Hochschule Bremerhaven hisst Pride Flagge: Sichtbares Zeichen für Vielfalt, Akzeptanz und Solidarität
Bei strahlendem Sonnenschein haben Studierende, Lehrende, Mitarbeitende und Vertreter:innen des Rektorats der Hochschule Bremerhaven am 1. Juni die Regenbogenflagge vor dem Campusgebäude an der Columbusstraße gehisst. Damit läuteten sie offiziell den Pride Month ein. Bis zum 30. Juni weht die Flagge als sichtbares Symbol dafür, dass an der Hochschule alle Menschen – unabhängig von sexueller Orientierung oder geschlechtlicher Identität – willkommen sind.
Seit über 40 Jahren steht die Pride Flag - in ihrer ersten Fassung 1978 von Gilbert Baker entworfen - weltweit für die LGBTQIA+-Community und ihren Einsatz für Gleichberechtigung, Sichtbarkeit und gegen Diskriminierung. „Ich freue mich sehr über die große Beteiligung“, begrüßte Dr. Johanna Hartmann, Referentin für Gleichstellung an der Hochschule, die Versammelten. Gemeinsam hoben die Hochschulangehörigen die Flagge an, bevor sie sie feierlich hissten.
"Pride Month ist mehr als Feiern – er bedeutet historische Verantwortung"
"Der Pride Month ist eine Zeit, um Vielfalt zu feiern und stolz auf die eigene Identität zu sein", betonte Lily Mühlig-Versen, Studentin und Mitglied der queeren Hochschulgruppe. „Doch er ist mehr als nur ein Festmonat – er hat eine historische Bedeutung.“ In ihrer Rede erinnerte sie an den Stonewall-Aufstand am 28. Juni 1969 in New York: Nach wiederholten Polizei-Razzien in der Bar Stonewall Inn – einem Treffpunkt für Homosexuelle und trans Personen – sollte erneut die Identität der Besucher:innen festgestellt werden. Solche Kontrollen hatten zuvor bereits zu Verhaftungen und Anklagen wegen „anstößigen Verhaltens“ geführt. Diesmal jedoch leisteten die Anwesenden Widerstand. Fünf Tage lang kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei, bis sich die Proteste in ganz Greenwich Village ausbreiteten. Heute, mehr als fünf Jahrzehnte später, nutzen Menschen weltweit den Juni, um auf die Rechte von LGBTQIA+-Personen aufmerksam zu machen.
In Deutschland: späte Fortschritte, anhaltende Herausforderungen
Auch in Deutschland war der Weg zu mehr Gleichberechtigung lang: „Erst 1994 wurde Homosexualität hierzulande vollständig entkriminalisiert“, führte Mühlig-Versen aus. „Und selbst bei der Einführung der ‚Ehe für alle‘ im Jahr 2017 gehörte Deutschland im europäischen Vergleich zu den Nachzüglern.“ Seit knapp zwei Jahren gibt es das Selbstbestimmungsgesetz, das es trans, intergeschlechtlichen und nichtbinären Menschen erleichtert, ihren Geschlechtseintrag und Vornamen ändern zu lassen. „Es ist immer noch kein einfacher Prozess, da mit einer Änderung viel Bürokratie verbunden ist“, so Mühlig-Versen. „Aber es gibt Fortschritte – und das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.“
Denn nur durch das Engagement aller gesellschaftlicher Gruppen könnten sich alle Menschen angenommen fühlen und gleichberechtigt leben. Angesichts der aktuell zunehmenden queer- und transfeindlichen Gewalt sei das Hissen der Flagge „ein starkes und wichtiges Zeichen“ der Hochschule, betonte die Studentin. „Die Hochschule Bremerhaven ist ein Ort des Forschens und Lernens. Nur dort, wo alle Menschen willkommen sind und in ihrer Vielfalt zusammenkommen, kann echter Fortschritt gelingen.“
Flagge weht bis Ende Juni – dauerhafte Installation an der Bussestraße
Die Pride Flagge weht bis zum 30. Juni vor dem Campusgebäude an der Columbusstraße. Am 11. Juli, zum Bremerhavener Christopher Street Day, wird sie erneut gehisst. Vor dem Campusgebäude an der Bussestraße ist die Flagge bereits dauerhaft installiert.
Mit Begeisterung studieren, lehren und forschen – dafür steht die Hochschule Bremerhaven. In mehr als 20 praxisnahen und innovativen Studiengängen profitieren die rund 3.000 Studierenden von der engen Zusammenarbeit mit der regionalen Wirtschaft und modernen Lehr- und Lernansätzen. Die zahlreichen Forschungsaktivitäten der „Hochschule am Meer“ wurden bereits vielfach ausgezeichnet und unterstützen nachhaltige Entwicklungen in der Region und darüber hinaus.
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