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Präventions- statt Reparaturmedizin: FOCUS-Gesundheit veröffentlicht exklusive Ergebnisse der Ärztebefragung 2026

Präventions- statt Reparaturmedizin: FOCUS-Gesundheit veröffentlicht exklusive Ergebnisse der Ärztebefragung 2026
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München (ots)

In jedem Alter gesund zu bleiben ist nicht nur ein tiefer menschlicher Wunsch, sondern auch ein entscheidender Hebel, das Problem explodierender Gesundheitskosten zu lösen. Aber wie gelingt der Wechsel von einer auf die Therapie von Erkrankungen fokussierten hin zu einer präventionszentrierten Medizin? Und wie sieht gute Prävention eigentlich aus? Antworten auf diese und weitere Fragen gibt die große Befragung von FOCUS-Gesundheit unter knapp 8.500 Medizinerinnen und Medizinern. Die Veröffentlichung der aktuellen, detaillierten und exklusiven Ergebnisse erlaubt einen neuen Einblick in das Gesundheitswesen.

Key Facts aus der Ärztebefragung 2026

  • Bei der Umsetzung präventiver Medizin sehen jeweils rund ein Viertel der befragten Ärzte vier entscheidende Hindernisse, darunter unzureichende Versicherungsleistungen und Zeitmangel bei der Konsultation. Weiterbildungsmöglichkeiten für Ärzte werden hingegen als ausreichend vorhanden beschrieben.
  • 60% der Ärzte bewerben Früherkennungsmaßnahmen bei Patienten immer oder häufig.
  • Knapp 80% der Ärzte nehmen sich immer oder häufig Zeit, mit Patienten über einen gesunden Lebensstil zu sprechen. Im Zuge dieser Primärprävention empfehlen Ärzte ihren Patienten am häufigsten Bewegung, zum Beispiel als Teil einer Longevity-Therapie. Nur 42% der Befragten geben an, eine geschlechtsspezifische Risikobewertung während der Primärprävention durchzuführen. Fehlende Leitlinien stellen dabei die größte Hürde dar.
  • Während 94% der Ärzte angeben, dass mentale Gesundheit eine sehr große Rolle für den Therapieerfolg spielt, sprechen nur 19% ihre Patienten immer aktiv auf ihre mentale Gesundheit an.

Der demografische Wandel stellt das Gesundheitssystem in Deutschland vor große Herausforderungen. Die Bevölkerung altert und die durchschnittliche Lebenserwartung steigt. Zugleich nimmt die Zeit, in der Menschen auch in höherem Alter fit und gesund bleiben, nicht in gleichem Maße zu. Dadurch verbringen viele ihre letzten Lebensjahre häufiger krank und müssen medizinisch versorgt werden. Geeignete Präventionsmaßnahmen könnten dieser Entwicklung teilweise entgegenwirken.

Knapp 8.500 Fragebögen zum Thema Prävention hat das Rechercheinstitut FactField im Auftrag von FOCUS-Gesundheit ausgewertet. Befragt wurden hochqualifizierte Fachärztinnen und Fachärzte für 126 Indikations- und Fachgebiete. Vergleichbar umfangreiche Daten zur medizinischen Versorgung in Deutschland gibt es selten. Die Befragung erfolgte im Rahmen der Datenerhebung für die Top-Ärzteliste 2026. Sie ist seit vielen Jahren ein wichtiger Baustein der Methodik zur Ermittlung der von FOCUS-Gesundheit empfohlenen Top-Medizinerinnen und -Mediziner.

Beim zweiten Live-Event & Dialog "Medizin der Zukunft" von FOCUS-Gesundheit wurden am 20. Mai 2026 die Ergebnisse der Befragung exklusiv vorgestellt. Auf Einladung von Dr. Andrea Bannert, Chefredakteurin von FOCUS-Gesundheit, und Oliver Wiedemann, Team Lead Health Research bei FactField, kamen Vertreterinnen und Vertreter der Gesundheits- und Medizinbranche in München zusammen. Über die Ergebnisse der Ärztebefragung und die aktuellen Herausforderungen der präventiven Medizin im deutschen Gesundheitswesen diskutierten Dr. Andrea Bannert und Antonia Schillinger, Online-Redakteurin und Social-Media-Managerin bei FOCUS-Gesundheit, sowie vier Referentinnen und Referenten aus der Praxis: Prof. Dr. Uwe Nixdorff, Internist, Kardiologe und Sportmediziner, Michael Hübner, Geschäftsbereichsleiter Versorgungsinnovation, Pflege und digitale Versorgung bei der BARMER, Prof. Dr. Annette Peters, Direktorin des Instituts für Epidemiologie am Helmholtz Zentrum München und Mitglied der Helmholtz Health Prevention Task ForcesowieProf. Dr. Petra-Maria Schumm-Draeger, Internistin und Endokrinologin, Ärztliche Direktorin des "Zentrum für Innere Medizin - Prävention, Diagnostik und Therapie" in München und Sprecherin der DGIM-Kommission "Geschlechtersensible Medizin".

