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Der Tagesspiegel: Politiker und Finanzexperten für schärfere Finanzaufsicht

Berlin (ots)

Die Bankenaufsicht und die Kontrolle von Hedgefonds
und Ratingagenturen sollte nach Meinung von Finanzexperten und 
Politikern verschärft werden. "Der Ansatz der Bundesregierung ist 
richtig, sich für mehr Transparenz auf den globalen Finanzmärkten 
einzusetzen. Aber sie wäre jetzt gut beraten, einen zweiten Anlauf zu
unternehmen", sagte der Wirtschaftsweise Peter Bofinger dem 
Tagesspiegel am Sonntag. Die Welt habe sich seit dem G8-Gipfel 
geändert. "Das nächste Treffen ist der richtige Platz, um einen 
zweiten, breiter angelegten Vorstoß zu wagen, der sich nicht nur auf 
die Hedgefonds, sondern auf die Finanzmarktstabilität insgesamt 
bezieht."
"Ich habe den Eindruck, auch liberale Kräfte werden langsam 
nachdenklich", sagte der finanzpolitische Sprecher der Unionsfraktion
im Bundestag, Otto Bernhardt, dem Tagesspiegel am Sonntag. Die USA 
und Großbritannien wehren sich gegen eine schärfere Kontrolle der 
Fonds. "Es ist der Zeitpunkt gekommen, wo man auch Amerikanern und 
Briten klar machen kann, dass Hedgefonds und Ratingagenturen keinen 
Persilschein bekommen dürfen", sagte Alexander Radwan, 
CSU-Europaabgeordneter und wirtschaftspolitischer Sprecher der 
EVP-Fraktion im EU-Parlament, der Zeitung. "Der Schaden, den sie 
anrichten können ist riesig, wie sich in diesen Tagen zeigt." Eine 
schärfere Kontrolle sei eine überfällige Forderung des EU-Parlaments.
Vertreter der Kommission hatten diese Woche eine Analyse der 
Hypothekenkrise angekündigt; die Rede war auch von gesetzlichen 
Regeln. "Die generelle Freistellung der Agenturen und Fonds von jeder
Regulierung birgt enorme Risiken. Man darf nicht nur handeln, wenn es
kracht", sagte CSU-Mann Radwan.
Auch die deutsche Bankenaufsicht gerät nach dem 
Beinahe-Zusammenbruch der Mittelstandsbank IKB zunehmend in die 
Kritik. "Die deutsche Bankenaufsicht funktioniert nicht richtig", 
sagte der Finanzwissenschaftler Rolf Peffekoven, dem Tagesspiegel. 
"Wir brauchen eine funktionsfähige und transparente Bankenaufsicht, 
bei der die Zuständigkeiten zwischen BaFin und Bundesbank klar 
geregelt sind." Wenn sich die Wogen am Finanzmarkt geglättet hätten, 
"brauchen wir eine Diskussion darüber, ob sich der Bund über die KfW 
an privaten Banken noch beteiligen sollte", sagte Peffekoven, der im 
wissenschaftlichen Beirat des Bundesfinanzministeriums sitzt. "Ich 
meine, er sollte nicht."
Ex-Bundesfinanzminister Hans Eichel (SPD) sieht für die 
europäische Wirtschaft gute Chancen die Finanzmarktkrise ohne Schaden
zu überstehen. "Wenn nicht irgendwo große Institute noch große 
Risiken entdecken, die sie in ihr Portfolio übernommen haben, dann 
ist jedenfalls gesichert, dass es nicht auf die Realwirtschaft in 
Europa durchschlägt", sagte Eichel im Interview mit dem Tagesspiegel 
am Sonntag. Für die US-Wirtschaft ist Eichel dagegen skeptisch: "Wenn
dort eine große Zahl von Hausbesitzern ihre Darlehen nicht mehr 
bedienen kann, dann wird das beim privaten Konsum natürlich ankommen 
und das wird Konsequenzen für das Wachstum in Amerika haben."
Inhaltliche Rückfragen richten Sie bitte an:
Der Tagesspiegel am Sonntag, Ressort Wirtschaft, Telefon: 030 
26009-260

Pressekontakt:

Der Tagesspiegel
Chef vom Dienst
Thomas Wurster
Telefon: 030-260 09-308
Fax: 030-260 09-622
cvd@tagesspiegel.de


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