Autismus-Diagnosen bei Schülern verdoppelt – Schulsystem nicht für Inklusion gerüstet
Nach aktuellen Zahlen der Krankenkassen leben doppelt so viel junge Menschen mit Autismus in Deutschland wie vor zehn Jahren. Bei Jungen zwischen 5 und 9 Jahren sind es zwei von 100 Kindern. Eine wachsende Zahl Kinder ist vor Schulbesuch ausgeschlossen, weil es keine geeigneten Schulplätze gibt.
Zahl der Autismus-Diagnosen bei Schülern steigt deutlich
Essen/Berlin, 26.03.26 Die Zahl der Kinder und Jugendlichen mit der Diagnose Autismus steigt deutlich an. Wie Recherchen von CORRECTIV zum Welt-Autismus-Tag (2. April) ergaben, hat sich die Zahl der Betroffenen in der Altersgruppe der Kinder und Jugendlichen bis 24 Jahren in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. Laut den aktuellen Zahlen der Krankenkasse hkk lebte 2024 einer von 100 Versicherten dieser Altersgruppe mit einer diagnostizierten Autismus-Spektrums-Störung. Im Jahr 2014 lag der Wert noch bei 0,49 Prozent. In der Altersgruppe der 10- bis 14-Jährigen liegt der Wert mit 1,5 Prozent am höchsten. Besonders markant ist der Anstieg bei Jungen: Bei den Fünf- bis Neunjährigen leben inzwischen zwei von 100 Kindern mit der Diagnose.
Nach den Zahlen des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WidO) hat sich die Zahl der betroffenen Jungen zwischen sieben und neun Jahren in den vergangenen zehn Jahren knapp verdreifacht auf 1,68 Prozent dieser Altersgruppe. In der Gruppe der Kinder und Jugendlichen bis 19 Jahren weisen die AOK-Zahlen prozentual mehr als eine Verdopplung aus.
Da das Schulsystem für Inklusion nicht ausreichend ausgestattet ist, werden nach Angaben der Lebenshilfe immer mehr Kinder vom Schulbesuch ausgeschlossen. Genaue Statistiken, wie viele Kinder mit Autismus-Spektrum-Störung derzeit nicht in die Schule gehen, werden allerdings derzeit in den Bundesländern nicht erhoben. Die Lebenshilfe fordert daher eine bundesweite Statistik, die endlich transparentmache, wie viele Kinder in Deutschland nicht oder nur teilweise beschult werden.
Neben der Zahl der Schülerinnen und Schüler mit Autismus steigt auch die Gesamtzahl der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf kontinuierlich an. Laut den aktuellen Zahlen des Statistischen Bundesamtes für 2024 hat sich die Zahl in den vergangenen zehn Jahren um ein Viertel erhöht auf 610.000 Kinder. Von ihnen werden mit 270.000 knapp die Hälfte auf Regelschulen inklusiv unterrichtet. In einzelnen Bundesländern nähert sich die Quote der Schülerinnen und Schüler, die mit einer Beeinträchtigung lernen, bereits der Zehn-Prozent-Marke. In Sachsen-Anhalt sind es laut der einer Erhebung der Bertelsmann-Stiftung über neun Prozent aller Schülerinnen und Schüler. In NRW liegt der Anteil im laufenden Schuljahr 2025/26 bei 8,2 Prozent.
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