Fahrgastverband PRO BAHN e. V.
Nach Entscheidung als deutsche Olympia-Kandidatenstadt: Realistische Planungen müssen jetzt beginnen
Planungs-Sonderbudget von Land+Bund nötig
Nach der gestrigen Entscheidung des DOSB für München als deutsche Kandidatenstadt für die Olympischen Spiele in 2036, 2040 oder 2044 fordert der Fahrgastverband PRO BAHN, sofort mit den Planungen für eine umsetzbare Verkehrsanbindung zu starten, die ihren Nutzen auch nach den Spielen für die Münchner hat. „Jetzt ist die Stadt München am Zug: was ist wirklich nötig, was ist realistisch umsetzbar, und was bringt auch nach den Spielen Nutzen für die Bürger? Diese Projekte müssen jetzt geplant werden. Ein Warten auf die Entscheidung des IOC verschwendet wertvolle Zeit. Deshalb müssen Bund und Land jetzt ein Sonderbudget für die Planungen bereitstellen, das auch dann gilt, wenn Deutschland nicht den Zuschlag bekommt. Optimalerweise sind zum Zeitpunkt der IOC-Vergabe die ersten Maßnahmen bereits genehmigt, und können dann unmittelbar nach der Vergabe auch beauftragt werden“ so Andreas Frank, Münchner Sprecher des bundesweiten Fahrgastverbandes PRO BAHN. Dies bedeutet auch: alle anderen Verkehrsprojekte in München müssen bis zu einer IOC-Entscheidung bzw. den Olympischen Spielen in München nachgeordnet werden, damit Fokus und Kapazität auf den nötigen Projekten ist. Andererseits muss die Stadt auch von der Vorstellung lassen, jetzt alles ohne Rücksicht auf Kosten und Kapazitäten bauen zu wollen; dies würde sonst das Scheitern schon in sich tragen. „Der Münchner Stadthaushalt ist weiterhin nur äußert knapp finanziert. Für zusätzliche Planungen oder Projekte braucht die Stadt daher zusätzliches Geld von Land und Bund, mit dem sie dann gut haushalten muss“ so Andreas Frank zu den Rahmenbedingungen.
PRO BAHN setzt bei den konkreten Projekten auf die Empfehlungen der MCube-Studie im Auftrag der Stadt München, die als Ergebnis unter anderem ergeben hatte: »Die eigentliche Chance liegt im Ausbau urbaner Infrastruktur, die auch nach den Spielen Bestand hat. Dabei gilt: kleinere, flexiblere Maßnahmen mit schneller Umsetzbarkeit sind den großen, kostenintensiven Projekten vorzuziehen. Während U-Bahn-Großprojekte langfristig ein finanzielles Risiko bergen und im Negativfall zu einer gesamtwirtschaftlichen Belastung werden können, sind überirdische Lösungen wie Tramlinien, Radschnellwege oder Parkmeilen schneller umsetzbar, kostengünstiger und mit einem geringeren Risiko verbunden.«. Bei den Olympischen Spielen 1972 istbei der U-Bahn zusätzlich nur ein kurzer Abschnitt der U3 gebaut worden, und dafür die Strecke zum Harras zurückgestellt worden; die U6 war zum Zeitpunkt der Vergabe schon in Bau. Übertragen bedeutet das, dass realistisch die U29 als Anschluss des U9-Bahnhofs Hauptbahnhof an die U2 möglichist, jedoch andere U-Bahn-Strecken dafür zurückgestellt werden müssen. Dieser Abschnitt wird eine zusätzliche Verbindung zwischen dem Olympiazentrum und dem Hauptbahnhof ermöglichen, was für die Olympischen Spiele wichtig ist.
Der Fahrgastverband PRO BAHN fordert die Umsetzung der Olympia-Tram. Diese verbindet mit zwei miteinander verbundenen Ästen den Olympiapark, weitere Wettkampfstätten und das neue Olympische Dorf: Der eine Ast der Olympia-Tram führt vom Olympiapark Süd über den Englischen Garten und Johanneskirchen zum Olympischen Dorf. Im Englischen Garten werden die dortigen Reitwettbewerbe angebunden, in Johanneskirchen kann die S8 zum Flughafen erreicht werden. Der zweite Ast führt von Moosach mit der S1 über die Dachauer Straße und die Maximilansstraße zum Olympischen Dorf. Die Olympia-Tram nutzt bestehende Strecken, und ergänzt diese mit der Tram durch den Englischen Garten, die dauerhaft einen sehr hohen Nutzen hat, sowie den geplanten Strecken für die Erschließung der SEM Nordost als Nachfolgenutzung des Olympischen Dorfs. „Wir fordern den Freistaat Bayern auf, zumindest für die Olympischen Spiele konstruktiv zu sein, und endlich aktiv die Planung der Strecke durch den Englischen Garten zu begleiten. Damit kann dann endlich auch diese wichtige Strecke gebaut werden, für die Olympischen Spiele und auch für danach.“ so Andreas Frank.
