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„Übernahme von Amprion widerspricht der Energiemarkt-Liberalisierung“ – Ökostromer fordern von Bundesnetzagentur umfassende Prüfung auf veränderte Eigentumsverhältnisse

„Übernahme von Amprion widerspricht der Energiemarkt-Liberalisierung“

Ökostromer fordern von Bundesnetzagentur umfassende Prüfung auf veränderte Eigentumsverhältnisse

Düsseldorf/Hamburg/Heidelberg/Schönau, 13. August 2026. Die Öko-Energieversorger Bürgerwerke, Elektrizitätswerke Schönau, Green Planet Energy und naturstrom kritisieren die geplante Übernahme des Übertragungsnetzbetreibers Amprion durch RWE und mahnen eine genaue Überprüfung des Deals durch die Bundesnetzagentur an. Die Aufstockung des RWE-Anteils an Amprion von 20 auf rund 55 Prozent würde die ohnehin schon problematische Marktkonzentration im Stromsektor verstärken und könnte so zu Lasten von Wettbewerb und Verbraucher:innen gehen.

Der Energiekonzern RWE will durch eine starke Aufstockung seiner Anteile die Kontrolle über den Übertragungsnetzbetreiber Amprion erlangen. Mittelständische Akteure im Energiemarkt sehen diese weitere Konzentration als Gefahr für den hart erkämpften Wettbewerb im Energiemarkt, wie Oliver Hummel, Vorstandsvorsitzender der naturstrom AG, erklärt: „Die Trennung von Netz und Energiehandel ist einer der Grundpfeiler der Strommarkt-Liberalisierung. Die geplante Übernahme von Amprion durch RWE widerspricht diesem Unbundling-Prinzip entscheidend und würde eine weitere Marktkonzentration im Stromsektor bedeuten. Es ist unverständlich, warum dieser Deal ohne größere Prüfung durchgewunken wird, obwohl das Kartellamt mehrfach konstatiert hat, dass RWE in der Stromerzeugung schon an der Schwelle zur Marktbeherrschung steht. Mit dem Zugriff auf die Informationen aus dem Netzbetrieb kann der Konzern sich so weitere unfaire Vorteile verschaffen – zu Lasten von Wettbewerb und Verbrauchern.“

Nils Müller, Vorstand der Green Planet Energy eG, betont: „Wenn Deutschlands größter Stromerzeuger Mehrheitsgesellschafter eines Übertragungsnetzbetreibers werden will, ist der Interessenkonflikt vorprogrammiert. Netzbetreiber verfügen über eine Schlüsselrolle für den Ausbau und die Modernisierung unseres Energiesystems. Gerade weil der stockende Netzausbau inzwischen sogar als Begründung dafür dient, den Ausbau der Erneuerbaren zu bremsen, müssen Netzbetreiber unabhängig handeln und alle Marktteilnehmer gleich behandeln. Die Bundesnetzagentur sollte deshalb in einem neuen Zertifizierungsverfahren gründlich prüfen, ob diese Unabhängigkeit weiterhin zweifelsfrei gewährleistet ist."

Alexander Sladek, Vorstand der Elektrizitätswerke Schönau eG, sieht den fairen Netz- und Marktzugang für Flexibilitätsanbieter wie Batteriespeicher gefährdet: „Die Übernahme von Amprion widerspricht der Energiemarkt-Liberalisierung und birgt einen Interessenkonflikt in sich. Denn im heutigen Stromsystem entscheiden die Übertragungsnetzbetreiber darüber mit, welche Anlagen an das Übertragungsnetz angeschlossen werden – und über die Präqualifikation darüber, welche Anlagen sich am Regelleistungsmarkt beteiligen können, auch solche im Verteilnetz. Wenn RWE, selbst Betreiber von Großbatteriespeichern, als Übertragungsnetzbetreiber über Marktzugang und Präqualifikation entscheiden kann, drohen Wettbewerbsvorteile für den Konzern. Dadurch können Barrieren für unabhängige Anbieter von Flexibilität entstehen, und damit für genau die Technologien, die wir für ein kosteneffizientes und klimaneutrales Stromsystem brauchen.“

