Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
»Wo sind wir, was wir sind« – Existieren und Schreiben in der kommunistischen Diktatur – Themenabend mit Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller
»Wo sind wir, was wir sind« – Existieren und Schreiben in der kommunistischen Diktatur – Themenabend mit Literaturnobelpreisträgerin Herta Müller
Berlin, 11. Februar 2026 – Schreiben konnte in kommunistischen Diktaturen existenzielle Folgen haben. Zensur, Überwachung und Repression bestimmten die Bedingungen literarischer Arbeit – und machten Sprache selbst zu einem politischen Risiko. Anlässlich des 40. Todestages des rumäniendeutschen Schriftstellers Rolf Bossert (1952–1986) laden die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur und das Deutsche Kulturforum östliches Europa am 17. Februar 2026 um 18 Uhr zu einem Themenabend unter dem Titel „»Wo sind wir, was wir sind« – Existieren und Schreiben in der kommunistischen Diktatur“ ein. Die Veranstaltung findet in der Kronenstraße 5 in Berlin statt und wird live auf YouTube übertragen.
Rolf Bossert gehörte zur Aktionsgruppe Banat, einer literarischen Bewegung junger rumäniendeutscher Autoren, die sich Anfang der 1970er-Jahre der ideologischen Vereinnahmung durch das Ceaușescu-Regime widersetzte. Ihre Texte brachen mit den Vorgaben des sozialistischen Realismus und bestanden auf sprachlicher Eigenständigkeit und individueller Haltung. Die Konsequenzen waren gravierend: staatliche Überwachung, Verhöre, Publikationsverbote, Haft und schließlich die erzwungene Emigration. Zwei Monate nachdem der Schriftsteller mit seiner Familie Rumänien verlassen konnte, kam Bossert unter bis heute ungeklärten Umständen in einem Aussiedlerheim in Frankfurt am Main ums Leben.
Der Themenabend nimmt Bosserts Werk und Biografie zum Ausgangspunkt, weitet den Blick jedoch auf Rumänien, Ungarn und die DDR und fragt nach literarischen Handlungsspielräumen unter diktatorischen Bedingungen, nach verdeckten Formen des Widerstands sowie nach der Bedeutung persönlicher Haltung und Sprache.
Auf dem Podium diskutieren Autorinnen und Autoren, deren eigenes Schreiben eng mit den Erfahrungen kommunistischer Diktaturen verbunden ist: Herta Müller, Literaturnobelpreisträgerin und selbst aus Rumänien stammend, zählt zu den international bekanntesten literarischen Stimmen dieser Erfahrung und gehörte zum Umfeld der Aktionsgruppe Banat. Sie eröffnet das abendliche Programm mit einem Impulsvortrag. Die Erfahrung von Repression, Anpassungsdruck und erzwungener Neuverortung nach der Ausreise repräsentiert auf dem Podium Carmen-Francesca Banciu, ebenfalls aus Rumänien. Uwe Kolbe, einer der prägenden Lyriker der späten DDR, steht für die literarische Opposition gegen Zensur und politische Bevormundung. Noémi Kiss bringt die Perspektive der ungarischen Literaturszene ein. Ernest Wichner, langjähriger Leiter des Literaturhauses Berlin und Gründungsmitglied der Aktionsgruppe Banat, hat die rumäniendeutsche Literatur im deutschsprachigen Raum maßgeblich vermittelt und kontextualisiert. Die Moderation übernimmt der Schriftsteller Jan Koneffke, dessen filmische Dokumentation »Mein Bukarest – Jan Koneffke über Rolf Bossert« im Anschluss an das Podiumsgespräch gezeigt wird.
Die Veranstaltung ist kostenfrei, eine Anmeldung ist erforderlich unter: https://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/de/form/anmeldung-existieren-und-schreib
Weitere Informationen zur Veranstaltung: https://www.bundesstiftung-aufarbeitung.de/de/veranstaltungen/existieren-und-schreiben-in-der-kommunistischen-diktatur
Jonathan Harnisch
Pressereferent
Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur
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