Gesellschaft für bedrohte Völker e.V. (GfbV)
Politische Verfolgung indigener Menschenrechtsverteidiger in Russland: Gericht verlängert Haft für Daria Egereva
Die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) verurteilt die erneute Verlängerung der Untersuchungshaft für die indigene Menschenrechtsverteidigerin Daria Egereva durch ein Moskauer Gericht scharf. Am 12. März 2026 verlängerte das Basmanny-Gericht in Moskau die Untersuchungshaft auf Antrag der Ermittlungsbehörden um drei Monate. Die Anhörung war öffentlich und wurde von Diplomaten, Egerevas Ehemann und ihren Kindern besucht. Ihr drohen 20 Jahre Haft wegen der angeblichen Beteiligung an einer terroristischen Organisation.
„Die Anklage gegen Daria Egereva ist politisch motiviert. Sie zielt darauf ab, ihre legitime Menschenrechtsarbeit zu kriminalisieren. Wir fordern ihre sofortige Freilassung“, sagt Sarah Reinke, Leiterin der Menschenrechtsarbeit der GfbV. „Egereva setzt sich seit Jahrzehnten für indigene Rechte, Sprache und Kultur ein. Ihre Inhaftierung ist ein Angriff auf die indigene Bewegung in Russland.“
Egereva war am 17. Dezember 2025 im Rahmen einer Razzia-Welle verhaftet worden. Ihr wird vorgeworfen, Kontakt zum Aborigen Forum zu haben, einem Zusammenschluss von Experten und Aktivisten der Indigenen Völkern des Nordens, Sibiriens und des Fernen Ostens. Das Forum löste sich 2024 auf, nachdem es als extremistisch eingestuft worden war, obwohl dessen Mitglieder sich ausschließlich mit gewaltfreien Mitteln für indigene Rechte eingesetzt hatten. Nach seiner Auflösung wurde es als „terroristische“ Organisation eingestuft. Die Haftverlängerung löste bei indigenen Vertretern weltweit Bestürzung aus und führte zu einer Solidaritätskampagne für Egereva.
„In einem russischen Gefängnis festgehalten zu werden, ist für jeden eine enorme Tortur. Ich habe 2021 fünf Tage in diesem Albtraum verbracht. Für mich waren das wie fünf Jahre meines Lebens. Daria wird bereits seit 86 Tagen festgehalten, und ihre Haft wurde um 92 Tage verlängert. Das ist schrecklich, rechtswidrig und eine Verletzung ihrer Rechte. Fordern Sie die Freilassung von Daria Egereva!“, appellierte Andrey Danilov, Vertreter der indigenen Sámi, nach der Anhörung.
„Letztes Mal wurde die Haft von Daria Egereva um einen Monat verlängert, jetzt sind es drei Monate. Trotz Appellen von Vertretern Indigener Völker aus verschiedenen Ländern bleibt Daria in Haft. Es ist herzzerreißend zu sehen, wie die Solidarität von Menschen auf der ganzen Welt in dieser Situation einfach ignoriert wird“, sagte Aivana Enmynkau, Vertreterin der indigenen Nuvuqaghmiit.
Egerevas Fall ist laut der GfbV kein Einzelfall, sondern Teil einer systematischen Kampagne der russischen Regierung gegen indigene Aktivisten. „Russland hat die Verfolgung indigener Aktivisten in den vergangenen Monaten intensiviert“, sagt Reinke. Am 17. Dezember 2025 fanden in zehn Regionen Russlands Razzien bei Indigenen statt. Zwei Frauen wurden verhaftet, eine von ihnen Egereva. Sechs weitere indigene Menschenrechtsverteidiger reisten im Anschluss aus Angst vor weiterer Verfolgung nach Georgien aus.
Daria Egereva ist Ko-Vorsitzende des internationalen indigenen Forums zum Klimawandel (IIPFCC) und setzt sich für indigene Rechte ein. Sie engagiert sich international auch zum Thema Klimawandel in den Vereinten Nationen und im Europarat. Sie gehört dem Volk der Selkupen an, einem der kleinsten Indigenen Völker Russlands mit insgesamt etwa 3.500 Angehörigen. Die Indigenen Völker Sibiriens, der Arktis und des Fernen Ostens gehören zu den ärmsten Teilen der Bevölkerung. Sie haben keinen politischen Einfluss und keine wirksamen Mechanismen zum Schutz ihrer Rechte innerhalb Russlands.
Sie erreichen Sarah Reinke unter s.reinke@gfbv.de oder 0551/49906-13.
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