Chemie-Tarifrunde 2026 in Leuna ohne Ergebnis
IGBCE: „Jeder Job zählt – Arbeitgeber tragen Verantwortung für Beschäftigung und Ausbildung in Ostdeutschland“
Ohne Einigung ist heute (20.01.2026) die regionale Chemie-Tarifrunde im Tarifbezirk Nordost zu Ende gegangen: IGBCE Nordost und Arbeitgeber konnten sich in Leuna trotz ernsthaften Diskussionen nicht auf ein Ergebnis verständigen. Den Forderungen der Chemiegewerkschaft nach einer spürbaren Lohnsteigerung und verbindliche Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung erteilte die Arbeitgeberseite eine klare Absage und sprach von einer notwendigen tarifpolitischen Atempause, um die Wettbewerbungsfähigkeit zurückzugewinnen und Arbeitsplätze zu sichern.
Für die IGBCE ist diese Haltung nicht akzeptabel. Im Zentrum der Tarifrunde steht die klare Erwartung, dass Arbeitgeber ihrer Verantwortung für den Erhalt von Arbeitsplätzen in der ostdeutschen Chemieindustrie gerecht werden. Gerade in einer Region, die seit Jahren unter strukturellen Umbrüchen leidet, darf Beschäftigungssicherung nicht zur Verhandlungsmasse werden. Denn: Beschäftigungssicherung und Ausbildung sind keine Nebenthemen, sondern Kernfragen für die Zukunft der Chemieindustrie in Ostdeutschland. In den kommenden Verhandlungsrunden wird die IGBCE darum mit Nachdruck für jeden Job und jeden Euro kämpfen.
Enttäuscht betonte Stephanie Albrecht-Suliak, Landesbezirksleiterin IGBCE Nordost und Verhandlungsführerin: „Die Forderung nach einer tarifpolitischen Atempause kann bei einem normalen Menschen nur Schnappatmung verursachen. Die Abwehrhaltung der Arbeitgeberseite ist schlichtweg weltfremd. Denn sicherlich ist über die Landesgrenzen hinaus bekannt, dass die Lage der chemischen Industrie in unserer Region in der Grundstoffchemie besonders herausfordernd ist. Das wissen auch unsere Kolleginnen und Kollegen. Das darf aber nicht bedeuten, dass alle Probleme der Branche auf ihrem Rücken ausgetragen werden. Gleichzeitig gibt es nicht wenige Betriebe und Industriebereiche, in denen es rund läuft. Das haben die Vertreter meiner Tarifkommission heute deutlich aufgezeigt.“ Zudem habe die Politik auch auf Druck der IGBCE bereits verschiedene Maßnahmen auf den Weg gebracht, um die chemische Industrie zu stärken. Das werde für Wachstum sorgen.
Albrecht-Suliak unterstreicht: „Eine Nullrunde kommt also nicht in Frage. Sie würde der Branche, in der die Lohnkosten nur rund ein Siebtel der Gesamtkosten ausmachen, auch nicht entscheidend helfen. Die Arbeitgeber müssen sich deutlich auf uns zu bewegen.“
Im Mittelpunkt der Tarifverhandlungen stehen die am 09.12.2025 einstimmig beschlossenen Forderungen der Tarifkommission Nordost unter dem Motto „Jeder Job zählt. Jeder Euro zählt.“ Konkret fordert die IGBCE:
- Tarifliche Instrumente zur verbindlichen Beschäftigungssicherung, um Arbeitsplätze in der Chemie Ost nachhaltig zu erhalten
- Eine Erhöhung der Einkommen für Tarifbeschäftigte und Auszubildende zur Stärkung der Kaufkraft
- Eine regionale Initiative zur Verbesserung der Ausbildungssituation, gemeinsam getragen von Arbeitgebern und Gewerkschaft
Gerade der dramatische Einbruch bei den Ausbildungszahlen macht deutlich, wie dringend gehandelt werden muss. Stephanie Albrecht Suliak: „Die Ausbildungsplatzzahlen in der Chemie Ost sind zum Ausbildungsjahr 2025/2026 um über 30 Prozent zurückgegangen. Das ist kurzsichtig und verantwortungslos. Wer heute nicht ausbildet, verspielt morgen Fachkräfte, Innovationskraft und Standorte.“
Um auf diese Entwicklung aufmerksam zu machen, überreichte eine Gruppe engagierter Auszubildender der Hauptgeschäftsführerin der Nordostchemie-Verbände, Frau Nora Schmidt Kesseler, symbolisch eine Rote Laterne. Zuvor richteten sie einen eindringlichen Appell an die Arbeitgeber:
„Es geht um uns. Um unsere Heimat. Um unsere Zukunft. Lassen Sie uns nicht im Regen stehen. Stellen Sie sich Ihrer Verantwortung!“
Darum ist es ein wichtiges Signal, dass sich zumindest bei der dritten Forderung die Tarifpartner in Leuna verständigt, haben: Die Chemie-Sozialpartner Nordost werden zeitnah eine gemeinsame Initiative zur Stärkung der Ausbildung starten.
Pressekontakt:
Karin Aigner, Pressesprecherin IGBCE Landesbezirk Nordost
Mobil: +49 172 45 01 515, lb.nordost@igbce.de
Industriegewerkschaft IGBCE Verantwortlich: Stephanie Albrecht-Suliak Landesbezirksleiterin Nordost Inselstraße 6, 10179 Berlin Telefon: +49 30 27 87 13-0 Telefax: +49 30 27 87 13-44 E-Mail: lb.nordost@igbce.de Internet: nordost.igbce.de Über uns: Der Landesbezirk Nordost umfasst die fünf Bundesländer Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Sachsen-Anhalt. Die IGBCE ist hier zuständig für rund 150.000 Beschäftigte in mehr als 760 erfassten Betrieben.
Die Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie hat im Landesbezirk Nordost rund 80.000 Mitglieder.

