Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe

Bilanz ziehen - Kulturgutschutz seit Anna Amalia
Bundesamt wirbt für systematische Vorbereitung auf Krisen

Leipzig/Bonn (ots) -

Sind die Kulturgut bewahrenden Einrichtungen aktuell gut vorbereitet,
um die ihnen anvertrauten Schätze zu beschützen? Mit dieser Frage 
beschäftigen sich heute am Donnerstag, 8. November, in Leipzig 
Vertreterinnen und Vertreter von Einrichtungen, die in den 
vergangenen Jahren mit Katastrophen konfrontiert waren - das 
Elbhochwasser in Dresden 2002, der Brand der Anna Amalia Bibliothek 
2004 in Weimar oder der Einsturz des Stadtarchivs in Köln 2009. Sie 
berichten während des Podiumsgesprächs "Bilanz ziehen - 
Kulturgutschutz seit Anna Amalia" darüber, wie sie die dramatischen 
Ereignisse bewältigt haben. Thema der Bilanz ist aber auch, welche 
Konsequenzen aus diesen Erfahrungen gezogen wurden, was der 
Kulturgutschutz in Deutschland von den Erkenntnissen lernen konnte 
und wie er sich im letzten Jahrzehnt weiterentwickelt hat. 

Initiativen kommen häufig "von unten"

Zwei Erkenntnisse haben sich dabei herauskristallisiert: Zum einen ist es unter den Gesprächsteilnehmern unbestritten, dass ohne adäquaten Kulturgutschutz unersetzliche Verluste für unsere Kultur und Identität drohen. Das haben die verschiedenen Unglücke in Dresden, Weimar und Köln gezeigt. Erst vor zwei Monaten zerstörte ein Brand viele Exponate des Nationalmuseums in Rio für immer. Eine weitere gemeinsame Erfahrung ist, dass es seit den katastrophalen Ereignissen zahlreiche positive Entwicklungen gegeben hat: Zugänge für die Feuerwehr wurden verbreitert und Ausrüstung wie Gummistiefel, Taschenlampen, Funkgeräte und Plastikabdeckungen beschafft. Insgesamt ist der Stellenwert für die Sicherheitsarbeit in Kultureinrichtungen gestiegen, bilanziert das Podium. Diese Maßnahmen waren und sind jedoch größtenteils als "Bottom-up-Initiative" durch die Betroffenen und Verantwortlichen selbst initiiert und getragen. Ein Beispiel dafür sind die Notfallverbünde, die sich seit den genannten Katastrophen gegründet haben.

Die katastrophalen Ereignisse in Weimar und Dresden waren zudem Ausgangspunkt zur Entwicklung des SiLK - SicherheitsLeitfadens Kulturgut, der Sammlungseinrichtungen bei der Evaluation und Optimierung ihres Sicherheitsstandards unterstützt und damit einen wichtigen Beitrag zum nachhaltigen Schutz unserer Kulturgüter leistet.

Von Erfolgen der allgemeinen Gefahrenabwehr lernen

An dieser Stelle setzt der Vorschlag des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) an, systematische Risikoanalysen für den Kulturbereich zu etablieren, wie sie in anderen Bereichen der Gefahrenabwehr mittlerweile Standard sind. "Wir möchten die Kultureinrichtungen ermutigen, ihre vorbeugenden Maßnahmen zur Gefahrenabwehr zu systematisieren, sich mit den Gefahrenabwehrbehörden vor Ort zu vernetzen und gemeinsame Übungen abzuhalten", sagt BBK-Präsident Christoph Unger bei der Eröffnung über das Ziel der Veranstaltung.

Der kanadische Experte Robert Waller arbeitet seit den 1990er Jahren zu dem Thema und teilt während eines ganztägigen Workshops während der Tagung seine Erfahrungen mit den Teilnehmenden.

"Im Bereich der lebensnotwendigen Versorgung der Bevölkerung, den sogenannten Kritischen Infrastrukturen, wird das systematische Risiko- und Krisenmanagement schon seit Jahren erfolgreich praktiziert. Die vielen kleinen und großen Erfolge der Methode im Bereich der Kritischen Infrastrukturen machen es sehr wahrscheinlich, dass eine Übertragung der Methoden auf die Gefahrenabwehr im Kulturbereich ganz erhebliche Vorteile bringen würde", sagt Christoph Unger.

Hintergrund: Bundesangelegenheit Kulturgutschutz

Die Zuständigkeit für kulturelle Angelegenheiten liegt gemäß dem Grundgesetz bei den Ländern. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe hat als Zivilschutzbehörde die Zuständigkeit für die Umsetzung der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten.

Bewaffnete Konflikte, also Kriege, sind zwar sehr unwahrscheinlich, die Haager Konvention schreibt jedoch fest, dass vorbereitende Maßnahmen zum Schutz von Kulturgut schon in Friedenszeiten zu treffen sind. Mit diesem Auftrag richtet sich das BBK mit regelmäßigen Veranstaltungen an die Länder. Ziel ist es, dafür zu sensibilisieren, dass vorbereitende Maßnahmen zum Schutz von Kulturgut getroffen werden müssen.

Das Podiumsgespräch ist Teil der 5. Internationalen Tagung "Kultur!Gut!Schützen!" für Sicherheit und Katastrophenschutz für Museen, Archive und Bibliotheken in Leipzig. Sie wird gemeinsam veranstaltet vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe und SiLK - Sicherheitsleitfaden Kulturgut.

Teilnehmende des Podiums sind: 
Christoph Unger, Präsident des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und
Katastrophenhilfe 
Andreas Rümpel, Leitender Stadtdirektor und Amtsleiter Brand- und 
Katastrophenschutzamt Dresden 
Dr. Bernhard Post, Leiter Landesarchiv Thüringen, Weimar 
Dr. Ulrich Fischer, Stv. Leiter Historisches Archiv der Stadt Köln 
Prof. Mario Glauert, Leiter der Abt. I Zentrale Dienste, 
Brandenburgisches Landeshauptarchiv 
Dr. Johannes Kistenich-Zerfaß, Abteilungsleiter Staatsarchiv 
Darmstadt
Almut Siegel, SiLK-SicherheitsLeitfaden Kulturgut 
   Bitte akkreditieren Sie sich in der Pressestelle unter dem 
angegebenen Kontakt. Akkreditierungen sind wegen des Zugangs zur 
Messe unbedingt nötig! 
Wann:  Donnerstag, 08.11.2018, 10 Uhr 
Wo:    Leipziger Messe, Messehaus, M1 und M2 

Pressekontakt:

Pressesprecherin Marianne Suntrup
pressestelle@bbk.bund.de
0228-99550-1150/-1180

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