Die spannendsten Erkenntnisse aus der Befragung hat die Redaktion von FOCUS-Gesundheit für Sie aufbereitet.

1. Stellenwert und Hürden präventiver Medizin

Trotz großer Fortschritte in Krebstherapie, Herzmedizin und Chirurgie liegt die Lebenserwartung in Deutschland im westeuropäischen Vergleich niedriger - vor allem wegen vermeidbarer Herz-Kreislauf-Todesfälle. Krankheiten zu verhindern, statt sie aufwendig zu kurieren - ein solcher Paradigmenwechsel ist in einer alternden Gesellschaft zwingend erforderlich. Ein Gesundheitssystem, das vorwiegend auf die Behandlung bestehender Erkrankungen ausgerichtet ist, stößt zunehmend an seine Grenzen. Prof. Dr. Uwe Nixdorff erläuterte hierzu auf dem Live-Event "Medizin der Zukunft" in München den "notwendigen Paradigmenwechsel von sick care zu health care": "Longevity ist zukunftsweisend, wir müssen den Gap zwischen life- und healthspan schließen."

Durch Prävention könnten laut Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung bis zu 17 Prozent der Todesfälle vor dem 75. Lebensjahr verhindert werden. Früherkennungsuntersuchungen, etwa bei Nierenerkrankungen, werden zu selten in Anspruch genommen. Auch Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder hohes LDL-Cholesterin werden häufig nicht rechtzeitig erkannt und behandelt. Gleichzeitig fällt es vielen Menschen schwer, ihren Lebensstil nachhaltig zu verändern - trotz klarer Evidenz für den Mehrwert von Bewegung, gesunder Ernährung oder Rauchverzicht. Darauf verweisen auch die von FOCUS-Gesundheit befragten Ärztinnen und Ärzte: 22 Prozent benennen Schwierigkeiten in der Umsetzung von Lebensstilmaßnahmen als größte Hürde für mehr Prävention. Danach folgen strukturelle Hürden. Jeweils etwa ein Viertel der Ärztinnen und Ärzte verweist auf unzureichende Kassenleistungen für Prävention, Zeitmangel im Praxisalltag und ein mangelndes öffentliches Bewusstsein.

Michael Hübner sagte: "Die Präventionsbemühungen der letzten Jahrzehnte haben viele richtige Ideen hervorgebracht. Aber sie erreichen zu selten den Alltag der Menschen - es fehlt der individuelle Zugang und die persönliche Motivation". Prof. Dr. Annette Peters verdeutlichte: "Ein initiales Arztgespräch und kontinuierliche Betreuung sind wichtig, um die Menschen gut zu unterstützen. Dazu gehören auch personalisierte Ansprachen".

2. Longevity und Prävention

Ein wichtiger Trend im Bereich Prävention ist die Longevity-Medizin. Sie zielt darauf ab, fittes Altern zu fördern und die Anzahl an gesunden Lebensjahren zu erhöhen. Die Befragung von FOCUS-Gesundheit zeigt: Ärztinnen und Ärzte beraten vornehmlich zum gesunden Lebensstil als wirksamste Maßnahme für gesundes Altern - zumindest solange es für Verfahren wie Kryotherapie oder DNA-Analysen keine klare Datenbasis gibt, die auf einen klinischen Nutzen hinweist.

Die Geriatrie-Professorin Ursula Müller-Werdan, Direktorin der Klinik für Geriatrie und Altersmedizin der Charité Universitätsmedizin Berlin und der Forschungsgruppe Geriatrie und Ärztliche Leitung des Evangelischen Geriatriezentrums Berlin (EGZB), erklärte dazu im Interview mit FOCUS-Gesundheit: "Bei jeder Anti-Aging-Intervention geht es darum, die Zellen zu verjüngen. Ein Weg besteht darin, die Autophagie anzukurbeln. Bei diesem Prozess baut der Körper nicht benötigte oder kranke Zellbestandteile ab, um sie an anderer Stelle zu recyceln. Mit zunehmendem Alter gelingt das weniger gut. Aktiviert man die Autophagie, hat das positive Auswirkungen auf Gesundheit und Lebensdauer eines Organismus."

