Deutsche Umwelthilfe e.V.

DUH zur Dena-Netzstudie II: Bei den Stromtrassen Akzeptanz fördern

Berlin (ots) - Um- und Ausbau der Stromnetze funktioniert nur mit den Bürgern, nicht gegen sie - Deutsche Umwelthilfe verlangt "Innovation vor Trassenkilometern" - Angeblicher Neubautrassen-Bedarf von 3.600 km lässt sich auf weniger als die Hälfte reduzieren - Mehrkosten für Erdkabel mit neuer Gleichstrom-Technologie für Stromverbraucher überschaubar - Erdkabel-Technologie forcieren

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat die traditionelle Stromwirtschaft und die Politik davor gewarnt, die heute veröffentlichten Ergebnisse der so genannten Dena-Netzstudie II als Argument gegen den zügigen Ausbau der Erneuerbaren Energien aus Wind und Sonne zu missbrauchen. Die Studie selbst weise den Weg, wie die genannte Horrorzahl von angeblich notwendigen 3.600 Kilometern Neubautrassen auf 1.700 Kilometer reduziert werden könne. Zudem eröffneten in der Studie erörterte neue Leitungstechnologien mittelfristig die Möglichkeit, zu vertretbar erhöhten Kosten Erdkabel zu verlegen. So könne die Akzeptanz der Neubautrassen vielerorts erheblich verbessert werden.

"Der Netzum- und -ausbau ist unumgänglich, wenn wir die Energiewende hin zu einer klimaschonenden und risikoarmen Energieversorgung vollziehen wollen", sagt DUH-Bundesgeschäftsführer Rainer Baake. Doch eine ausreichende Akzeptanz in der Bevölkerung sei nur möglich, wenn der Trassenbau auf das wirklich notwendige Maß beschränkt und sozial- und naturverträglich gestaltet werde. "Die zügige Realisierung innovativer Technologien muss Vorrang haben vor dem Klotzen von Kilometern", so Baake. Wer ernsthaft versuche, binnen zehn Jahren 3.600 Kilometer neue Überlandleitungen durch Deutschland zu treiben, werde am Widerstand der betroffenen Anwohner und des Naturschutzes scheitern. Auch bei den Planungsprozessen über Trassenführungen und Leitungstechnologien müssten neue, transparentere Wege beschritten werden, die den interessierten Bürgerinnen und Bürgern frühzeitige Mitsprache sichern. Baake: "Nur frühzeitig informierte Betroffene, deren Belange ernst genommen werden, sind bereit, neue Leitungen auch in ihrer Umgebung zu tolerieren."

Der bis 2020 notwendige Ausbau im deutschen Höchstspannungsnetz wird in der zweiten Studie der Deutschen Energie-Agentur (Dena-Netzstudie II) in der sogenannten Basisvariante auf 3.600 km beziffert. Er bezieht sich auf die derzeit übliche Übertragungstechnologie mit 380-kV-Drehstrom-Freileitungen, den Autobahnen unter den Stromtrassen.

Alternativ zu ausschließlich neuen Freileitungen ist laut der Dena-Netzstudie II auch die Ausrüstung bestehender Trassen mit Hochtemperaturseilen eine Möglichkeit, den Ausbaubedarf massiv zu reduzieren: Statt 3.600 km würden dann nur noch 1.700 km neue Leitungen benötigt. Hochtemperaturseile können bei gleicher Dimensionierung deutlich mehr Strom transportieren.

Die neuen Stromautobahnen werden unter anderem für die Anbindung von Onshore-Windparks im Osten und Norden Deutschlands und von geplanten Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee an die Verbrauchsregionen in Süd- und Westdeutschland benötigt. Für diese Strecken kommt mittelfristig auch eine komplette Erdverkabelung mit der neuen spannungskontrollierten Gleichstromtechnologie, VSC (Voltage Source Controlled) in Betracht. Diese Kabeltechnologie zieht nach den Berechnungen der Dena Mehrkosten nach sich, die aus Sicht der DUH vertretbar sind. Die VSC-Kabeltechnologie ist verlustärmer im Vergleich zur konventionellen Drehstromübertragungstechnik und mit drei- bis viermal höheren Kosten zu realisieren. Für den Durchschnitthaushalt beliefe sich der monatliche Mehraufwand auf 1 bis 2 Euro. Dieser ließe sich durch mehr Wettbewerb am Strommarkt kompensieren. Nach Ansicht der DUH ist es ein Skandal, dass der Handel an der Leipziger Strombörse seit einem Jahr ohne behördliche Aufsicht stattfindet und Insidergeschäfte gesetzlich nicht verboten sind (siehe FAZ vom 19.11.2010). Dem Marktmissbrauch und der Manipulation der Strompreise sei damit Tür und Tor geöffnet. Wer über Kosten klage, müsse nach Ansicht der DUH vor allem hier ansetzen.

"Wir erwarten von der Bundesregierung, dass sie den in ihrem Energiekonzept angekündigten "Bundesnetzplan" nun zügig als Entwurf vorlegt, ihn nachvollziehbar begründet und einer öffentlichen Diskussion zugänglich macht, bevor sie über ihn entscheidet", fordert Baake. Der Bundesnetzplan müsse verbindliche Vorgaben machen, auf welchen Strecken welche Übertragungstechnologien eingesetzt werden sollen, um Akzeptanz zu schaffen und den Netzausbau zu beschleunigen. "Wenn die Bürger an dieser Stelle nicht mitgenommen werden, scheitert der Netzumbau", warnt Peter Ahmels, Leiter Erneuerbare Energien bei der DUH.

"Der Netzausbau wird jedoch nur akzeptiert werden, wenn zuvor alle Maßnahmen zur Optimierung des bestehenden Stromsystems ausgeschöpft werden," so Ahmels. "Wir brauchen nicht nur leistungsfähige, sondern auch intelligente Netze, damit die Verbraucher ihren Strombezug an das Angebot anpassen und dadurch das Netz entlasten können."

Pressekontakt:

Rainer Baake, Bundesgeschäftsführer, Hackescher Markt 4,
10178 Berlin, Tel.: 030 2400867-0, Mobil: 0151 55016943; E-Mail:
baake@duh.de

Dr. Peter Ahmels, Leiter Erneuerbare Energien, Hackescher Markt 4,
10178 Berlin, Tel.: 030 2400867-91, Mobil 0151 16225863,
E-Mail: ahmels@duh.de

Dr. Gerd Rosenkranz, Leiter Politik und Presse, Hackescher Markt 4,
10178 Berlin, Tel.: 030 2400867-0, Mobil: 0171 5660577,
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