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Spitzenvertreter der deutschen Agrarbranche diskutieren Zukunft landwirtschaftlicher Bioenergie und verabschieden Berliner Erklärung

Berlin (ots) - Mehr als 50 Prozent der deutschen Landwirte setzen schon heute auf die wirtschaftliche Bedeutung von Bioenergie - Tendenz steigend. Ist die Produktion von Nahrungsmitteln auf deutschen Äckern damit am Ende? Dies war nur eine von vielen Fragen, die Spitzenvertreter der deutschen Agrarbranche auf dem zweiten Standortgespräch der Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft (FNL), mit Unterstützung der AGRAVIS Raiffeisen AG und der BayWa AG, diskutierten. Mehr als 50 Vorstandsvorsitzende, Vorstände, Verbandspräsidenten und Geschäftsführer trafen sich zum Thema "Zukunft Landwirtschaft: Energie vom deutschen Acker?" auf dem Erlebnisbauernhof der Internationalen Grünen Woche in Berlin. Die Ergebnisse wurden in der Berliner Erklärung zusammengefasst.

Eine dem zweiten Standortgespräch vorgeschaltete repräsentative Befragung von 1.000 landwirtschaftlichen Betrieben ab 30 Hektar im Dezember 2010 lieferte wertvolle neue Erkenntnisse: Etwas mehr als jeder zweite befragte Betrieb (51 Prozent) erzielt heute bereits Umsätze im Bereich Bioenergie. Im Durchschnitt sind es 9 Prozent des Gesamtumsatzes. Für die kommenden drei bis fünf Jahre sehen die Landwirte hier eine Steigerung um fast 70%. Innerhalb dieses Zeithorizonts erwarten dann 68% der Betriebe Einkommen aus der Bioenergie. Augenfällig ist, dass Betriebe, die bereits heute höhere Anteile regenerativer Energien am Gesamtumsatz aufweisen, diesen Anteil weiter steigern möchten. Die besten Chancen werden dabei den Bereichen Photovoltaik, Biogas und Energiepflanzen zugesprochen.

Die befragten Landwirte sehen allerdings auch mögliche Konflikte im Hinblick auf den wachsenden Anbau nachwachsender Rohstoffe, insbesondere in der Verschärfung der Flächenkonkurrenz zu den Nahrungsmitteln und Futterpflanzen. Weitere Probleme werden in der Gefahr einseitiger Fruchtfolgen und negativer Auswirkungen auf das Landschaftsbild gesehen. Aber es werden auch Lösungen für diese Herausforderung formuliert: In einem noch effizienteren Umgang mit Ressourcen wie Boden, Wasser und Energie sehen 36 Prozent der Befragten den Schlüssel, auch zu einer gesteigerten gesellschaftlichen Akzeptanz der Bioenergie. 34 Prozent der Landwirte sehen Lösungsansätze zur Minimierung der Zielkonflikte in innovativen Pflanzenbaukonzepten.

Dr. Gibfried Schenk, Geschäftsführer der FNL, fasste die die Veranstaltung und die Ergebnisse der Berliner Erklärung zusammen. "Die Erzeugung von Bioenergie aus landwirtschaftlichen Ressourcen hat eine strategische Bedeutung für die deutsche Agrarbranche. Bei zunehmendem Anbau von Energiepflanzen kann es allerdings zu Zielkonflikten zwischen den Nutzungsrichtungen Nahrungsmittelerzeugung sowie energetischer und industrieller Nutzung von Biomasse wie insbesondere einer verstärkten Flächenkonkurrenz kommen. Diese Spannungen können jedoch durch Innovation und eine effizientere Nutzung von Ressourcen abgefedert werden."

Auch für die AGRAVIS Raiffeisen AG und die BayWa AG ist die Frage nach erneuerbaren Energien in der Landwirtschaft von großer Bedeutung. Als Agrar- und Dienstleistungsunternehmen haben sie die Entwicklung und Zukunft der Landwirte stets im Blick.

"Herausforderungen der Landwirtschaft realistisch einzuschätzen und praktische Lösungen anzubieten, ist eine Kernaufgabe der AGRAVIS Raiffeisen AG. Das Thema der Bioenergie sehen wir als ein besonders wichtiges Zukunftsfeld der Landwirtschaft an. Es ist für uns darum nur konsequent, das 2. Standortgespräch der FNL zu unterstützen", sagt Dr. Clemens Große Frie, Vorsitzender des Vorstandes der AGRAVIS Raiffeisen AG. Die Ergebnisse hätten gezeigt, so Große Frie, dass die Entwicklung innovativer Pflanzenbaukonzepte ein entscheidender Weg sein kann, die Flächenkonkurrenz zwischen Ernährung und Energie zu minimieren. "Hier sind alle Glieder der Landwirtschaft gefordert - auch Handel und Industrie."

Klaus Josef Lutz, Vorsitzender des Vorstandes der BayWa AG, erklärte abschließend: "Die BayWa AG steht an der Seite der Landwirte: Wenn es darum geht, Rohstoffe für die Lebensmittelerzeugung herzustellen, steht die BayWa genauso an der Seite der Landwirte wie wir sie auch mit Rat und Tat bei der Energieerzeugung unterstützen. Den Überblick über das Wesentliche zu behalten ist dabei entscheidend. Genau hier setzte das Standortgespräch der FNL an. Wir unterstützen es darum sehr gerne." Lutz wies darauf hin, dass zukünftig der organischen Abfallverwertung sehr viel Bedeutung zukommen werde, so dass sich dadurch das Thema der Flächenkonkurrenz entschärfen könne.

Weitere Informationen zum zweiten Standortgespräch der FNL, mit Unterstützung der AGRAVIS Raiffeisen AG und BayWa AG, sowie den vollständigen Text der Berliner Erklärung finden Sie auf: http://www.fnl.de

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