Longevity-Therapien, die heute angewandt werden, beziehen sich vor allem auf Bewegung (33 Prozent), Psyche (25 Prozent) und Ernährung (21 Prozent). Medikamentöse Therapien werden nur selten genutzt.

3. Gendermedizin und Prävention

Der Gender Health Gap ist real: In der Medizin wird seit Jahren immer deutlicher, wie stark sich Männer und Frauen biologisch unterscheiden - und dass sie oftmals verschiedene Behandlungen benötigen. Denn der vermeintlich "kleine Unterschied" zwischen den Geschlechtern kann gravierende Folgen für die Gesundheit haben. Die Unterschiede betreffen das Zusammenspiel der Organe, das Herz-Kreislauf-System, den Stoffwechsel und das Immunsystem. Inzwischen ist klar: Männer und Frauen sind nicht auf gleiche Weise krank, sie haben andere Risiken und Krankheitsverläufe, reagieren unterschiedlich auf manche Medikamente und brauchen mitunter andere Therapieansätze. Frauen sind dabei bislang oft benachteiligt, zum Beispiel weil ihre Symptome weniger gut erkannt werden und sie verzögert die richtige Diagnose und Therapie erhalten. Auch wenn positive Entwicklungen sichtbar sind, braucht es einen breiten Veränderungsprozess überall in der Medizin, betonen Genderexperten.

Prof. Dr. Petra-Maria Schumm-Draeger sprach in München zu dem Thema "Warum die Innere Medizin 'geschlechtersensibler' werden muss". Sie sagte: "Geschlechtersensible Medizin ist kein Zusatzwissen, sondern Voraussetzung für eine zeitgemäße, personalisierte Patientenversorgung. Bekannte Unterschiede zwischen Mann und Frau zu ignorieren, riskiert Unter- und Fehlversorgung".

Laut der Ärztebefragung 2026 für FOCUS-Gesundheit halten knapp die Hälfte der Befragten geschlechtersensible Medizin in ihrem Fachgebiet für wichtig in der Prävention. 83 Prozent stimmen zu, dass Männer und Frauen unterschiedliche Ansätze in der Behandlung benötigen. In der Praxis ziehen jedoch nur knapp über 40 Prozent der Ärzte regelmäßig geschlechtsspezifische Risikofaktoren heran. Als Hürden nennen sie fehlende Leitlinien, mangelnde Ausbildung und zu wenig Zeit im Alltag.

4. Mentale Gesundheit und Prävention

Die mentale Gesundheit von Patientinnen und Patienten spielt für den Therapieerfolg eine große Rolle. Dieser Aussage stimmen 94 Prozent der Ärztinnen und Ärzte in der Befragung von FOCUS-Gesundheit ganz oder teilweise zu. Allerdings geben nur 19 Prozent an, ihre Patientinnen und Patienten immer auf ihre mentale Gesundheit anzusprechen. Diese Diskrepanz hat negative Auswirkungen auf Krankheitsverlauf und Behandlungserfolg.

Diesen Widerspruch kennt Dr. med. Doris Klinger, Chefärztin der Psychosomatik der Max-Grundig-Klinik Bühlerhöhe. Im Gespräch mit FOCUS-Gesundheit erklärt sie: "Wir betrachten Psyche und Körper in der Medizin immer noch zu getrennt und nehmen psychische Faktoren nicht ernst genug." Noch sei es im Klinik- und Praxisalltag nicht vollständig etabliert, Somatik (den Körper betreffend) und Psyche als Systeme zu betrachten, die miteinander in Wechselwirkung stehen, so Klinger. "Dabei beeinflussen sie sich ständig und sind gemeinsam nicht nur für die Entstehung von Erkrankungen, sondern auch für den Krankheitsverlauf verantwortlich."

Hier hören und sehen Sie mehr zu diesem Thema:

Die Podcast-Folge #103 von "Auf Herz und Nieren": "Warum wir mehr Prävention brauchen und wie das gelingt", in der Sie weitere Einblicke in die Ergebnisse der Ärztebefragung 2026 erhalten, finden Sie aufallen gängigen Plattformen und auf der Website von FOCUS-Gesundheit.

Das Highlight-Video vom Live-Event und Dialog "Medizin der Zukunft" finden Sie hier.

Pressekontakt:

21up GmbH
Dr. med. Christian Bruer
Prinzregentenstraße 54
80538 München
E-Mail: cb@21-up.com

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