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Hochschule Bremerhaven

"Wie kann ich als Gestalter:in Dinge erschaffen, die eine KI eben nicht kann?" Prof. Axel Stiehler ist neuer Professor für Gestaltung an der Hochschule Bremerhaven

"Wie kann ich als Gestalter:in Dinge erschaffen, die eine KI eben nicht kann?" Prof. Axel Stiehler ist neuer Professor für Gestaltung an der Hochschule Bremerhaven
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Wirklich neu ist Axel Stiehler an der Hochschule Bremerhaven nicht, lehrt er hier doch seit 2018 Editorial Design, Informationsgrafik, Grafisches Erzählen und Corporate Design im Studiengang Digitale Medienproduktion (DMP). Doch der ehemalige Lehrbeauftragte unterrichtet ab sofort als Professor für Gestaltung die Erstsemester auf dem Campus. Was diese neue (akademische) Rolle an Änderungen mit sich bringt, wie die Hochschule Bremerhaven Dozent:innen auf ihrem Weg zur Professur begleitet, und was Axel Stiehler bei der Arbeit mit den Studierenden am wichtigsten bleibt, verrät er im Interview.

Was ist Ihre Position an der Hochschule Bremerhaven?

Ich habe eine Professur für die Grundlagen der Gestaltung im Studiengang Digitale Medienproduktion (DMP).

Welche Aufgaben haben Sie?

Ich unterrichte die Ersties in den ersten beiden Semestern zum Studienbeginn und mache sie – mit den Kolleg:innen – fit für den Studiengang. Im Allgemeinen haben die Studienanfänger:innen wenn, dann einen sehr unterschiedlichen Kenntnisstand, was den Bereich Gestaltung anbelangt: Die einen kommen direkt von der Schule, andere haben bereits etwas anderes studiert oder sogar eine Ausbildung im Medienbereich gemacht. Es gilt, alle möglichst auf dasselbe Level zu bringen und Grundlagen für spätere Wahlmodule zu schaffen.

Darüber hinaus gebe ich aber auch noch manchmal Kurse in den höheren Semestern in den Bereichen Grafisches Erzählen, Editorial Design und Corporate Design.

Wie sieht Ihr bisheriger Werdegang aus?

Ich habe nach der Schule eine Ausbildung zum Offsetdrucker gemacht, dann Grafik Design an der Hochschule für Künste (HfK) in Bremen studiert und mit einem Diplom abgeschlossen. Gleich im Anschluss habe ich dort an der HfK auch schon das erste Mal unterrichtet (Illustration), später dann an der Hochschule Bremen im Internationalen Frauenstudiengang (Webdesign) und seit 2018 bin ich Lehrbeauftragter in unterschiedlichen Fächern im Bereich Crossmediales Publizieren in unserem Studiengang DMP hier an der Hochschule Bremerhaven. Andreas Teufel hat mich damals als Lehrbeauftragter nach Bremerhaven geholt, um mit den Studierenden den analogen Teil der Produktion unserer Hochschulmagazine zu machen. Denn parallel zur Lehrtätigkeit bin ich seit bald 30 Jahren selbstständig als Geschäftsführer in der Blaukontor für Gestaltung GmbH tätig. Dort designen und programmieren wir mit unserem Team Websites, erstellen Corporate Designs, kuratieren und koordinieren Ausstellungen und gestalten Magazine, die wir zum Teil auch im hauseigenen Speicher Verlag publizieren.

Jetzt sind Sie vom Lehrbeauftragten zum Professor im Studiengang Digitale Medienproduktion geworden – wie kam es dazu?

Der Studiengang Digitale Medienproduktion ist stark nachgefragt – wir haben immer viel mehr Bewerber:innen als Studienplätze. Das Rektorat hat sich gewünscht, dass wir mehr Studierende aufnehmen, im Gegenzug wurde dafür eine neue halbe Professor:innenstelle ausgeschrieben, auf die ich mich beworben habe. Obwohl man mich schon kannte, habe ich natürlich – wie alle anderen Bewerber:innen auch – das offizielle Verfahren durchlaufen und neben der eigentlichen Bewerbung ein Lern- und Lehrkonzept eingereicht. Ich habe meine Arbeit mit den Studierenden umfangreich dokumentieren und ich glaube, das ist vielleicht ganz gut angekommen: Ich wurde dann – wie ein paar andere – zu einer Probevorlesung und einen Fachvortrag eingeladen. Und die Kommission hat mich im anschließenden Gespräch ganz schön gegrillt (lacht) … ja, und ein paar lange Monate später, ich wusste ja die ganze Zeit nicht, wie der Stand ist, bekam ich tatsächlich die Zusage. Dann allerdings so spät, dass ich erst einen Tag vor dem Start des Semesters meinen Arbeitsvertrag unterzeichnen konnte. Aber es freut mich schon sehr, dass es geklappt hat, und es passt, dass es eine halbe Stelle ist, denn ich arbeite ja weiterhin in meiner Agentur und viele der Aufgabenstellungen dort passen gut zu meinen Studierendenprojekten. Und ich habe auch immer wieder Studierende, die ihr Praxissemester bei uns in der Agentur machen.

Schön ist, dass die Hochschule Bremerhaven Dozent:innen auf dem Weg zu einer Professur begleitet und gute Unterstützungsmöglichkeiten für Lehrbeauftragte, aber auch Neuberufene im Rahmen der Eingangsphase bietet.

Was ist jetzt anders, wo Sie Professor und nicht mehr Lehrbeauftragter sind?

