Gesellschaft für bedrohte Völker e.V.

Afghanistan: 2017 wurden mehr als 300 Schiiten getötet

Terroranschlag in Kabul - Traurige Bilanz: 2017 fielen in Afghanistan mehr als 300 Schiiten Anschlägen zum Opfer - Hazara besonders bedroht

--- Göttingen, den 28. Dezember 2017 --- Nach dem jüngsten Terroranschlag in Kabul hat die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV) einen besseren Schutz der schiitischen Minderheit in Afghanistan gefordert. Mindestens 315 Schiiten wurden nach Informationen der Menschenrechtsorganisation dort im Jahr 2017 bei Terroranschlägen extremistischer Sunniten getötet. Die meisten Opfer gehörten der Volksgruppe der Hazara an. "Auch bei dem heutigen Attentat wurden wieder viele Hazara getötet. Wenn diese Minderheit weiter eine Lebensperspektive in Afghanistan haben soll, muss ihr Schutz massiv verstärkt werden", sagte der GfbV-Direktor Ulrich Delius. Bei dem Anschlag auf das schiitische Teyban Kulturzentrum in der afhganischen Hauptstadt wurden am Donnerstag mindestens 42 Menschen getötet und 55 Personen verletzt. Unter den Getöteten befinden sich auch 17 Mitarbeiter der in dem Haus ansässigen Nachrichtenagentur "Afghan Voice News Agency".

Der "Islamische Staat" hat inzwischen die Verantwortung für die Gewalttat übernommen. Ein Großteil der im Jahr 2017 an Schiiten verübten Anschläge geht auf den IS zurück, der Schiiten als Ungläubige ansieht und mit seinen Terrorakten Spannungen zwischen den Religionsgemeinschaften schüren will. Neben Polizisten und Soldaten der afghanischen Armee gelten Schiiten inzwischen in Afghanistan als am meisten gefährdet.

"Afghanistans Regierung und Sicherheitskräfte waren bisher nicht in der Lage, die besonders gefährdete Minderheit der rund drei Millionen schiitischen Hazara vor politisch motivierter Gewalt zu schützen", kritisierte Delius. Zwar habe die afghanische Regierung zum Schutz schiitischer Moscheen im September 400 Zivilisten bewaffnen lassen. Doch die Sicherheit der Gläubigen erhöhte sich dadurch nicht. So wurden 72 Schiiten getötet, als sich ein Attentäter des Islamischen Staates (IS) am 20. Oktober 2017 in einer Moschee in Kabul in die Luft sprengte. Die meisten Opfer waren Hazara.

Zwischen Januar 2016 und November 2017 wurden nach Angaben der UN-Mission in Afghanistan (UNAMA) 51 Anschläge auf religiöse Stätten und Gläubige verübt. Unter den 273 Toten und 577 Verletzten waren sehr viele schiitische Hazara. Die Zahl der vom IS zu verantwortenden Todesfälle hatte sich im Jahr 2016 gegenüber dem Vorjahr vervierfacht. Eine abschließende Bilanz für 2017 liegt noch nicht vor. Es ist jedoch mit einem starken Anstieg der Zahl der Getöteten zu rechnen.

Ulrich Delius ist zu erreichen unter Tel. 0160/95671403

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