Gold und Bitcoin auf Talfahrt: Woran erkenne ich, wann sich der Einstieg wieder lohnt?
Verl (ots)
Fallende Kurse bei Gold und Bitcoin verunsichern viele Anleger. Während die einen panisch verkaufen, warten andere auf den „richtigen Moment“ für den Einstieg. Doch genau dieser Zeitpunkt lässt sich nicht an Schlagzeilen festmachen. Entscheidend sind vielmehr bestimmte Signale, Marktmechanismen und Bewertungsfaktoren, die Hinweise darauf geben, ob eine Korrektur noch läuft oder sich ein Boden bildet.
Nicht der Tiefpunkt ist entscheidend, sondern ob die Gründe für den Preisverfall bereits eingepreist sind. Hier erfahren Sie, welche Indikatoren Anleger beobachten sollten, warum Emotionen an der Börse oft in die Irre führen und wie sich Gold und Bitcoin trotz kurzfristiger Schwankungen sinnvoll in eine langfristige Anlagestrategie einordnen lassen.
Krisenwerte unter Druck: Warum Rückschläge normal sind
Gold gilt seit Jahrzehnten als klassischer Krisenwert, Bitcoin wird von vielen als digitales Pendant betrachtet. Dennoch sind beide Anlageformen keineswegs immun gegen deutliche Kursrückgänge. Gerade nach starken Aufwärtsbewegungen sind ausgeprägte Korrekturen nicht nur üblich, sondern aus markttechnischer Sicht sogar gesund.
Gold verzeichnete in der Vergangenheit immer wieder kräftige Anstiege, denen ebenso dynamische Rücksetzer folgten. Beim Bitcoin gehören Schwankungen von 30 Prozent oder mehr historisch betrachtet nahezu zur Normalität. Ob die Kryptowährung tatsächlich als sicherer Hafen taugt, bleibt umstritten, zumal sie in akuten Krisenphasen häufig ebenfalls unter Verkaufsdruck gerät. Rückgänge allein sind daher kein verlässliches Signal für strukturelle Schwäche, sondern oftmals Ausdruck normaler Marktzyklen.
Marktpsychologie: Wenn Angst zum Kontraindikator wird
In fallenden Märkten dominiert selten kühle Analyse. Angst, Unsicherheit und der Wunsch, weitere Verluste zu vermeiden, prägen das Handeln vieler Marktteilnehmer. Typische Gedankenspiele kreisen um die Frage, ob ein sofortiger Verkauf Schlimmeres verhindern kann oder ob sich bereits eine günstige Einstiegschance bietet. Dabei entstehen größere Preisbewegungen häufig lange bevor die breite Öffentlichkeit die Hintergründe vollständig erfasst.
Märkte handeln Erwartungen, nicht Schlagzeilen. Wenn negative Nachrichten allgegenwärtig sind, soziale Netzwerke von Untergangsszenarien geprägt werden und extreme Pessimismuswerte messbar sind, kann das auf eine Übertreibung hindeuten. Ist ein Großteil der Verkaufswilligen bereits ausgestiegen, nimmt der Abgabedruck ab. Genau in solchen Phasen entstehen nicht selten die Grundlagen für eine Bodenbildung.
Viele Anleger verlieren nicht wegen schlechter Anlageklassen Geld, sondern weil sie in Phasen extremer Emotionen falsche Entscheidungen treffen, etwa aus Angst verkaufen oder aus Euphorie zu spät einsteigen.
Fundamentale Faktoren: Sind die Risiken eingepreist?
Neben der Stimmungslage spielen fundamentale Rahmenbedingungen eine zentrale Rolle. Geopolitische Spannungen, Veränderungen in der Geldpolitik oder neue regulatorische Entwicklungen beeinflussen sowohl Gold als auch Bitcoin maßgeblich. Entscheidend ist weniger das Ereignis selbst als dessen Bewertung durch den Markt. Wurden Zinserhöhungen, politische Konflikte oder wirtschaftliche Abschwächungen bereits in den Kursen berücksichtigt, verliert ihr Überraschungseffekt an Bedeutung. Eine Stabilisierung kann einsetzen, sobald neue negative Impulse ausbleiben oder sich erste Verbesserungen abzeichnen.
Die Frage lautet daher nicht, ob Risiken existieren, sondern ob sie noch zusätzliches Abwärtspotenzial entfalten können. Je mehr Belastungsfaktoren sichtbar und eingepreist sind, desto höher steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich ein tragfähiger Boden entwickelt.
Technische Signale und strategischer Einstieg
Auch die technische Analyse liefert Anhaltspunkte, wenngleich sie keine Gewissheit bietet. Langfristige Durchschnittslinien wie die 200-Tage-Linie fungieren häufig als Orientierungspunkte, an denen Marktteilnehmer verstärkt reagieren. Ebenso können markante, runde Kursniveaus als psychologische Unterstützungen oder Widerstände wirken.
Dennoch bleibt die exakte Bestimmung des Tiefpunkts ein Spiel der Wahrscheinlichkeiten. Statt auf den perfekten Moment zu spekulieren, setzen viele erfahrene Investoren auf gestaffelte Käufe. Fällt der Kurs weiter, verbessert sich der durchschnittliche Einstiegspreis; steigt er früher als erwartet, besteht zumindest eine erste Position im Markt. Alternativ ermöglicht ein langfristig angelegter Sparplan eine disziplinierte Teilnahme an der Entwicklung beider Anlageklassen. Auf diese Weise verlieren kurzfristige Schwankungen an Bedeutung und ordnen sich einer übergeordneten Strategie unter.
Über Mario Lüddemann:
Mario Lüddemann ist Geschäftsführer der Lüddemann Investments GmbH. Er hat fast 30 Jahre Berufserfahrung als Trader und bereits über 65.000 Transaktionen durchgeführt. 2020 und 2021 wurde er als "Trader des Jahres" ausgezeichnet. Er und sein Team bei Lüddemann Investments bieten Interessenten Weiterbildungen für Investment oder Trading an. Sein Ziel: Vermögen selbstbestimmt und unabhängig von Banken und Versicherungen aufzubauen. Mehr Informationen unter: https://mariolueddemann.com/
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Ruben Schäfer
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