Felix Schäfer, Vorstand der Bürgerwerke, weist zudem auf die gesellschaftspolitische Dimension hin: „Die Energiewende schützt nicht nur das Klima, sondern trägt auch zur Demokratisierung bei. Durch den Ausbau von Wind- und Solaranlagen können sich Menschen lokal an der Stromerzeugung beteiligen. Das steigert Akzeptanz, Teilhabe und Engagement. Die Netze bilden dagegen schon immer ein natürliches Monopol. Wenn ein Energiekonzern den Netzbetrieb beeinflussen kann, droht eine erneute Machtkonzentration bei Großunternehmen. Eine Re-Oligopolisierung der Energiewirtschaft würde die Energiewende ausbremsen.“

Die vier Unternehmen fordern die Bundesnetzagentur auf, die veränderten Eigentumsverhältnisse in einem neuen Zertifizierungsverfahren nach §§ 4a ff. EnWG umfassend zu prüfen. Dabei müsse transparent nachgewiesen werden, dass Amprion unabhängig handelt, alle Marktteilnehmer gleichbehandelt und sensible Informationen aus dem Netzbetrieb geschützt bleiben.

Über uns:

Green Planet Energy, 1999 von Greenpeace gegründet, gehört ihren mehr als 50.000 Mitgliedern und ist damit Deutschlands größte Energiegenossenschaft. Sie versorgt rund 200.000 Haushalte und Geschäftskund:innen mit innovativen Ökostrom- und Gasprodukten. Dabei setzt Green Planet Energy auf Stromerzeugung aus 100 Prozent erneuerbaren Energien: Die Genossenschaft betreibt Wind- und Solarparks sowie Elektrolyseure zur Produktion von grünem Wasserstoff (Windgas) und bezieht Strom ausschließlich aus Direktlieferverträgen – garantiert ohne Kohle- oder Atomstrom. Green Planet Energy unterstützt Kund:innen, Unternehmen und Kommunen bei ihrer Energiewende – von der eigenen Wärmepumpe über PV-Anlagen und Mieterstromprojekte bis hin zur kommunalen Wärmeplanung. Als nicht profitmaximierende Genossenschaft engagiert sich Green Planet Energy auch politisch für eine nachhaltige und sozial gerechte Energiewende.

Die naturstrom AG wurde 1998 in Düsseldorf gegründet und versorgt über 300.000 Haushalte, Unternehmen und Institutionen mit Ökostrom, Ökogas und Wärme aus Erneuerbaren Energien. Als größter unabhängiger Ökostromanbieter Deutschlands treibt naturstrom mit mehr als 500 Mitarbeitenden an 17 Standorten den Ausbau dezentraler Erneuerbarer Energien voran und hat bereits über 350 Öko-Kraftwerke mit realisiert. Das Unternehmen projektiert und betreibt Wind- und Solarparks, entwickelt verbrauchsnahe Versorgungslösungen für Quartiere, Betriebe sowie Kommunen und ist auch als innovativer Mobilitätsdienstleister aktiv.

Die EWS Elektrizitätswerke Schönau eG ist ein genossenschaftlicher Ökoenergieversorger, der aus einer Bürgerinitiative in Schönau im Schwarzwald hervorgegangen ist, die nach der Atomkatastrophe von Tschernobyl gegründet wurde. Heute versorgt die EWS eG bundesweit rund 180.000 Kundinnen und Kunden mit Ökostrom und Biogas. Darüber hinaus betreibt sie zahlreiche Nahwärmenetze in der Region und realisiert Windenergie- und Solarprojekte in ganz Deutschland.

Bei den Bürgerwerken haben sich mehr als 65.000 Menschen und über 150 Energiegenossenschaften aus ganz Deutschland zusammengetan, um die Energiewende voranzubringen. Der Zusammenschluss hat sich inzwischen zum größten deutschen Netzwerk von Energiegenossenschaften entwickelt. Als unabhängiger Ökostromversorger liefern sie BürgerÖkostrom aus Sonnen-, Wind- und Wasserkraft sowie nachhaltiges BürgerÖkogas. Das Ziel: eine erneuerbare, regionale und selbstbestimmte Energieversorgung in Bürgerhand.

Pressekontakt
 
Alexander Karasek
Pressesprecher
Green Planet Energy eG
Telefon 040 / 808 110 658
mobil 0160 / 969 701 59
 presse@green-planet-energy.de
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