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DVR-Umfrage: Jeder zweite Lkw-Fahrende deaktiviert lebensrettende Systeme

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Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR) e.V.

Pressemitteilung

DVR-Umfrage: Jeder zweite Lkw-Fahrende deaktiviert lebensrettende Systeme

Berlin, 19. März 2026

Moderne Fahrerassistenzsysteme in Lkw können die Sicherheit auf deutschen Straßen massiv erhöhen. Doch in der Praxis werden sie mitunter abgeschaltet. Eine Umfrage des UADS-Instituts im Auftrag des Deutschen Verkehrssicherheitsrates (DVR) im Oktober und November 2025 unter 507 Lkw-Fahrenden zeigt: 59 Prozent der Befragten nutzen ihre Assistenzsysteme nicht durchgehend. Während 19 Prozent bestimmte Systeme häufig deaktivieren, schalten 40 Prozent die technische Unterstützung gelegentlich aus.

„Assistenzsysteme sind mehr als bloße Technik – sie sind Schutzengel für alle Verkehrsteilnehmenden“, erklärt Manfred Wirsch, Präsident des DVR. „Wer sie abschaltet, nimmt bewusst ein höheres Risiko in Kauf und gefährdet Menschenleben innerhalb und außerhalb des Fahrerhauses.“

Spurhalteassistent führt Negativliste an

Besonders häufig wird der Spurhalteassistent deaktiviert: Rund 56 Prozent der Befragten nutzen ihn regelmäßig nicht. Es folgen der Intelligente Geschwindigkeitsassistent mit rund 16 Prozent und der Abstandsregeltempomat mit etwa 15 Prozent. Der Abbiegeassistent wird von rund acht Prozent sowie der Notbremsassistent von etwa fünf Prozent regelmäßig deaktiviert.

„Assistenzsysteme sind keine Dekoration“, betont Manfred Wirsch. „Der Einbau bestimmter Assistenzsysteme ist gesetzlich vorgeschrieben – und das mit gutem Grund. Es reicht jedoch nicht, die Technik nur zu verbauen. Wir müssen ihre Akzeptanz und konsequente Nutzung sicherstellen. Nur fundiertes Wissen schafft Vertrauen. Umso wichtiger ist es, dass der Umgang mit Fahrerassistenzsystemen ein verpflichtender Bestandteil der Fahrausbildung und Fahrerlaubnisprüfung ist. Nur wer die Funktionsweise und die systembedingten Grenzen realistisch einschätzt, fährt sicher. Blinde Technikgläubigkeit kann ebenso riskant sein wie die Ablehnung von Technik, die nachweislich dazu beitragen kann, Unfälle zu vermeiden.”

Mangelhafte Schulung führt zu Unsicherheit

Die Umfrageergebnisse legen ein massives Defizit bei der Qualifikation offen: Knapp 32 Prozent der Fahrenden gaben an, keinerlei Einweisung in die Nutzung der Systeme erhalten zu haben. Weitere 45 Prozent wurden lediglich informell durch Kollegen eingewiesen, während nur rund 24 Prozent eine offizielle Schulung durchliefen. Diese mangelnde Aufklärung spiegelt sich im Kenntnisstand wider: 36 Prozent der Befragten fühlen sich unzureichend über die Systeme informiert. Etwa zwölf Prozent wissen nicht genau, welche sicherheitsrelevanten Systeme in ihrem Fahrzeug verbaut sind. Knapp 22 Prozent der Befragten empfinden die Technik der Systeme als unverständlich.

„Lediglich 24 Prozent der Befragten wurden von ihrem Transport- oder Logistikunternehmen professionell geschult. Allerdings stehen alle Unternehmen in der Pflicht, ihre Mitarbeitenden entsprechend zu qualifizieren“, fordert Manfred Wirsch. „Nur wer versteht, wie ein System reagiert, kann dessen Schutzwirkung voll ausschöpfen. Es reicht nicht, den Fahrerinnen und Fahrern nur die Technik bereitzustellen. Betriebe müssen aktiv über Funktionsweisen und Sicherheitsnutzen aufklären. Klar ist aber auch: Trotz Fahrassistenzsystemen bleibt die Verantwortung für das Fahrgeschehen immer beim Menschen. Die Technik ist eine Unterstützung, kein Ersatz für Aufmerksamkeit.“

Akzeptanz leidet unter Fehlalarmen und Komplexität

Grundsätzlich bewerten die Befragten die Technik positiv. Fast 80 Prozent halten Assistenzsysteme für sinnvoll. Dennoch verlassen sich knapp 37 Prozent der Befragten eher nicht oder gar nicht auf die Systeme. Rund 53 Prozent der Befragten fühlen sich während der Fahrt durch Warnungen, Systemfehler oder Eingriffe des Systems gestört oder abgelenkt.

„Die Mehrheit der Befragten hält Assistenzsysteme für nützlich – ein starkes Signal“, so Manfred Wirsch. „Dieses Vertrauen müssen wir stärken. Wer Lkw-Fahrende allein für die Deaktivierung von Assistenzsystemen verantwortlich macht, übersieht, dass auch Fahrzeughersteller einen Beitrag dazu leisten können, die Lücke zwischen Überzeugung und tatsächlicher Nutzung zu schließen. Entscheidend sind klare und verständliche Warn- und Bedienkonzepte. Auch eine geringe Fehlalarmquote sowie einheitliche Symbole und Bezeichnungen können die Akzeptanz deutlich erhöhen.“

Weiterführende Informationen

Top-Forderungen des DVR an die Politik

DVR-Schriftenreihe: Arbeitsplatz Straße (2025)

DVR-Beschluss: Erhöhung der Verkehrssicherheit durch C-ITS (2025)

DVR-Beschluss: Sichere Nutzung assistierter Fahrfunktionen (Level 2) (2025)

DVR-Praxishilfe: Fahrassistenzsysteme Lkw (2021)

DVR-Beschluss: Fahrerassistenzsysteme und automatisierte Fahrfunktionen in der Fahrausbildung und Fahrerlaubnisprüfung (2020)

Pressefotos

Pressefotos von Manfred Wirsch sind unter diesem Link abrufbar. Ein Symbolfoto ist unter diesem Link abrufbar. Nutzung jeweils honorarfrei bei Nennung der Quelle.

Über den DVR

Der DVR ist Deutschlands unabhängiger Vorreiter und Kompetenzträger in allen Belangen der Straßenverkehrssicherheit. Mit dem Ziel der Vision Zero („Alle kommen an. Niemand kommt um.“) setzt er sich für die gemeinsame Verantwortung aller Gesellschaftsgruppen ein, um den Straßenverkehr sicher zu machen. Durch die hohe Sachkenntnis und die Erfahrung seiner Mitglieder bildet der DVR ein effizientes Netzwerk für Verkehrssicherheit.

Kontakt

Christoph Rieger
Pressesprecher 
Abteilung Kommunikation

Deutscher Verkehrssicherheitsrat (DVR) e.V.
Jägerstraße 67-69
10117 Berlin
+49 (0)30 2 26 67 71 - 30
 CRieger@dvr.de
 www.dvr.de
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