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Börsen-Zeitung: Pause? Pustekuchen! Kommentar zur Bankenregulierung von Bernd Wittkowski

Frankfurt (ots) - Das Wichtigste vorweg: Auch der Finanzplatz Frankfurt und sein Publikum trauern um die Opfer des Terroranschlags von Paris, sind erschüttert über die menschenverachtende Gewalt, empfinden und zeigen Mitgefühl und Solidarität mit den Hinterbliebenen und den Verletzten, mit dem französischen Volk. Am Eröffnungstag der 18. Euro Finance Week leuchtete im Veranstaltungssaal die Trikolore, Podium und Auditorium erhoben sich zur Schweigeminute. Die Attacke auf die westliche Wertegemeinschaft bestimmte auch viele Pausengespräche.

Was die eigentlichen Themen des prominent besetzten Kongresses angeht, standen zunächst jene Dauerbrenner im Vordergrund, die seit Jahren die Diskussionen der Branche beherrschen: Regulierung, Niedrigzinsen, Digitalisierung. Erstaunlicherweise fällt Rednern und Panelteilnehmern dazu immer noch jede Menge Neues ein, so dass bei solchen Veranstaltungen keineswegs Langeweile aufkommt, wo man doch glauben könnte, diese Fragen lockten keinen Hund mehr hinterm Ofen hervor. Die Erklärung liegt auf der Hand: Regulatoren und Aufseher denken überhaupt nicht daran, den Regulierten und Beaufsichtigten eine Pause zu gönnen, in der die kumulativen Auswirkungen des beispiellosen Umbruchs gründlich untersucht werden könnten. So kommt es, dass, wie DZ Bank-Chef Wolfgang Kirsch konstatiert, kein Bankmanager die Rahmenbedingungen seines Tuns und Unterlassens für 2017 kennt. Sein Helaba-Kollege Herbert Hans Grüntker spricht von "Terra incognita", auf der sich die Kreditwirtschaft bewegen müsse.

"Ende der Regulierung", etwa weil nun zusätzliche Kapitalpuffer für die größten Banken beschlossen sind? Pustekuchen! Ohne dass Basel III umgesetzt wäre, nimmt längst Basel IV Konturen an. Die Liste der noch schwebenden Regulierungsvorhaben scheint endlos zu sein, ständig kommen neue hinzu. Dieser Umstand macht das System gewiss nicht stabiler, zumal dann nicht, wenn die Aufsicht von den Banken Unmögliches verlangt: Eigenkapitalrenditen oberhalb der Kapitalkosten zu erzielen, während den Geschäftsmodellen, die dazu gebraucht würden, der Boden weggezogen wird und maßlos steigende Regulierungskosten die im heutigen Zinsumfeld ohnehin spärlichen Erträge aufzuzehren drohen. Die EZB ist dabei - konfliktfrei? - auf drei Seiten zugange: als geldpolitische Instanz, als Bankenaufsicht und, so beim geplanten Kreditregister Anacredit, zu allem Überfluss als Statistikbehörde, die Daten zu sammeln gedenkt, auf welche die BaFin als nationale Aufsicht gerne verzichten könnte. Noch Fragen?

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