz. Der Sommer 2017 habe sich während der fünf Jahre dauernden Vorbereitungen für den Wechsel früh als optimaler Zeitpunkt abgezeichnet, betont GE die von langer Hand geplante Übergabe.

Ob Immelt tatsächlich schon die anstehenden Sommerferien für etwas ausgedehntere Spaziergänge im Blick hatte, darf allerdings bezweifelt werden. Erst in diesem Frühjahr hat der bislang vergleichsweise zurückhaltende Aktivist Trian Management der GE-Spitze die Pistole auf die Brust gesetzt. Zum jetzt verkündeten Führungswechsel gab es zunächst keine Reaktion von dem Investor, der 2015 für knapp 2,5 Mrd. Dollar eingestiegen ist und dessen GE-Aktien seither kaum an Wert gewonnen haben. Der wachsende Druck, den Trian zuletzt auf die GE-Spitze ausgeübt hat, dürfte die Nachfolge für Immelt jedenfalls beschleunigt haben.

Damit liegt GE durchaus im Trend. Im laufenden Turnus haben Aktivisten nach Angaben von Factset in den USA bereits in neun Fällen das Top-Management ins Visier genommen. Seit dem Jahreswechsel sind demnach mehr Kampagnen angelaufen als in jedem anderen Jahr zu diesem frühen Zeitpunkt. Mit den Chefs des Versicherungskonzerns AIG, der Eisenbahngesellschaft CSX und des Aluminiumspezialisten Arconic mussten drei CEOs aus dem S&P 500 auf Druck aktivistischer Aktionäre ihren Hut nehmen, wobei sich Ex-Siemens-Chef Klaus Kleinfeld bei Arconic mit Elliott einen besonders denkwürdigen Schlagabtausch geliefert hat.

Der Rückzug von Immelt verläuft geräuschloser und die Verdienste des 61-Jährigen, der GE erfolgreich durch die Wirren nach den Terroranschlägen im September 2001 geführt, die Finanz- und Wirtschaftskrise gut überstanden und den Konzern zu einem Industrieausrüster mit Fokus auf Digitalisierung gewandelt hat, sind unbestritten. Den Investoren ist das freilich egal, solange die Aktie, die allein in diesem Jahr ein Achtel ihres Wertes verloren hat, weiter vor sich hindümpelt. Er werde die ersten Monate damit verbringen, "Investoren, Kunden und Mitarbeitern zuzuhören", erklärte der designierte CEO gestern. Die Reihenfolge ist richtig gewählt, die Investoren dürften ihm besonders viel zu sagen haben.

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