Sinnvoll ist, während der Olympischen Spiele zumindest eine temporäre S-Bahn-Strecke auf dem Nordring einzurichten. „Da eine temporäre Strecke voraussichtlich auch ohne große Baumaßnahmen möglich ist, ist hier weniger Eile geboten als bei der U29 und den neuen Trambahn-Strecken. Mehr Nutzen für die Region München hätte jedoch der vorgesehene Ausbau der bisherigen Güterzugstrecke für die S-Bahn; dies wird aber bislang vom Freistaat nicht entschieden genug vorangetrieben“ so der PRO-BAHN-Sprecher.
Für die Veranstaltungsorte in Oberschleißheim und Garching ist die konsequente Busbeschleunigung nötig. Nur dadurch ist eine leistungsfähige Anbindung beispielsweise der Ruderregattastrecke möglich. Die Busbeschleunigung hat großen Nutzen auch unabhängig von den Olympischen Spielen, und sollte daher so bald wie möglich angegangen werden.
Um die U-Bahnen vom Olympiazentrum in die Innenstadt zu entlasten, ist zusätzlich zur U29 die Tram Y-Nord nötig mit den Streckenabschnitten vom Lerchenauer Feld nach 'Am Hart', von 'Am Hart' zum Petuelring, vom Nordbad zur Hochschule München sowie vom Stiglmaierplatz zur Arnulfstraße. Die MCube-Studie geht von vier Tram-Neubaustrecken aus. Zur Stabilisierung des Netzes bietet sich die Südtangente von Giesing über Harras zum Waldfriedhof an, sowie die Kapuzinertram von der Silberhornstraße bis Hauptbahnhof. Auch diese beiden Strecken erschließen Olympische Sportstätten und Verkehrsknotenpunkte. Für die bereits vom Stadtrat beschlossene Strecke von Neufreimann nach 'Am Hart' fordert PRO BAHN die Stadtwerke auf, endlich die Planfeststellungsunterlagen einzureichen.
Am Münchner Hauptbahnhof ist sicherzustellen, dass er während der Olympischen Spiele sich nicht als wenig leistungsfähige Baustelle präsentiert. Der vielfach versprochene westliche Verbindungssteg am Hauptbahnhof zwischen den Bahnsteigen ist bis zu den Olympischen Spielen zu errichten. „Angesichts des zähen Ablaufs bei Bahnprojekten ist der Verbindungssteg jetzt mit hoher Priorität anzugehen, und mindestens bis Leistungsphase vier sofort zu finanzieren. Hier sind der Freistaat Bayern und der Bund jetzt gefordert“ so der PRO-BAHN-Sprecher.
Zudem sind dringend die neuen Betriebshöfe für die U-Bahn in Neuperlach und die Tram an der Ständlerstraße und in Fröttmaning nötig, sowie eine bessere Betriebsinfrastruktur wie Wendeschleifen beispielsweise Höhe Hackerbrücke. „Mit dem heute spürbaren Fahrzeugmangel, den Zuverlässigkeitsproblemen und Verspätungen wären Olympische Spiele kein Aushängeschild für Deutschland. Damit die Qualität spürbar besser werden kann, braucht es die schon lange geplanten neuen Betriebshöfe. Dies gilt bereits für das heutige Netz und erst recht mit den Ausbauten für die Olympischen Spiele“ so Andreas Frank.
„Jetzt sind alle Ebenen gefordert, sich auf mögliche Olympische Spiele im Raum München einzustellen: die Stadt München, indem sie entsprechend der MCube-Ergebnisse die sinnvollen Maßnahmen priorisiert und anderes dafür zurückstellt, und Freistaat Bayern und der Bund, indem sie dafür ein Planungsbudget bereitstellen, und ihre eigenen Hausaufgaben wie am Münchner Hauptbahnhof erledigen“ faßt Andreas Frank die Situation zusammen.
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