Mobbing im Job belastet die Psyche, Frauen besonders häufig betroffen
Mobbing im Job belastet die Psyche, Frauen sind besonders häufig betroffen
Psychische Erkrankungen verursachen immer mehr Fehlzeiten. Bei der MobbingLine NRW berichten Anruferinnen und Anrufer, wie sich Konflikte und Mobbing am Arbeitsplatz auf ihre Gesundheit auswirken.
Düsseldorf, 27. August 2026
Während der Krankenstand insgesamt in Deutschland leicht zurückgeht, nehmen die Fehlzeiten aufgrund psychischer Erkrankungen zu. Auch Mobbing am Arbeitsplatz kann zu einer erheblichen psychischen Belastung werden. Unterstützung finden Betroffene bei der MobbingLine NRW unter Federführung des Landesministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales. Das Anrufaufkommen ist hoch: In den vergangenen drei Jahren wurden jeweils mehr als 2.000 Anrufe gezählt. Auch Beraterinnen und Berater des Instituts für Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF-Institut) der AOK Rheinland/Hamburg nehmen dort Anrufe entgegen.
Auswertungen der AOK Rheinland/Hamburg zeigen einen besorgniserregenden Langzeittrend: Seit 2003 hat sich die Zahl der Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen nahezu verdreifacht. Auch Mobbing am Arbeitsplatz kann die psychische Gesundheit belasten und sich auf die Arbeitsfähigkeit auswirken.
„Die Anruferinnen und Anrufer berichten beispielsweise über klassische Stresssymptome wie Kopfschmerzen, Schlafstörungen oder Übelkeit. Auch depressive Verstimmungen und anhaltendes Grübeln kommen vor. Viele sind bereits krankgeschrieben oder fühlen sich gesundheitlich so belastet, dass ihre Arbeitsfähigkeit beeinträchtigt ist“, sagt Psychologe Stephan Hübner, der beim BGF-Institut der AOK Rheinland/Hamburg die MobbingLine NRW federführend verantwortet.
Mehr als 2.000 Anrufe pro Jahr
Hilfsangebote zum Thema „Mobbing am Arbeitsplatz“ gibt es nur wenige. Die MobbingLine NRW gilt nach wie vor bundesweit als einzigartig. Betroffene werden hier schnell und anonym beraten, ihre individuelle Situation wird analysiert, mögliche nächste Schritte werden festgelegt.
Etwa drei von vier Anrufenden sind Frauen. Knapp 80 Prozent der Anrufe kommen aus Nordrhein-Westfalen, die übrigen aus anderen Teilen Deutschlands. Besonders häufig wenden sich Beschäftigte zwischen 40 und 49 Jahren an die MobbingLine. Diese Altersgruppe macht 32 Prozent der Anrufe aus. 28 Prozent der Anrufenden sind zwischen 30 und 39 Jahre alt, 23 Prozent zwischen 50 und 60 Jahren.
„Viele der Menschen, die sich bei uns melden, haben einen großen Redebedarf. Nicht selten höre ich zunächst minutenlang einfach nur zu“, sagt Stephan Hübner. „Für viele ist es wichtig, überhaupt einmal mit jemandem sprechen zu können, der die Situation von außen betrachtet und gemeinsam mit ihnen überlegt, welche Möglichkeiten es gibt.“
Mobbing kann sich schleichend entwickeln
Mobbing beginnt nicht zwangsläufig als gezielte Schikane. Häufig gehen belastende Konflikte voraus, die sich über längere Zeit zuspitzen. „Dabei kann ein Ungleichgewicht entstehen: Eine Person ist unterlegen, die andere tritt durchsetzungsstärker auf. Werden Konflikte nicht frühzeitig erkannt und konstruktiv gelöst, kann daraus eine für die Betroffenen zunehmend belastende Situation entstehen“, sagt Stephan Hübner.
Mobbing kann dabei von unterschiedlichen Personen ausgehen, von Vorgesetzten ebenso wie von Kolleginnen und Kollegen. Typische Verhaltensweisen sind beispielsweise ständige Kritik, die wiederholte Abwertung von Arbeitsleistungen, das Verbreiten falscher Tatsachen oder soziale Isolation. Auch Drohungen und persönliche Angriffe können dazugehören.
Gutes Arbeitsklima kann Konflikten vorbeugen
Umso wichtiger ist Prävention. Ein respektvoller Umgang und ein gutes Teamklima können dazu beitragen, dass Konflikte frühzeitig erkannt und gelöst werden. Führungskräfte spielen dabei eine zentrale Rolle: Sie sollten Veränderungen im Team wahrnehmen und Konflikte ansprechen. Auch transparente Leistungskriterien und eine angemessene Belastungssteuerung sind wichtig. Hoher Arbeitsdruck kann dagegen das Miteinander zusätzlich belasten. Sind Teams dauerhaft überlastet, kann dies den Zusammenhalt schwächen und bestehende Konflikte verschärfen.
„Führungskräfte sowie alle Mitarbeitenden sollten auf Konflikte nicht erst dann reagieren, wenn sich die Situation bereits zugespitzt hat. Es geht darum, aufmerksam zu sein, unterschiedliche Sichtweisen anzuhören und gemeinsam nach Lösungen zu suchen“, so Stephan Hübner.
Was Betroffene tun können
Wer sich am Arbeitsplatz gemobbt fühlt, sollte die Situation möglichst nicht allein bewältigen. Je nach Situation können folgende Schritte hilfreich sein:
- Unterstützung suchen: Kolleginnen und Kollegen, der Betriebs- oder Personalrat oder andere Vertrauenspersonen im Betrieb können wichtige Ansprechpartner sein.
- Vorfälle dokumentieren: Ein Mobbing-Tagebuch kann helfen, konkrete Vorfälle, Situationen und Entwicklungen festzuhalten.
- Beratung in Anspruch nehmen: Welche Schritte sinnvoll sind, hängt stark von der individuellen Situation und dem jeweiligen Arbeitsumfeld ab. Eine unabhängige Beratung kann helfen, die Situation einzuordnen und mögliche nächste Schritte abzuwägen.
- Konflikte frühzeitig ansprechen: Wo dies in der jeweiligen Situation sinnvoll und sicher ist, können Konflikte frühzeitig angesprochen und gemeinsam nach Lösungen gesucht werden.
Die MobbingLine: montags bis donnerstags zu erreichen
Die AOK Rheinland/Hamburg ist seit 2002 Partnerin der MobbingLine NRW unter der Federführung des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen. Die MobbingLine bietet Betroffenen montags bis donnerstags zwischen 16 und 20 Uhr unter der Telefonnummer (0211) 837-1911 eine niederschwellige Beratung rund um das Thema Mobbing. Dienstags wird die MobbingLine von den Beraterinnen und Beratern des BGF-Instituts der AOK Rheinland/Hamburg betreut (von 14 bis 16 Uhr exklusiv für AOK-Versicherte).
Die MobbingLine bietet Betroffenen die Möglichkeit, erste Strategien im Umgang mit Mobbing zu entwickeln. Das Beratungsteam kann dabei die Anruferinnen und Anrufer nicht nur seelisch entlasten, es vermittelt auch an externe Hilfsangebote wie Rechtsberatungen oder psychotherapeutische Beratungen. Die Beratung erfolgt vollständig anonym: Weder Name noch Telefonnummer der Anrufenden sind dem Beratungsteam bekannt.
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