Fertighaus gilt als günstige Alternative – warum die Bauweise allein noch lange keine niedrigen Baukosten garantiert
Velburg (ots)
Fertighäuser versprechen kurze Bauzeiten, planbare Abläufe und häufig einen attraktiven Einstiegspreis. Doch ob ein Bauprojekt am Ende tatsächlich günstig wird, entscheidet sich nicht allein an der Bauweise. Grundstück, Erdarbeiten, Bodenbeschaffenheit, Planung, Ausstattung und Baunebenkosten können das Budget erheblich verändern. Aktuelle Kalkulationen setzen allein die Baunebenkosten häufig mit rund 20 Prozent des Hauspreises an.
Viele Bauherren und Investoren richten ihren Blick zunächst auf den angebotenen Preis für das Gebäude. Dabei entstehen entscheidende Einsparpotenziale häufig schon wesentlich früher: bei der Wahl und Prüfung des Grundstücks, einem effizienten Grundriss, der technischen Planung und einem möglichst vollständig definierten Leistungsumfang. Das gilt für das Einfamilienhaus ebenso wie für größere Wohnprojekte. Nachfolgend erfahren Sie, wo sich Baukosten tatsächlich beeinflussen lassen, warum vermeintlich günstige Angebote später teuer werden können und wie eine sorgfältige Vorbereitung das Risiko kostspieliger Nachträge reduziert.
Der Angebotspreis ist nicht der Endpreis
Wer Baukosten vergleichen möchte, muss zunächst klären, welche Leistungen überhaupt enthalten sind. Besonders Grundstück und Erschließung lassen sich nicht pauschal kalkulieren, weil die Preise regional stark schwanken. Auch die eigentlichen Baukosten hängen vom Standort ab. In Ballungsräumen wie München oder Frankfurt können sie deutlich höher ausfallen als in ländlichen Regionen.
Ein günstiger Preis für das Gebäude allein sagt deshalb wenig über die Gesamtkosten aus. Das gilt für Fertighäuser ebenso wie für Mehrfamilienhäuser, die beispielsweise mit einem Generalunternehmer realisiert werden. Entscheidend ist vielmehr, welche Kosten bereits berücksichtigt wurden und welche während des Projekts noch hinzukommen können.
Die größten Hebel liegen in der Planung
Wie wirtschaftlich ein Gebäude entsteht, wird zu einem großen Teil bereits vor dem Baustart festgelegt. Beim Mehrfamilienhaus spielt etwa die Flächeneffizienz eine wichtige Rolle. Bezahlt werden muss die gesamte errichtete Fläche, während für Vermietung oder Verkauf vor allem die nutzbare Wohnfläche zählt. Große Verkehrsflächen oder ungünstige Grundrisse verursachen daher Kosten, ohne einen entsprechenden wirtschaftlichen Nutzen zu schaffen.
Auch beim Einfamilienhaus beeinflussen Größe, Gebäudeform, Raumaufteilung und Haustechnik das Budget erheblich. Wer diese Punkte früh optimiert, kann Kosten reduzieren, bevor sie überhaupt entstehen.
Sparen sollten Bauherren allerdings nicht pauschal bei der Planung. Entscheidend ist vielmehr, dass sie zum jeweiligen Projekt passt. Bei Fertighäusern werden Planungsleistungen teilweise kostenlos angeboten, wenn anschließend auch der Bauauftrag vergeben wird. Wer sich später für einen anderen Anbieter entscheidet, kann dadurch stark gebunden sein. Eine vorab vereinbarte Ausstiegsklausel kann regeln, welche Kosten für die Planung entstehen, wenn es nicht zur Beauftragung kommt.
Zudem planen Anbieter Gebäude meist passend zu ihrem eigenen Bausystem. Ein anderer Hersteller kann denselben Entwurf möglicherweise nicht genauso wirtschaftlich umsetzen. Eine unabhängige, auf die jeweilige Gebäudeart spezialisierte Planung erleichtert daher den Vergleich.
Unbekannte Kosten möglichst früh klären
Besonders problematisch sind Punkte, die beim Vertragsabschluss noch offenbleiben. Ein zunächst niedriger Preis kann erheblich steigen, wenn beispielsweise die Bodenbeschaffenheit oder technische Anforderungen erst während der Umsetzung geklärt werden. Nachträge können dann schnell einen erheblichen Teil der ursprünglich kalkulierten Kosten ausmachen.
Voruntersuchungen schaffen hier mehr Sicherheit. Ein Bodengutachten zeigt beispielsweise frühzeitig, ob besondere Maßnahmen bei Gründung oder Erdarbeiten notwendig werden. Auch Heizlastberechnungen, energetische Vorgaben und technische Planungen sollten möglichst vor der Vergabe vorliegen.
Was zunächst zusätzliche Planungskosten verursacht, kann dadurch spätere Mehrkosten verhindern. Denn je mehr Fragen vor Baubeginn beantwortet sind, desto geringer wird der Spielraum für unerwartete Zusatzleistungen.
Klare Verträge schützen vor Nachträgen
Ebenso wichtig ist ein möglichst vollständig definierter Leistungsumfang. Materialien, Fenster, Böden, Wandaufbauten, Dämmung und technische Ausstattung sollten nicht erst während der Bauphase festgelegt werden. Andernfalls können zusätzliche Wünsche oder notwendige Änderungen den vereinbarten Preis schnell erhöhen.
Das Ziel sollte deshalb sein, Planung und Leistungsbeschreibung so weit zu konkretisieren, dass ein belastbarer Pauschalpreis vereinbart werden kann. Vollständig ausschließen lassen sich Überraschungen bei einem Bauprojekt zwar nicht; viele Nachträge entstehen jedoch, weil Leistungen vor Vertragsabschluss nicht eindeutig definiert wurden.
Günstig bauen beginnt vor dem Baustart
Wie hoch die Baukosten am Ende ausfallen, hängt damit weniger von einem einzelnen Etikett wie Fertig- oder Massivhaus ab. Grundstück, Grundriss, technische Ausstattung, Voruntersuchungen und Vertragsgestaltung beeinflussen die Gesamtkosten mindestens ebenso stark.
Gerade ein niedriger Einstiegspreis sollte deshalb nicht das einzige Entscheidungskriterium sein. Wer Risiken früh untersucht, die Planung auf das konkrete Projekt abstimmt und Leistungen möglichst vollständig festlegt, schafft eine belastbarere Kostenbasis. Die entscheidenden Einsparungen entstehen damit häufig nicht während des Baus, sondern lange davor.
Über Dr. Peter Burnickl:
Dr. Peter Burnickl hat sich zur Aufgabe gemacht, mit einem neuen Ansatz für nachhaltige, optimierte und wirtschaftliche Gebäude zu sorgen. Er ist der Geschäftsführer der Pro Bauherr GmbH und eingetragener Sachverständiger für Baukosten und technische Gebäudeausstattung. Als Ingenieur, Projektentwickler und Bauträger kennt er die Branche außerdem genau. Mit seinem Team unterstützt er Bauherren dabei, so zu bauen, dass alle Kosteneinsparpotentiale voll ausgeschöpft sind. Weitere Informationen unter: https://www.pro-bauherr.com/.
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