Der Stressfaktor ist jetzt ein anderer! Als Lehrbeauftragter hat man etwas mehr Narrenfreiheit, auch wenn man immer mehr macht, als am Ende vergütet wird: extra Rücksprachen und Bachelorarbeiten als Zweitprüfer begleiten und bewerten. Jetzt, als Professor, werde ich natürlich auch Erstprüfer sein. Ich merke, dass der Druck jetzt etwas höher ist, denn man hat als Professor:in doch eine andere Verantwortung und Stellung innerhalb der Hochschule. Jetzt bin ich in meinem halben beruflichen Leben an der Hochschule im Land Bremen angestellt, das ist schon ein anderer Beat als vorher. Aber dafür ist der Einfluss, den ich jetzt auf die Lehre habe interessant, z.B. was ich wie an die Studierenden weitergeben möchte. Und ich werde jetzt als Professor erstmals den diesjährigen DMP-Tag mit einem Team (am 12. Juni) organisieren.

Was ist Ihnen bei der Arbeit mit Studierenden besonders wichtig?

Im Grafik- und Kommunikationsdesign werden wir natürlich immer stärker mit künstlicher Intelligenz konfrontiert. Wir merken das auch in der Agentur – manche Kund:innen meinen: Da schicken wir mal schnell die KI drüber … Das ist eine zusätzliche, neue Aufgabenstellung: Wie kann ich als Gestalter:in Dinge erschaffen, die eine KI eben nicht kann? Wie kann ich unique sein? Was KI momentan visualisiert, ist im Bereich Illustration zwar oft eher ein ästhetischer Brei - auch wenn sie stetig besser wird und man manchmal zugegebenermaßen schon genau hinsehen muss. Aber natürlich kann KI ergänzen und soll ein Hilfsmittel sein, gerade in der Recherche. Mir geht es darum, den Studierenden möglichst viele Darstellungsformen und Lösungswege aufzuzeigen. Und manchmal ist es auch Studiengang DMP gut, wenn wir ein paar analoge Prozesse auf dem Weg zum digitalen Ergebnis einbauen. Klar, das Haupttool ist und bleibt der Rechner. Aber schaffe ich es auch, vorher eine Idee zu skizzieren, sie analog zu Papier zu bringen?

Was gefällt Ihnen an der Hochschule Bremerhaven?

Dass sie eher familiär und übersichtlich ist, einen schönen Campus und eine vorzügliche Lage am Wasser hat. Ich bin gebürtiger Friese und wenn ich in Haus C unterrichte, dann laufe ich in der Pause gerne mal zum Deich hoch, gucke auf die Wesermündung und aufs Meer.

Was ist Ihr Lieblingsort auf dem Campus?

Ich bin gerne im Studierendencafé StuCa bzw. wenn es warm ist, direkt davor, zum Kaffeetrinken. Drinnen halte ich mich nicht so lange auf, das soll ja ein Ort für die Studierenden sein. Und sonst im Design-Labor im Gebäude T, wo ich häufig unterrichtet habe in den letzten Jahren.

Haben Sie ein persönliches Motto?

Ich zitiere gerne meinen eigenen Professor Bernd Bexte, bei dem ich im Fach Illustration studiert habe: „Man muss nicht gut zeichnen können – man muss wissen, wie eine gute Zeichnung aussieht.“ Das lässt sich auf viele Bereiche in der Mediengestaltung adaptieren: Wir versuchen oft als „Universalgenies“ zu agieren, können aber nicht immer alles selbst umsetzen. Aber es ist eminent wichtig, sich mit den Dingen auseinanderzusetzen und möglichst viel ausprobiert zu haben, um später die gelungenen von den weniger gelungenen Dingen unterscheiden zu können. Design unterliegt ja in erster Linie Funktionalitäten und soll nicht vordergründig „schön“ sein. Deshalb passt auch das etwas überstrapazierte Motto „Form follows function“ immer noch gut.

Extra: Mit "BeProf@BHV" gemeinsam auf zur Professur

Im Rahmen des Projekts BeProf@BHV stärkt die Hochschule Bremerhaven die langfristige Gewinnung, Bindung und Qualifizierung von Talenten mit besonderem Fokus auf den Karriereweg zur HAW-Professur (Professur an einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften). Ziel ist es, die Hochschule Bremerhaven als attraktive Arbeitgeberin zu stärken und ihre Position im Wettbewerb um qualifiziertes Personal auszubauen. Dafür werden verschiedene Maßnahmen zur Personalgewinnung, -qualifizierung und -bindung umgesetzt, darunter der Ausbau des Employer Brandings, neue Modelle für Professuren, die Förderung von Promotionen sowie gezielte Angebote für Lehrbeauftragte. Das Projekt ist Teil des Bund-Länder-Programms „FH-Personal“ des BMFTR und wird im Zeitraum von 2021 bis 2027 gefördert.

Mit Begeisterung studieren, lehren und forschen – dafür steht die Hochschule Bremerhaven. In mehr als 20 praxisnahen und innovativen Studiengängen profitieren die rund 3.000 Studierenden von der engen Zusammenarbeit mit der regionalen Wirtschaft und modernen Lehr- und Lernansätzen. Die zahlreichen Forschungsaktivitäten der „Hochschule am Meer“ wurden bereits vielfach ausgezeichnet und unterstützen nachhaltige Entwicklungen in der Region und darüber hinaus.

Pressekontakt:
Hochschule Bremerhaven
Isabelle Epplé
An der Karlstadt 8
27568 Bremerhaven
+49 471 4823-342 
iepple@hs-bremerhaven.de 
presse@hs-bremerhaven.de
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