Nullrunde löst keine strukturellen Probleme
Ohne Einigung endete heute (20.1.2026) die regionale Chemie-Tarifrunde in Norddeutschland. Der IGBCE-Landesbezirk Nord und die Arbeitgeber konnten sich in Hannover nicht auf ein Ergebnis verständigen. Den Forderungen der Gewerkschaft nach spürbaren Lohnsteigerungen und verbindlichen Maßnahmen zur Beschäftigungssicherung erteilte die Arbeitgeberseite eine Absage.
Ralf Becker, Verhandlungsführer und Leiter des Landesbezirks Nord: „Eine Nullrunde löst keine strukturellen Probleme. An deren Lösung arbeiten wir schon lange gemeinsam, wie zum Beispiel zu den hohen Energiepreisen. Das gehört nicht in eine Tarifrunde. Hier reden wir darüber, die Kaufkraft unserer Beschäftigten zu erhalten, damit der Konsum steigt und sich die Inlandsnachfrage erholen kann. Dazu waren die Arbeitgeber heute nicht bereit.“
Im Mittelpunkt der Verhandlungen für den Tarifbezirk Nord stehen die Forderungen nach spürbaren Entgeltsteigerungen und Beschäftigungssicherung. Das hatte die Tarifkommission der IGBCE für die bundesweit 585.000 Beschäftigten im Dezember einstimmig beschlossenen. Nach dem Motto „Jeder Job zählt. Jeder Euro zählt“ fordert die IGBCE konkret die Entwicklung tariflicher Instrumente zur Beschäftigungssicherung und eine Erhöhung der Einkommen für die Tarifbeschäftigten und Auszubildenden, die die Kaufkraft weiter stärkt.
Ralf Becker: „Die Hauptausgaben für Miete, Nahrung und Verkehr sind seit 2020 um 28 Prozent gestiegen. Unsere Beschäftigten erleben heute, dass am Ende des Geldes noch so viel Monat übrig ist. Damit sie nicht abgehängt werden - auch gegenüber anderen Branchen - fordern wir eine deutliche Erhöhung der Kaufkraft der Beschäftigten. Die Chemie muss trotz Krise eine Zukunftsbranche bleiben, Zukunft gestalten – und ihr qualifiziertes Personal behalten.
Wir wissen um die brisante Situation der Chemieindustrie. In diesen Zeiten gilt es, die möglicherweise auf die Beschäftigten zukommenden Härten abzufedern. Zur Beschäftigungssicherung geeignet sind Tarifverträge, deren ureigener Zweck es ist, Sicherheit zu geben – für Einkommen und Arbeitsplätze. Wir fordern tarifpolitische Instrumente zu entwickeln wie den Ausschluss von betriebsbedingten Kündigungen, die Verlängerung von Kündigungsfristen oder Qualifizierungsangebote. Wir können jetzt Tarifgeschichte schreiben!“
Sabine Craemer-Böcker, Betriebsrätin der BASF Polyurethanes in Lemförde und Mitglied der regionalen IGBCE-Tarifkommission: „Beschäftigte brauchen Sicherheit und Planbarkeit. Nur wer eine Perspektive hat, ist kreativ, motiviert und produktiv. Arbeitsplatzsicherung ist für die Arbeitgeber eine Investition in Stabilität, Erfahrung und Zukunftsfähigkeit.“
Die Tarifverhandlungen für die Beschäftigten in der chemisch-pharmazeutischen Industrie finden auf regionaler Ebene vom 14. bis zum 23. Januar 2026 statt. Enden diese Gespräche ohne Ergebnis, gehen die Verhandlungen auf Bundesebene ab dem 3. Februar 2026 in Hannover weiter. Die aktuellen Tarifverträge laufen am 28. Februar 2026 aus.
Kontakt: Petra Adolph, Email: petra.adolph@igbce.de, Tel: 0151 11347040
Industriegewerkschaft IGBCE Verantwortlich: Ralf Becker Landesbezirksleiter Nord Königsworther Platz 6, 30167 Hannover Telefon: +495117631501 Telefax: +49 5117631520 E-Mail: lb.nord@igbce.de Internet: IG BCE Landesbezirk Nord
Über uns: Der Landesbezirk Nord der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) hat rund 80.000 Mitglieder. Zum Organisationsbereich gehören die Branchen Chemie/Pharma, Kautschuk, Papier, Kunststoffe, Energie, Erdöl und Erdgas, Glas, Keramik, Kali- und Steinsalz, Leder und industrienahe Entsorgung. Landebezirksleiter ist Ralf Becker.